Volles Klassenzimmer: Deutsch und Mathematik haben Vorrang. Foto: WR
Bildung

Zu wenig Politikunterricht an Bremer Schulen?

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Bremer Schüler erhalten zu wenig Politikunterricht, besonders am Gymnasium - das kritisiert nicht nur die FDP, sondern auch Bürgerschaftspräsident Christian Weber (SPD). Sie fordern mehr verpflichtende Schulstunden.

Gerade einmal jeder zweite Bremer hat bei der Bürgerschaftswahl im vergangenen Jahr seine Stimme abgegeben. Im Interview mit dem Weser Report hatte Bürgeschaftspräsident Weber später gefordert, politische Bildung zum Pflichtfach zu machen.

Wie es tatsächlich um den Politikunterricht bestellt ist, zeigt jetzt die Antwort des Senats auf eine Anfrage der FDP. An Oberschulen geht es zwar in jeder zweiten Unterrichtsstunde des sogenannten Lernbereichs Geografie, Geschichte und Politik tatsächlich auch um Politik.

Vergleichsweise wenig Politikunterricht an Gymnasien

An Gymnasien sieht das aber völlig anders aus: Zwischen der fünften und neunten Klasse sind in jedem Schuljahr drei Stunden Unterricht im sogenannten „Lernbereich Geografie, Geschichte, Politik“ vorgesehen.

Von diesen rechnerisch 15 Wochenstunden in fünf Schuljahren entfallen aber gerade einmal 2,7 Stunden auf die Fächer Gesellschaft und Politik. Das ergibt sich aus den Lehrereinsatz­daten der vergangenen fünf Schuljahre.

FDP fordert mehr verpflichtenden Unterricht

„Das ist zu wenig“, sagt Lencke Steiner, Fraktionsvorsitzende der FDP. „Da ist es kein Wunder, dass Bremen in Vergleichen immer hinterherhinkt.“ Sie fordert deshalb ein Mindestmaß an Politik- und Wirtschaftsunterricht in Schulen – und zwar verpflichtend.

Auch Christian Weber ist mit dem Anteil des Politikunterrichts nicht zufrieden. Das Fach habe immer noch den Status eines ,weichen Fachs‘, das man zwar gern im Lehrplan hätte, aber auch nicht unbedingt haben muss oder ausfallen lassen kann.

Auch Schüler haben schon mehr Unterricht gefordert

„Das ärgert mich; und allmählich bekomme ich den Eindruck, dass man mit Forderungen nach mehr politischer Bildung in Bremen gegen die Wand rennt“, schimpft er. Dabei hätten vor einiger Zeit sogar Schüler selbst gefordert, politische Bildung als Pflichtfach ab Klasse 7 einzuführen.

„Haben wir uns 70 Jahre nach dem Nazi-Terror so sehr an Demokratie gewöhnt, dass sie uns wie selbstverständlich vorkommt?“, fragt der Bürgerschaftspräsident. „Ich mache mir Sorgen, dass sich Selbstverständlichkeit schnell in Gleichgültigkeit verändern kann.“

Politik ist kein Kernkompetenz-Fach

Annette Kemp, Sprecherin von Bildungssenatorin Claudia Bogedan, gibt zu: „Politik gehört anders als zum Beispiel Deutsch und Mathematik nicht zu den Kernkompetenz-Fächern.“ Tatsächlich diskutiert man seit einiger Zeit auch in der Bildungsbehörde darüber, wie die politische Bildung gestärkt werden kann.

Entscheidungen gibt es laut Kemp aber noch nicht. „Wir können ja nicht die Stundentafeln endlos hochschrauben. Die Stärkung der politischen Bildung wird nicht unbedingt damit erreicht, dass mehr Unterricht erteilt wird, sondern wird auch durch Projekte wie ,Jugend debattiert‘ und ,Juniorwahl‘ gestärkt.“

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