Die bildungspolitischen Sprecher aller Fraktionen wollen die Schulrefrom evaluieren. Foto: Bohlmann Die bildungspolitischen Sprecher aller Fraktionen wollen die Schulrefrom evaluieren. Foto: Bohlmann
Evaluation

Die Bremer Schulreform soll auf den Prüfstand

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Acht Jahre nachdem der Bremer Schulkonsens unterschrieben wurde, soll die Schulreform und ihre Auswirkungen jetzt evaluiert werden. 17 Punkte stehen auf der Agenda, die alle Fraktionen gemeinsam prüfen lassen wollen.

Alle Fraktionen der Parteien aus der Bremer Bürgerschaft haben die Evaluation des „Bremer Schulfriedens“ gemeinsam in Auftrag gegeben. Darauf waren die bildungspolitischen Sprecher von SPD, Grünen, CDU, FDP und Linken am Dienstag besonders stolz. „Uns alle eint das Problembewusstsein bezüglich des Bremer Schulsystems“, erklärte Mustafa Güngör von der SPD am Dienstag.

Die Bremer Schulreform, die 2008 von SPD, Grünen und CDU beschlossen worden war, legte fest, über zehn Jahre keine strukturellen Veränderungen des Schulsystems vorzunehmen. „Damit wollten wir Planungssicherheit und Ruhe für die Bremer Schulen erreichen, das ist uns gelungen“, so Güngör. Was die Schulreform gebracht hat, soll jetzt mit einer Evaluation des Systems geprüft werden.

Trotz Schulreform: Handlungsbedarf auf vielen Feldern

„In der zweiten Jahreshälfte 2016 soll die Evaluation von einem unabhängigen Institut durchgeführt werden, sodass wir Ende des Jahres Ergebnisse vorliegen haben“, so Güngör. Danach sollen die Ergebnisse politisch bewertet werden, um spätestens 2018 einen neu aufgelegten Bremer Schulkonsens festlegen zu können. „Wir sind momentan optimistisch, dass alle Parteien gemeinsam zu einer neuen Reform finden werden“, so Güngör.

Inhaltliche Schwerpunkte, die besonders untersucht und gegebenenfalls verbessert werden müssten, sieht die SPD vor allem in der qualitativen Entwicklung der Bremer Schulen. Als Gewinn für das Schulsystem bezeichnete Güngör die Zuwanderung von Flüchtlingen, weil diese dafür sorgten, dass die Schülerzahlen in der Hansestadt wieder steigen. „Auch das 2-Säulen-Modell bestehend aus Oberschule und Gymnasium muss weiter entwickelt werden“, so Güngör. Sein bildungspolitischer Kollege der Grünen, Matthias Güldner, sieht vor allem beim Thema Inklusion und Ganztagsschulen Handlungsbedarf.

Linke will Stadtteilschulen stärken

Die Opposition äußerte sich besorgter. „Die Changengerechtigkeit in Bremen ist seit der Schulreform 2008 eher schwieriger als besser geworden“, kritisierte Dr. Thomas vom Bruch von der CDU. „Auch dass es zwischen der Innenstadt und Bremen Nord nur ein einziges Gymnasium gibt, empfinde ich als Mangel.“ Handlungsbedarf sieht er bei der frühkindlichen Bildung, der Lehrer Aus- und Fortbildung und bei der digitalen Bildung.

Kristina Vogt von den Linken ist ebenfalls der Meinung, dass sich viele der bestehenden Bildungsprobleme seit der Bremer Schulreform sich nicht gelöst haben. „Wir brauchen eine höhere Bildungsdurchlässigkeit und -gerechtigkeit“, sagte sie. Vogt möchte vor allem Schulen in benachteiligten Stadtteilen stärken. „Die Kinder in beispielsweise Gröpelingen sind nicht dümmer, als die im Viertel, sie brauchen nur andere Voraussetzungen an den Schulen.“ Vogt möchte verhindern, dass Eltern ihre Kinder in andere Stadtgebiete schicken,weil sie glauben, dass dort die Bedingungen besser sind.

17 Punkte stehen auf der Evaluationsagenda

Dass es in Bremen qualitativ sehr unterschiedliche Schulen gibt, sieht auch die FDP so. „Wir müssen bei den guten Schulen schauen, was sie richtig machen und das auf die anderen übertragen“, so Julie Kohlrausch. Die ehemalige Schulleiterin sieht neben dem politischen Rahmen auch die Schulleitungen und die Schulaufsicht in der Pflicht, an der Qualität ihrer Bildungseinrichtungen zu arbeiten.

Grundsätzlich, betonten die Fraktionen, sei man sich einig, dass die Qualität an Bremens Schulen an vielen Stellen verbessert werden muss. Wie die Realität tatsächlich aussieht, soll die Evaluation zeigen. Darin wird neben dem Zwei-Säulen-Modell, der Inklusion, Ganztagsschulen, sowie der Beschulung und Integration von Neuzuwanderungen, auch die Eigenständigkeit der Schulen oder die Schulsozialarbeit geprüft werden.

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