Bremer „Tatort“: Umweltschützer drehen am Rad

Von
Umweltaktivist Henrik Paulsen (Helmut Zierl)
 macht mit einem Videoblog auf Umweltskandale 
aufmerksam. Foto: Radio Bremen/Jörg Landsberg

An welchem Punkt gerät die Verhältnismäßigkeit zwischen Umweltschutz und unternehmerischem Denken aus den Fugen? Um diese Frage dreht sich der neue Bremer „Tatort – Wer Wind erntet, sät Sturm“. Besonders überzeugt diesmal die Rollenbesetzung.


Ein Umweltaktivist wird erschossen, und sein Freund Henrik Paulsen (Helmut Zierl) verschwindet auf einem Windrad in der Nordsee. Die Bremer Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) ermitteln mitten in einem Interessenkonflikt zwischen Umweltschützern und Unternehmern.

Hat der Windpark-Betreiber Lars Overbeck (Thomas Heinze) etwas damit zu tun? Will er Kritiker zum Schweigen bringen? Umso mehr die Kommissare in Erfahrung bringen, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Opfern und Tätern, zwischen unschuldig und schuldig.

Wie grün ist Windenergie wirklich?

Nach dem gefeierten jüngsten Bremer „Tatort – Die Wiederkehr“, einem sehr persönlichen, intimen Fall, dreht die Crew um Regisseur Florian Baxmeyer diesmal am größeren Rad. „Wer Wind erntet, sät Sturm“ erzählt von maritimer Wirtschaft, dem großen Geld und stellt keine geringere Frage als die in den Raum, ob Windenergie als solche wirklich so grün ist, wie sie in der Öffentlichkeit gesehen und beworben wird.

Radio Bremen übertreibt es mit der Selbstdarstellung

Etwas zu gut hat es Radio Bremen in Sachen Selbstdarstellung gemeint: Hier talkt Giovanni di Lorenzo im „3nach9“-Studio mit einer Umweltaktivistin, da steht der Windpark-Betreiber vorm „buten un binnen“-Hintergrund, bevor ein Reporter demonstrativ mit rotem Radio-Bremen-Mikro übers Hafengelände hetzt. „Die haben‘s aber auch nötig“, möchte man die Augen verdrehen.

Der neue Bremer „Tatort“ steht auf drei Säulen. Die erste ist das interessante und spannende Buch von Wilfried Huismann, Dirk Morgenstern und Boris Dennulat, das die Diskussion um das Für und Wider von Windenergie fernab von provinziellem, bürger­initiativem Schlagschatten-Krakeelen führt.

Säule zwei bilden die imposanten Aufnahmen samt Kameraführung – sei es auf hoher See mitten im Windpark oder am Bremer Weser Tower.

Thomas Heinze zwischen Großkotz und Teamplayer

Die Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel)
und Nils Stedefreund (r., Oliver Mommsen) verhören
Windpark-Betreiber Lars Overbeck (Thomas
Heinze)
.  Foto: Radio Bremen/Jörg Landsberg

Die dritte Säule steht und fällt mit der Besetzung einer Produktion. Und die ist im vorliegenden Fall erstklassig. Zwar hätte man TV-Liebling Helmut Zierl mehr Präsenz gewünscht, dafür begeistert ein starker Thomas Heinze als Windpark-Betreiber, der stets irgendwo zwischen Großkotz und motivierendem Vorarbeiter changiert, umso mehr.

Der „Tatort – Wer Wind erntet, sät Sturm“, läuft kommenden Sonntag, 14. Juni, um 20.15 Uhr im Ersten.

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