Pro und Kontra Kopfsteinpflaster

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In vielen Bremer Straßenzügen gibt es immer noch eine Fahrbahn aus Kopfsteinpflaster. Das mag schön aussehen, passt vielerorts zu den Häusern – macht aber ziemlichen Lärm und stellt Radfahrer wie Fußgänger vor Hindernisse. Um den Erhalt dieses Pflasters, das genau genommen „Großkopfsteinpflaster“ heißt, gibt es in manchen Straßen Streit. Grund Genug für den Weser Report, das Thema Pflaster zu einem Pro und Kontra zu machen. Hier die Meinungen:

Straßen mit Aufenthaltsqualität – das Pro

Bürgerinnen und Bürger sind kreativ und verantwortungsvoll. Sie investieren viel Arbeit und Geld in die Fassaden ihrer Häuser. Ihre Straße soll eine hohe Aufenthaltsqualität haben und nicht nur  Funktionsraum sein fürs Fahrrad und Auto.
Sie möchten, dass das zu ihren Häusern passende Kopfsteinpflaster erhalten bleibt. Meistens sprechen sich 80 Prozent der Anwohner einer Straße fürs Großkopfpflaster aus. Pflaster verbindet optisch beide Häuserseiten, Asphalt trennt sie.
Gleichzeitig fordern die Anwohner seit Jahren, für Radfahrer und mobilitätseingschränkte Menschen
radfahrfreundliche Angebotsstreifen in die Fahrbahn zu integrieren, um bequemes Radfahren und Queren auch auf gepflasterten Straßen zu ermöglichen.
Technisch ist dies ohne große Mehrkosten möglich. Leider baut das zuständige Amt oftmals fahrradunfreundlich mit den falschen groben Steinen und in unfachgerechter Ausführung. Es macht dadurch Radfahren auf diesen Straßen zum großen Ärgernis für Anwohner und Radfahrer.

Rainer Stadtwald
Beirat Östliche Vorstadt (Die Grünen)

Lebendige Stadt ist kein Freilichtmuseum – das Contra

An der Schaumburger Straße wünschen einige Nachbarn teures Kopfsteinpflaster zur Verkehrsberuhigung. Man übersieht jedoch die vielen mobilitätsbehinderten Bürger, die dieser Belag
bei jedem Überqueren quält. Auch für Radfahrer, deren Stadtteilverbindungen bevorzugt abseits der Hauptstraßen liegen, ist Großkopfsteinpflaster sturzgefährlich und Bandscheiben schädigend.
Wird eine Straße aufgerissen, bietet sich die Chance, die Oberflächen zukunftsweisend zu ebnen und illegales Gehwegradeln zu mindern. Lebendige Stadt ist kein Freilichtmuseum.
Nicht nur Autos haben die Kutsche ersetzt. Auch für Rollstuhlfahrer, Kinderwagen, Rollatoren muss
Straßenraum heute barrierefrei die Teilhabe gewährleisten. Wollen wir mehr Umsteiger vom Auto aufs Rad, so braucht es weniger erschütternde Fahrbahnen.
Zur Verkehrsberuhigung für Motorisierte empfehlen wir: mehr Grün, geschwungene Fahrbahnen und Teil-Hochpflasterungen.

Albrecht Genzel
Verkehrsreferent des ADFC Bremen
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