Heinz Bettin tourt täglich durch den Landkreis und kontrolliert die DRK-Altkleiderconatiner. Foto: Möller Heinz Bettin klappert täglich die DRK-Altkleidercontainer ab. Foto: Möller
19 legale Anbieter

Schwarze Schafe bei der Altkleidersammlung

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Wer ausgediente Kleidungsstücke oder Schuhe zu Containern trägt, denkt oft, damit Gemeinnütziges zu unterstützen. Doch nicht jede Sammlung dient wirklich einem guten Zweck, so ein Beispiel aus dem Landkreis Osterholz.

Der aktuelle Marktpreis für Alttextilien liegt bei rund 250 bis 350 Euro pro angelieferten 1.000 Kilogramm. Das macht die Altkleidersammlung auch gewinnbringend. Neben Sammlungen für wohltätige Zwecke tauchen somit immer wieder dubiose Geschäftemacher auf. Sie wollen gerne von der Bereitschaft der Bürger profitieren, ihre Wertstoffe kostenlos herzugeben. Meistens sind die Spender nämlich im Glauben, damit etwas Gutes zu unterstützen.

Dass auch nur eine Gewinnabsicht dahinter stecken kann, zeigt ein Unternehmen aus Lage. Weder auf den Beschriftungen ihrer Container, noch nach telefonischer Anfrage wird Auskunft über den Zweck der Sammlung gegeben. In anderen Landesteilen ist die Firma deswegen schon in die Kritik geraten.

Auch im Landkreis Osterholz: Jede Altkleidersammlung erfolgt nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz, die Aufsteller von Sammelbehältern müssen sich die Standorte im öffentlichen Raum zwar nicht von der Kreisverwaltung genehmigen lassen, für die Aufstellung von Containern gilt aber eine Anzeigepflicht. Und damit geht auch eine Auskunft über den Zweck der Sammlung einher, ob gemeinnützig oder kommerziell gesammelt wird.

Die Firma Jeva hat ihre seit einigen Wochen im Landkreis platzierten Container nicht gemeldet. Kreishaussprecherin Jana Lindemann hat angekündigt, dass gegen dieses illegale Verhalten nun vorgegangen werden soll. Ordnungsgemäß angemeldet sind kreisweit übrigens 19 Anbieter von Altkleidersammlungen.

Altkleidersammlung: Verärgerung über illegal tätige Händler

Für Volker Leopold, Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes, sind die illegalen Händler ein Ärgernis. Das DRK sammelt Altkleider an Containerplätzen und tragbare Textilien auch in ihren beiden Kleiderkammern in Worphausen und in der Kreisstadt. „Die Spender entscheiden, wohin sie Altkleider geben. Meistens suchen sie die Kirche, das DRK oder die DLRG aus.“ Bei den täglichen Touren zu den Containern stellt man beim DRK auch viele „Gaben“ sicher, die eigentlich zum Müll gebracht werden sollten.

Über die „Wilderer“, die illegalen Altkleidersammler, ärgert sich auch der Osterholzer Chef der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Michael Rolf-Pissarczyk. Man unterhalte einige Containerstellpätze zur Altkleidersammlung und führe zusätzlich Straßensammlungen durch. Für die DLRG spielen die Einnahmen aus diesen Sammlungen sehr wohl eine große Rolle. Es geht um eine Summe, die fast so hoch ist, wie die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen, rechnet Rolf-Pissarczyk vor. Die nächste Straßensammlung wird in der Kreisstadt und in Ritterhude übrigens am Sonn­abend, 9. April, organisiert.

Verkaufte Textilien werden sortiert, verkauft oder recycelt

DRK und DLRG verkaufen Altkleider, die nicht direkt an Bedürftige weitergegeben werden, an einen Verwerter. Der bringt die Textilien in ein Sortierwerk in Sachsen-Anhalt. „Die besten Kleidungsstücke werden dann weltweit in Secondhandmärkten gehandelt, nicht mehr tragbare Waren werden zu Putzlappen verarbeitet“, so Tim Krawczyk vom Wolfener Unternehmen Soex. Er gibt diesen Anteil mit rund 15 Prozent an, weitere 15 Prozent würden noch zu Dämmmaterialien oder Staubbriketts für die Papierindustrie recyclet.

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