Polizei: Neuer Ansprechpartner für Homosexuelle

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Sven Rottenberg, der neue Ansprechpartner.
Foto: Polizei

Gewalt gegen homosexuelle Menschen ist keine einfache Straftat, sondern ein Staatsschutzdelikt. Damit ist sie so einzuordnen wie Terrorismus, zumindest kriminaltechnisch. Viele Schwule und Lesben haben noch immer Angst, zur Polizei zu gehen, sagen Interessenvertreter. Deswegen hat die Polizei dafür jetzt einen extra Ansprechpartner.

Sven Rottenberg ist der neue Mann für homosexuelle Gewalt bei der Polizei Bremen.“Ich will Verständnis und Vertrauen bei den Kollegen und bei Homosexuellen in Bremen aufbauen“, sagt er. Rottenberg ist selber schwul, von ihm ging die Initiative für einen gesonderten Ansprechpartner aus. „Schwule und Lesben können sich mit mir identifizieren. Das führt hoffentlich dazu, dass sie mehr zur Polizei gehen, wenn ihnen Gewalt angetan wurde“, sagt Rottenberg.

Homophobe Gewalt gilt als „Hasskriminalität“

Die häufigsten Delikte gegenüber homosexuellen Menschen seien Beleidigungen und Körperverletzungen. Aktuelle Zahlen hat Rottenberg noch nicht. „Bei der letzten Auswertung im Jahr 2013 haben wir 20 homophob motivierte Straftaten gefunden. Die Dunkelziffer liegt aber bei 80 Prozent. Also gehen wir von circa 100 Straftaten in einem Jahr aus“, sagt er. Dass so viele Straftaten nicht bei den Ordnungshütern gemeldet werden, läge daran, dass viele Menschen nicht an eine Aufklärung glaubten. Dabei würde homphobe Gewalt in die Kategorie „Hasskriminalität“ fallen und sei damit eine Sache des Staatsschutzes. Der verfolgt Straftaten, die gegen die Verfassung gerichtet sind, wie etwa Landesverrat oder Terrorismus.

Das Rat-und-Tat-Zentrum, ein homosexueller Interessenverband in Bremen benennt dazu noch ein anderes Problem: Schwule und Lesben würden sich oft nicht trauen, zur Polizei zu gehen. Sie hätten Angst vor Diskriminierung. „Das Coming-out ist ein schwieriger Prozess und viele Menschen haben in diesem Zusammenhang Ängste“, so Geschäftsfüher Christian Linker. Um homophobe, also schwulen- oder lesbenfeindliche Gewalt, als solche zu identifizieren, sei es aber wichtig, dass die Gewaltopfer ihre sexuelle Orientierung angeben, sagt Rottenberg.

Vertrauensvoller Umgang bei der Polizei wichtig

Er ruft dazu auf, auch bei wenigen Anhaltspunkten eine Straftat der Polizei zu melden. „Viele kleine Details ergeben irgendwann ein großes Gesamtbild“, sagt er. Schwerpunkt seiner Arbeit sei die Öffentlichkeitsarbeit. „Ich will den homosexuellen Menschen die Botschaft vermitteln, dass ich einer von ihnen bin“, sagt Rottenberg. Wenn sich Lesben und Schwule nicht zu den Kollegen trauen würden, sollten sie sich an ihn wenden. „Wir machen ein vertrauliches Erstgespräch und dann leite ich das an passende Kollegen weiter.“

Sensibler Umgang mit Opfern von homophober Gewalt sei wichtig. „Das ist vergleichbar mit einer Frau, die vergewaltigt wird“, sagt Rottenberg. Er will seine Kollegen entsprechend sensibilisieren. Christian Linker hofft, dass mit dem neuen Ansprechpartner das Vertrauen in die Ermittlungsbehörden wieder hergestellt werden kann.

Straftäter wollen Männlichkeit betonen

Linker sagt, homophobe Gewalt gegen Schwule ginge besonders häufig von Männern aus. Er erklärt sich das so: „Junge Männer probieren oftmals, sich durch solche Taten deutlich von Homosexualität abzugrenzen, um ihre eigene Männlichkeit hervorzuheben. Viele der Täter lenken durch ihre Taten von eigenen unverstandenen menschlichen Gefühlen ab. Er fordert außerdem, dass auch die häufig rechtsradikal motivierten Täter nicht verhamlost werden sollten. Rottenberg weicht der Frage nach der Motivation aus. Er habe da noch keine genauen Zahlen. Er verneint Linkers Vermutung aber auch nicht.

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