Bremen kündigt die Netten Toiletten am Stadtrand

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Seit 2009 hängt der Nette Toilette-Aufkleber an
 der Geschäftstür von Andreas Pfaff aus Blumenthal.

Wer künftig im Blumenthaler Gewerbegebiet ein dringendes Bedürfnis verspürt, soll das zurückhalten – zumindest in den Augen der Stadt. Sie kündigt „Netten Toiletten“ in Bremer Randlage die Zusammenarbeit.

Als die Nette Toilette 2009 mit 27 „Örtchen“ auch in Bremen-Nord an den Start ging, gehörte Andreas Pfaff zu den ersten, der die Toilettentür in seinem Gartentechnik-Geschäft am Striekenkamp auch für Nicht-Kunden öffnete.

„Dass wir vom Stand aus auf 27 nette Toiletten in Bremen-Nord gekommen wären, hätte ich mir zu Beginn der Aktion nie vorstellen können“, begeisterte sich der damalige Umweltsenator Reinhard Loske (Grüne). Fünfeinhalb Jahre später wird sich die Zahl reduzieren. Das liegt aber nicht an den Toilettenbesitzern, sondern an Loskes Amtsnachfolger Joachim Lohse (Grüne).

Begründung: „Notorisch klamme Haushaltskassen des Landes Bremen“

Aus dessen Haus hat Andreas Pfaff jetzt ein knappes Schreiben bekommen. Man bedanke sich beim „Pionier“ für dessen Teilnahme – und kündige den Vertrag zum 1. Juni. „Die Aktion ,nette Toilette‘ hat sich positiv weiterentwickelt, im Gegensatz zur notorisch klammen Haushaltskasse des Landes Bremen“, heißt es zur Begründung. Deshalb bereinige man jetzt den Bestand, was in erster Linie dezentral gelegene Einkaufszentren betreffe.

Denn die Stadt unterstützt die öffentlichen Toiletten finanziell. So erhält Pfaff bisher 100 Euro monatlich und investiert diese in eine Putzfrau, die regelmäßig für Sauberkeit sorgt. „Ich frage mich, wie man es im Ernstfall mit einem gewissen Druck vom Gewerbegebiet bis zu den Toiletten im Blumenthal-Center schaffen soll“, sagt Andreas Pfaff.

Jens Tittmann, Sprecher des Umweltressorts, betont, dass die Idee „Nette Toilette“ überhaupt nicht in Frage stehe. Allerdings prüfe man regelmäßig, wo überhaupt eine Nachfrage nach Sanitärbereichen herrscht. „Dort vor Ort gibt es demnach keinen Bedarf für eine öffentliche Toilette“, erklärt er. Deshalb könne Pfaffs Örtchen auch nicht länger von der Stadt subventioniert werden.

Ein Einzelfall ist der Blumenthaler Geschäftsmann aber nicht. Auch die anderen beiden „Netten Toiletten“ im Gewerbegebiet – bei XXL Niesmann und Witthus/Hammer – haben eine Kündigung bekommen. „Ich bin davon persönlich enttäuscht“, sagt Geschäftsmann Dennis Witthus. „Vor Projektbeginn habe ich einen Behördenvertreter damals durch Blumenthal begleitet, um Mitstreiter zu finden.“

Geschäftsleute wollen ihre Toiletten trotzdem für Öffentlichkeit bereitstellen

Kritik für die Streichung der netten Toiletten kommt auch von der CDU Bremen-Nord. „Wieder einmal handelt der grüne Bausenator an den Beiräten vorbei und setzt Geschäftsleute wie auch letztlich Toilettennutzer vor vollendete Tatsachen“, sagt der Blumenthaler CDU-Vorsitzende Ralf Schwarz. Er fordert: „Ein Aus für die Nette Toilette darf es nicht geben“.

Angst, im Gewerbegebiet ohne erlösendes Örtchen dazustehen, müssen Bürger übrigens nicht haben. Alle drei Geschäftsleute erklärten, ihre Toiletten selbstverständlich auch künftig der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen – dann eben ohne finanzielle Unterstützung von der Stadt.

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