Abschaffen oder lassen: Die Sommerzeit rückt näher

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Drei Mal werden wir noch wach, und dann ist sie auch schon da: Die Sommerzeit. In der Nacht von Sonnabend, 28. März, auf Sonntag, den 29. März müssen unsere Uhren eine Stunde vorgestellt werden. Wie stets in der Nacht um Punkt 2 Uhr. 
Gut zu wissen: Die Straßenbahnen und Busse fahren in der Nacht in Bremen, als ob noch Winterzeit wäre. Erst nach Betriebsschluss wird hier die Zeit geändert. 
Doch die Zeitumstellung entfacht auch eine Diskussion, ob sie wirklich nötig ist. Überwiegen die Vorteile oder gehört die Zeitumstellung endlich abgeschafft? Hier unser Pro und Contra aus der Redaktion, die ebenfalls kontrovers die Sommerzeit diskutiert. 

Pro: Zeitumstellung abschaffen

Die Sonnenuhr im Fockepark kann nicht umgestellt werden 
Schon wieder steht sie uns bevor: die Zeitumstellung. Vor Urzeiten eingeführt, sollte sie, unter anderem als Nachwirkung aus der Zeit der Ölkrise in Deutschland 1973, dabei helfen, Energie einzusparen. Dass diese Einsparungen minimal bis gar nicht vorhanden sind, ist mittlerweile bekannt.
Aber warum kann die Sommerzeit nicht das ganze Jahr gelten? Im Winter könnte man eine Stunde Helligkeit mehr gut gebrauchen, der Freizeitgenuss wird sicherlich gesteigert. Und schließlich leiden nicht nur wir Menschen unter dem ewigen eine Stunde vorstellen, oder eine zurück – oder wie war das noch gleich? 
Auch Tiere haben es schwer, zumal sie diesen Unsinn ja auch gar nicht nachvollziehen können. Aus der Landwirtschaft ist bekannt, dass Milchkühe ein bis zwei Wochen benötigen, um sich auf die neuen Melkzeiten umzustellen. Und nicht nur für Kühe bedeutet die Zeitumstellung unnötiger Stress. Wer sowieso schon Schlafstörungen hat, dem fällt die Anpassung an den neuen Rhythmus besonders schwer. 
Und die Umstellung der Uhren kann auch gefährlich werden: Laut Statistik gibt es an einem Montag nach der Zeitumstellung mehr Verkehrsunfälle als an gewöhnlichen Montagmorgen. Was muss man denn da noch groß überlegen? Diese unsinnige Uhren Hin- und Herdreherei gehört abgeschafft. 
Katja Wille,
Redakteurin Lokales und Kultur

Contra: Zeitumstellung soll bleiben

Bitte vorstellen: Uhr in der Bremer Innenstadt (Fotos: Schlie)
Es wird Frühling. Es wird wärmer und es bleibt schon länger hell. Und dann plötzlich kommt die Zeitumstellung, und es bleibt richtig lange hell. Die Sonne geht am späten Abend unter und nicht am Nachmittag. Das kann ich jedes Jahr aufs neue genießen. Erst mit der Sommerzeit ist der Winter richtig abgeschüttelt. 
Gut, dafür zahlt man einen Preis: Eine Stunde Zeitverschiebung. Doch die bekommt man im Herbst, wenn die dunkle Jahreszeit naht, als kleines Extra zurückgezahlt. Sie wird nur angespart. Und so schlimm ist die eine Stunde, die man die Uhr umstellen muss, ja auch wieder nicht. 
Wer nach England reist, muss im Ärmelkanal seine Uhr umstellen, auch um eine Stunde.  Wer weiter weg fährt, gar eine Fernreise antritt, muss mit ganz anderen Dimensionen der Zeitverschiebung kämpfen. Wer hier bleibt – der kann sich auch einfach ein paar Tage Zeit lassen und schon vorher langsam in die neue Zeit hineinrutschen. Strom sparen wir nicht, sagen jetzt die  Bedenkenträger. Schade – aber Na und? 
Mir ist das Tageslicht, das ich zur Sommerzeit eine Stunde länger habe, sowieso lieber als eine effiziente LED-Birne oder Leuchtstofflampe. Allen Untersuchungen und Unkenrufen zum Trotz: Ich finde, man kann die Sommerzeit lieben. So wie man den Frühling liebt.
Florian Hanauer
Chefredakteur
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