Handelskammer Bremen: Wirtschaftsleistung ist Warnsignal

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Dr. Matthias Fonger

Die bremische Wirtschaftsleistung ist 2014 deutlich geringer als im Bundesdurchschnitt gestiegen: preisbereinigt um 0,7 Prozent. Bundesweit lag der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bei 1,6 Prozent. Dennoch stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Land Bremen um 1,7 Prozent. Das geht aus dem Statistischen Jahresberichts 2014 der Handelskammer Bremen hervor.

Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Fonger: „Die zweitschlechteste Wachstumsrate unter allen Bundesländern ist ein deutliches Warnsignal. Es muss alles getan werden, damit sich unser Bundesland nicht weiter vom bundesdeutschen Trend abkoppelt.“ In diesem Zusammenhang appellierte Fonger an die künftige Bremer Regierungskoalition, in den kommenden Jahren für eine angemessene Stärkung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und eine klare, auf Wachstumsimpulse und Arbeitsmarktentwicklung fokussierte Politik zu sorgen. Dabei bot er die konstruktive Unterstützung seitens der Kammer an..

Risikofaktoren für die aktuelle Konjunktur seien zum einen weltpolitische Entwicklungen, die sich auch auf die bremische Wirtschaft auswirken könne, zum anderen die haushaltspolitische Situation Bremens. So verlören bisherige Sonderfaktoren für die Konjunktur an Kraft: Der Ölpreis steige wieder und auch der Euro habe sich gefangen. 


Günstiges Zinsumfeld


Das Haus Schütting – Sitz der Handelskammer Bremen

Weiter heißt es, Bremen habe 2014 von höheren Steuereinnahmen und dem günstigen Zinsumfeld profitiert, was maßgeblich dazu beigetragen habe, dass das Land die Kriterien für die Auszahlung der Konsolidierungshilfen in Höhe von 300 Millionen Euro jährlich erfüllen konnte. Auf solche Effekte könne sich Bremen aber nicht dauerhaft verlassen.

 Fonger: „Bremen muss mit einer intelligenten Strategie für die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte sorgen. Erforderlich ist zum einen eine Haushaltskonsolidierung durch einen Strukturumbau in der öffentlichen Verwaltung, zum anderen die langfristige Stärkung des Landes durch wirtschaftliches Wachstum, das für Steuermehreinnahmen und zusätzliche Arbeitsplätze sorgt.“ Wichtig sei darüber hinaus, Bremens Innovationspotenzial zu stärken und ein positives Aufbruchsklima zu erzeugen, das Unternehmen zu mehr Investitionen motiviert.

Industrie im Aufwind


Die Industrie im Land Bremen hat sich mit einem Umsatzwachstum von 1,3 Prozent und einem Beschäftigungsanstieg von 0,6 Prozent insgesamt verhalten positiv entwickelt. Mit 57,5 Prozent hat Bremen die höchste industrielle Exportquote aller deutschen Bundesländer.

Logistikbranche rückläufig – Bauwirtschaft beflügelt


Das Geschäftsklima in der Logistik- und Verkehrswirtschaft war rückläufig. Die bremischen Häfen blieben beim Güterumschlag um 0,6 Prozent hinter dem Vorjahresergebnis zurück. Positiv entwickelte sich dagegen die Nachfrage in der Bauwirtschaft, allerdings litten die bremischen Betriebe unter einer anhaltend schwierigen Wettbewerbssituation. Durch das niedrige Zinsniveau und die freundliche Immobilienmarktentwicklung wurde die Grundstücks- und Wohnungswirtschaft beflügelt.


Einzelhandel verliert an Boden


Die Umsatz- und Beschäftigungsentwicklung des bremischen Einzelhandels war 2014 rückläufig. Der Einzelhandel hat im Vergleich zum Umland erneut an Boden verloren. Die Geschäftsentwicklung im Groß- und Außenhandel ließ im Jahresverlauf nach, verbesserte sich aber zum Jahresende. Eine freundliche Konjunktur verzeichneten weite Teile des Dienstleistungssektors. Personenbezogene Dienstleister profitierten von der erhöhten Kaufbereitschaft der Verbraucher.


Neuer Übernachtungsrekord


Die Gästezahlen sind 2014  in beiden Städten deutlich gestiegen. Mit rund 2,3 Millionen Übernachtungen wurde ein neuer Übernachtungsrekord erzielt. Die Umsätze der Hotels, Gasthöfe und Pensionen legten in der Summe zu. Das Kreditgewerbe verzeichnete insgesamt eine freundliche Geschäftslage.

Moderates Wirtschaftswachstum in 2015


Für das Jahr 2015zeichnet sich nur ein moderates Wirtschaftswachstum in Bremen ab. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet für Deutschland in diesem Jahr mit einem Wachstum von 1,8 Prozent.

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