Motorradfahrer rast an der Brillkreuzung vorbei. Foto: Schlie Motorradfahrer rast an der Brillkreuzung vorbei. Foto: Schlie
Verkehrssünder

Unfallursache sind zu oft rücksichtslose Raser

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Raser verursachen schlimme Verkehrsunfälle in Bremen. Die jüngsten schlimmen Vorfälle zeigen: Hauptursache für Unfälle in der Stadt ist überhöhte Geschwindigkeit und rücksichtsloses Verhalten am Steuer. Doch was tun?

Verkehrsunfälle, bei denen Menschen schwer oder gar tödlich verletzt wurden, haben sich in den vergangenen Wochen in Bremen gehäuft, wie die Polizei festgestellt hat. Der Grund sind oft Geschwindigkeitsübertretungen durch Raser oder besonders rücksichtloses Verhalten. Gerade erst am Wochenende hat die Verkehrsüberwachung der Polizei  Verstöße festgestellt, die zu Fahrverboten führen.

Mit über 200 Stundenkilometern wurde ein Motorradfahrer auf der Autobahn 1 erwischt, wo eigentlich Tempo 100 gilt. Auf der Neuenlander Straße gingen junge Fahrer den Beamten in die Radarfalle, die mit 120 Stundenkilometern fuhren, wo 50 erlaubt waren, und sogar 130 in einem Bereich mit Tempo 60. „Geschwindigkeit ist eine der Hauptunfallursachen“, mahnt die Polizei.

Reaktionsfähigkeit bei hoher Geschwindigkeit schlecht

„Gefährden Sie nicht sich und andere Verkehrsteilnehmer durch Geschwindigkeitsüberschreitungen. Selbst gute Reaktionsfähigkeiten werden durch zu hohe Geschwindigkeiten außer Kraft gesetzt.“

Erst vor zehn Tagen war ein 75-jähriger Mann gestorben, nachdem ein Motoradfahrer ihn in Walle an einer Straßenkreuzung erwischt hatte. Vorletzte Woche lieferte sich ein Rowdy eine Verfolgungsjagd mit der Polizei bis nach Stuhr, wo er schließlich einen Polizeiwagen rammte und zum Stehen kam.

Wie kann Autofahren sicherer werden

Und für große öffentliche Empörung sorgte der Fall der Fahrer, der an der Julius-Brecht-Allee ein Kind erwischte, erst ausstieg, um nach dem Verletzten zu schauen, und dann doch Fahrerflucht beging. Er wurden inzwischen geschnappt. Und selbst in einer Spielstraße in Horn-Lehe hat ein Raser eine Frau angefahren.

Der Weser Report hat den Innensenator, eine Verkehrspychologin, den ADAC und den Fahrlehrerverband um Stellung gebeten: Wie kann Autofahren angesichts vieler Raser sicherer werden?

Ulrich Mäurer: „Rasen tötet“

Innensenator Ulrich Mäurer ist für die Sicherheitslage der Stadt zuständig. Foto: WR

Innensenator Ulrich Mäurer Foto: Schlie

„Die schweren Unfälle in der jüngsten Zeit  lassen  den Eindruck entstehen, die Raser auf Bremer Straßen nehmen zu. Auch die Statistik scheint dies zu bestätigen, sind die Geschwindigkeits- und  Abstandsverstöße seit 2011 doch im Vergleich zum Vorjahr um rund 42.400  Fälle angestiegen.

Allerdings haben wir unsere Verkehrsüberwachung aufwendig modernisiert, sodass die Polizei nach Überzeugung der Fachleute nur mehr rücksichtslose Fahrer erwischt als zuvor.

Damit dürfen wir uns nicht zufrieden geben. Wir alle kennen den Slogan: Rasen tötet. Aber selbst, wer nur mit 20 oder 30 km/h zu viel in der Stadt unterwegs ist, riskiert die Gesundheit anderer.

Dieser massenhaften Rücksichtslosigkeit gilt es entschieden entgegen zu treten. Sei es durch intensive Kontrollen wie am vergangenen Wochenende oder etwa durch die Einführung einer sogenannten Halterhaftung bei Verstößen im fließenden Verkehr.

Heftige Diskussionen in den Familien der betroffenen Halter wären uns sicher. Ich bin überzeugt, solche Debatten würden am Ende für mehr Sicherheit sorgen als  jeder Appell von außen.“

Innensenator  Ulrich Mäurer

Dr. Maryam Kharej: „Aufklärung ist notwendig“

Dr. Maryam Kharej, Verkerhspsychologin, Foto: Kharej

Dr. Maryam Kharej, Foto: Kharej

„Der Mensch kann mit Hilfe der Technik 200 km/h und mehr erreichen, diese Situationen aber nicht entsprechend verarbeiten, da er eigentlich nur für 15 km/h „gebaut“ ist. Durch die komfortablen Fahrzeuge von heute wiegt sich der Fahrer in falscher Sicherheit.

Der Mensch hat kein geeignetes Sinnesorgan, um das Gefahrenpotential von hohen Geschwindigkeiten wahrzunehmen. Rasen ist demnach eine psychische Angelegenheit, der nur durch entsprechende Einstellung und Verantwortungsbereitschaft beizukommen ist.

Hier sollten Aufklärungskampagnen und Ausbildung ansetzen. Gefahren müssen in der Fahrausbildung erlebbar gemacht werden. Ein Fahrsicherheitstraining sollte zur Pflicht werden.

Für Männer ist ihr Auto oft ein Statussymbol, sie bauen eine echte Beziehung dazu auf. Ihr fahrerisches Können ist von großer Bedeutung für das eigene Selbstwertgefühl. Bei ihnen dominieren Gefühle wie Erregung, Fahrspaß, und Unabhängigkeit. Dementsprechend sind sie risikobereiter und wollen sich durch schnelles Fahren profilieren.

Über Filmspots im Kino, TV und in den sozialen Medien kann man zielgruppengerichtet für Aufklärung und Abschreckung sorgen. Häufige und regelmäßige Kontrollen erhöhen die Bereitschaft, Verkehrsvorschriften aus Furcht vor Strafe einzuhalten.“

Verkehrspsychologin Dr. Maryam Kharej

 

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