„Endlich Spielfrei“: Selbsthilfegruppen in Delmenhorst

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Hilfe für Spielsüchtige gibt die SHG „Endlich spielfrei!“ Foto: et

Rund 50 Selbsthilfegruppen (SHG) gibt es in Delmenhorst. In einer neuen Reihe möchten wir einige dieser Gemeinschaften vorstellen. Im ersten Teil erzählt die SHG „Endlich spielfrei“ über ihre Hilfe zur Selbsthilfe.





Die Selbsthilfegruppe „Endlich spielfrei!“ gibt es seit Januar dieses Jahres in Delmenhorst. Die vorherige SHG gegen Glücksspielsucht hatte sich nach sieben Jahren aufgelöst. Treffpunkt für die Akteure der neuen Gruppe ist immer sonntags von 18 bis 20 Uhr in der der Teestube der AWO-Drogenberatungsstelle DROB an der Scheunebergstraße 41.

„Zurzeit sind alle Teilnehmer schon länger spielfrei, es kann aber auch jeder Zeit ein ,nasser‘ Spieler zu uns kommen“, erklärt Frank. Er selbst ist von Anfang an dabei und hat sofort gemerkt, dass er durch die regelmäßigen Gruppentreffen „den Druck“ losgeworden sei. „Die meisten sind durch die Spielsucht hoch verschuldet, einige sogar wohnungslos. Dann muss man natürlich gucken, wie sie erst einmal wieder ein Dach über den Kopf kriegen“, sagt Frank.

In der Selbsthilfegruppe wird viel über das Seelische gesprochen

Im Grunde versuche man in der Gruppe die „Verlorenen“ aufzufangen, betont Dieter (der Name wurde von der Redaktion geändert). „Es wird viel über das Seelische gesprochen, denn so manche Spielsüchtige haben anfangs sogar Suizidgedanken.“

Dieter weiß aus eigener Erfahrung, dass es den meisten Betroffenen nicht um das Gewinnen geht, sondern um das Vergessen. „Als Spielsüchtiger kann man das Geld sowieso niemandem zeigen, denn dann würde man gefragt werden, woher es kommt. Wie bei jeder anderen Sucht auch, wird gelogen und betrogen. Jeder zweite von uns könnte ein Schauspieler werden“, ist sich Dieter sicher.

In die Spielothek bis kein Cent mehr in der Tasche war

Während es bei ihm damals nur noch ums Überleben oder Aufgeben ging – die Spielsucht hatte ihm nicht nur den letzten Cent sondern auch den Job gekostet – , konnte Frank zumindest noch seine Lebensgrundlage halten. Dennoch erinnert er sich, dass er bereits als Kind fasziniert war von den Geldspielautomaten. „Ab 18 habe ich dann die Spielotheken aufgesucht und bin so lange geblieben, bis ich kein Geld mehr in der Tasche hatte.“

„Endlich spielfrei“ hat kein Konzept wie die Anonymen Alkoholiker

Die SHG „Endlich spielfrei“ verfolgt nicht, wie beispielsweise die Anonymen Alkoholiker, ein bestimmtes Konzept. „Es gibt kein Patentrezept“, erklärt Dieter, der sich selbst immer das Lied „Man in the mirror“ ins Gedächtnis ruft. „Man muss täglich auf sich selbst aufpassen und fragen, was passiert mit mir, wie geht es mir, wo will ich hin?“


Bei „Endlich spielfrei“ sind sowohl betroffene Frauen als auch Männer willkommen. Altersgrenzen gibt es nicht. Weitere Informationen sind im Internet unter www.endlichspielfrei.jimdo.com oder unter Telefon 0176 91 18 07 77 sowie 0152 29 39 42 62, per E-Mail an endlichspielfrei@web.de erhältlich.

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