Die Kirchenpräsidentin und die versteckten Ostereier

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Edda Bosse im Gespräch zu Ostern (Foto: Barth)

Nicht nur Oster-Gottesdienste, Osterfeuer und Ostergeschenke gibt es an diesen Feiertagen. Auch Ostereier werden wieder versteckt. Das würde die Präsidentin der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK), Edda Bosse, auch tun. Im Oster-Interview mit dem Weser-Report erklärt sie, was die Feiertage ihr persönlich bedeuten – und wie sich die Kirche engagiert. Hier zum Ostersonntag das Gespräch.


Weser Report:  Heute ist Ostersonntag, aber angenommen, ich habe vergessen, die Ostereier zu verstecken.  Ist das schlimm?

Edda Bosse: Nein, gar nicht. Da denkt man sich etwas Nettes aus, geht in die Natur und versteckt die Eier unterwegs. Das ist ein Frühlingsspaß für die ganze Familie. Für mich als Christin ist Ostern aber mehr, der große Festtag, an dem ich feiere, dass Jesus Christus auferstanden ist. Es ist der Sieg des Lebens über den Tod, Hoffnung und Zuversicht für mein Leben.

Aber Sie würden auch Ostereier verstecken?

Natürlich. Das ist eine Freude. Sollen Christen etwa immer nur ernst auf den Boden schauen? Vor allem sollten wir die Osterfreude weitergeben und darauf achten, dass niemand einsam und alleine ist.

Wann sollte jemand Ostern in die Kirche gehen?

Wer neugierig ist, sollte in eine Osternacht gehen. Das ist etwas Besonderes: Man geht in die dunkle Kirche, wo dann ein Licht nach dem anderen angezündet wird. Es mag mühsam sein, so früh aufzustehen, aber es lohnt sich.  Das ist Erlebniskirche.

Knapp 40 Prozent der Bürger Bremens sind evangelisch, weit mehr als in Hamburg oder Berlin. Ist Bremen noch Kirchenhochburg?

Ich schaue nicht nur darauf, dass es weniger Mitglieder werden, sondern wie sehr wir uns in dieser Gesellschaft engagieren. Zu uns gehören immer noch 210.000 Menschen, wir helfen Flüchtlingen, Obdachlosen oder Alleinstehenden, engagieren uns zum Beispiel im Kindergartenbereich, bewahren Baudenkmäler oder pflegen kulturelle Vielfalt.

Viele verlassen ja die Kirche gerade aus finanziellen Gründen.

Ich würde mich freuen, wenn jene, die mit dem Gedanken spielen, sich gegen die Kirche zu entscheiden, bedenken würden, dass sie mit ihrer Kirchensteuer eben auch viel Gutes tun und es sich schon dafür lohnt zu bleiben. Früher wollte man sich in der Kirche Gutes tun und nicht darüber reden. Heute muss man mehr erzählen, was wir für die Menschen in unserer Stadt tun, gerade in einer übervollen Informationsgesellschaft und gerade in die Jugend hinein.

Stehen denn den Austritten auch Eintritte gegenüber?

Den knapp 2.000 Austritten im Jahr stehen etwa 500 Eintritte von Menschen gegenüber, die bewusst in die Kirche zurückkehren. Leider haben wir aber durch den demographischen Wandel eine rückläufige Geburtenentwicklung und eine steigende Sterberate in evangelischen Haushalten. Das ist ein Problem für uns wie für viele andere Institutionen. Darüber müssen wir uns Gedanken machen, denn weniger Mitglieder bedeuten, dass wir weniger Geld zur Verfügung haben und die knappen Mittel sinnvoll für die Arbeit mit Menschen einsetzen müssen.

Sie hatten ja eine große Polarisierung mit den Predigten von Pastor Olaf Latzel. Sind Sie wieder übereingekommen?

Wir haben unterschiedliche Auffassungen, aber die Bremische Evangelische Kirche ist nun mal keine hoheitliche Landeskirche. Die Gemeinden sind selbstständig, die einen sehr liberal und die anderen eben sehr evangelikal. Wir setzen uns hart auseinander, aber bauen auch immer wieder Brücken. Mit Pastor Latzel und  denen, die seinen Ausführungen zustimmen, werden wir weiter Gespräche führen. Er hat in Inhalt und Wortwahl sehr deutliche Positionen bezogen, und dabei waren auch Entgleisungen in Richtung Religionsvielfalt und Toleranz. Mir war es wichtig, dass wir uns dafür entschuldigt haben.

Die Entscheidung, die Osterwiese am Karfreitag zu öffnen, kritisieren Sie?

Der Karfreitag ist ein stiller Feiertag. Trauer steht im Vordergrund und Respekt für jene, denen nicht nach Feiern zumute ist, weil sie etwa ihrer verstorbenen Angehörigen gedenken oder der Opfer von Krieg, Terror und Flugzeugkatastrophen. Ich verstehe, dass die Schausteller unter den Schließungen durch das Wetter leiden, hätte mir aber eine kreativere und tragfähigere Lösung gewünscht, als ausgerechnet am Karfreitag die Osterwiese zu öffnen. So hätte die Stadt Bremen auch ein anderes Signal setzen und den Schaustellern die Standgebühren reduzieren können. So wie es jetzt entschieden wurde, ist es nicht in Ordnung.

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