Unter den wachsamen Augen des Ehrenvorsitzenden der Osterholzer Jägerschaft, Torsten Wischhusen (links), und der Prüferin Dr. Marla Baumeister (rechts) mussten sich die Aspiranten Carolin Stijns und Benjamin Siewert am Freitag im Fachgebiet Wildtierkunde beweisen. Foto: Bosse Unter den wachsamen Augen des Ehrenvorsitzenden der Osterholzer Jägerschaft, Torsten Wischhusen (links), und der Prüferin Dr. Marla Baumeister (rechts) mussten sich die Aspiranten Carolin Stijns und Benjamin Siewert am Freitag im Fachgebiet Wildtierkunde beweisen. Foto: Bosse
Grünes Abitur

19 neue Jäger im Landkreis Osterholz

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Sie wird ob ihres hohen Anspruchs das „grüne Abitur“ genannt. Am Freitag traten 22 Aspiranten auf dem Schießstand in Waakhausen zur Jägerprüfung 2016 an. Das Schießen spielt in der Jagdpraxis nicht die Hauptrolle.

„Kannst du mir bitte einen Kakao machen?“ oder „Ich muss erstmal raus, Eine rauchen“ schnauften nicht wenige der angehenden Jäger durch, als sie am Freitag aus den Prüfungen kamen. Auf dem Schießstand in Waakhausen standen der mündliche und praktische Teil der diesjährigen Jägerprüfung im Landkreis Osterholz an.

Die wird durch den Landkreis abgenommen, während die Ausbildung selbst durch die Jägerschaft erfolgt. „So eine Prüfung ist schon kniffelig“, gab Kirsten Wellmann von der Jagdbehörde der Kreisverwaltung zu. „Man muss durchaus rund 4.000 Fragen lernen.“

Üppiges Lernpensum für angehende Jäger

Jeweils im September beginnen die Lehrgänge. „Zweimal die Woche steht Unterricht an, am Wochenende dann unter anderem noch Schießtraining oder Exkursionen in die Natur“, erklärt Kreisjägermeister Heiko Ehing. Viel Zeit für Freizeitaktivitäten bliebe in diesen Monaten nicht.

Diese Erfahrung machten auch Carolin Stijns und Benjamin Siewert. Sie waren zwei der insgesamt 22 Aspiranten, die am Freitag in Waakhausen auf den Prüfstand gestellt wurden. „Meine Nichte wurde kürzlich konfirmiert, aber ich konnte aus Zeitgründen nicht daran teilnehmen“, berichtet Carolin Stijns über das Lernpensum.

Frauenquote liegt bei 20 bis 25 Prozent

Nicht selten, so berichtet Kreisjägermeister Heiko Ehing, entschieden sich junge Leute, den Jagdschein zu machen, weil sie bereits familiär „vorbelastet“ seien. „Durch meinen Onkel habe ich immer viel über die Jagd gehört und mich dafür interessiert“, bestätigt Benjamin Siewert.

Fünf der 22 Aspiranten des aktuellen Jahrgangs waren übrigens Frauen. „Wir holen allmählich auf“, lacht Kirsten Wellmann von der Jagdbehörde, die die Frauenquote unter den Jägern bei 20 bis 25 Prozent ansiedelt.

Nicht jeder Prüfling will später auch aktiv jagen

Neben präparierten Tieren mussten die Prüflinge am Freitag auch einzelne Körperteile identifizieren. Foto: Bosse

Neben präparierten Tieren mussten die Prüflinge am Freitag auch einzelne Körperteile identifizieren. Foto: Bosse

Kreisjägermeister Heiko Ehing betont, dass nicht zwangsläufig jeder Prüfling, der seinen Jagdschein mache, anschließend auch der Jagd nachgehen werde. „Viele machen ihn auch einfach aus Liebe zur Natur oder weil sie mehr über Tiere und Pflanzen lernen möchten.“ Denn als anerkannter Naturschutzverband seien die Jäger „alles andere als die, die rausgehen und rumballern“. Die Hege und Pflege der Natur stelle den wichtigsten Aspekt dar.

Das unterstreicht Kirsten Wellmann. „Viele Menschen denken, wenn sie das Wort Jäger hören, das sind die, die Tiere töten“, bedauert sie. „Dabei macht die Jagd vielleicht gerade einmal fünf Prozent unserer Aktivitäten aus.“ Im Schnitt schieße jeder Jäger im Landkreis Osterholz pro Jahr lediglich zwei Rehe, sagt Heiko Ehing.

Wildfleisch ist auch eine Gewissensfrage

Aspirant Sebastian Rösener zog den „Fleischvergleich“: „Wenn wir ein Tier schießen, hatte das ein wunderbares Leben und ahnte nichts. Dann knallt es einmal und alles ist vorbei.“ Zudem sei dieses Fleisch dann frei von Antibiotika und Co.. „Aber wer sein Mett möglichst billig im Supermarkt kauft, der weiß, was für ein qualvolles Leben diese Tiere hatten. Und dann schmeißt er sich seine Bratwurst auf den Grill und schimpft auf die Jäger.“

Jäger zu sein, habe also auch viel mit Respekt der Natur gegenüber und Verantwortungsbewusstsein zu tun, erklärt Kreisjägermeister Heiko Ehing. „Das fängt schon in der Prüfung an. Wenn da jemand nicht sämtliche Sicherheitsvorschriften, vor allem an der Waffe, einhält, ist die Prüfung sofort vorbei.“

Am Freitagabend stand dann übrigens fest: Drei der 22 Aspiranten haben die Jägerprüfung 2016 nicht bestanden. Einer von ihnen hatte die Anforderungen beim Schießen vergangenes Wochenende nicht erfüllt, die anderen beiden fielen Freitag bei der mündlich-praktischen Prüfung durch.

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