Dieser junge Pflegefall beschäftigt Petra Müller derzeit. Etwa 70 Störche hat sie in der Intensivstation in den vergangenen 14 Jahren gesund gepflegt.Foto: Sieler Dieser junge Pflegefall beschäftigt Petra Müller derzeit. Etwa 70 Störche hat sie in der Intensivstation in den vergangenen 14 Jahren gesund gepflegt. Foto: Sieler
Storchenstation

Wo sich junge Störche pflegen lassen

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Einer hat es leider nicht geschafft, ein Zweiter wirkt ganz fidel – und wird bald ausgewildert. Seit 14 Jahren widmet sich Petra Müller in der Storchenpflegestation intensiv um hilfsbedürftige Zugvögel.

Auf dem landwirtschaftlichen Hof bei Dauelsen kümmert sich Petra Müller um die Störche, die Intensivpflege brauchen. Derzeit betreut sie dort einen Patienten, einen von zwei in dieser Brutsaison. Der erste erlag einer Infektion, der zweite ist „wie ein kleines Kind“, sagt Müller. Vor sechs Wochen hat er sein Ei verlassen und im Alter von einer Woche kam er bereits in die Station.

Mit Daumen und Zeigefinger formt Müller eine Handspanne: „So groß sind Störche, wenn sie schlüpfen“ – also etwa 20 Zentimeter. Nach drei Monaten sind sie flugfähig und ausgewachsen. Tiere, die die Intensivpflege überstanden haben, kommen in die nur wenige hundert Meter entfernte Storchenstation. Im dortigen Gehege werden sie ausgewildert.

Keine Bezugsperson für die Störche

Wenn dann alles gutgeht, heißt es Ende August ‚ab in den Süden‘, nach Südfrankreich, in den Iran oder bis nach Afrika. Im Frühjahr kehren die Vögel dann zurück in ihre Brutgebiete in den nördlichen Gefilden.

Eine Bezugsperson für die Jungtiere ist Müller nur in den ersten Wochen. Dann zeigt sie sich dem Tier seltener und nur zum füttern. Wie in der Natur, soll der Storch misstrauisch werden, wenn sich ihm jemand nähert. Später im Gehege wird das Futter dort nur reingeworfen – holen müssen es die Vögel dann selbst: „Da hungert der Eine oder Andere mal“, lerne aber daraus, so Müller.

Drei können nicht in den Süden ziehen

Die 52-Jährige erledigt die Arbeit nebenberuflich, unterstützt von ihrem Mann Klaus und der Familie. Mit einem Tier ist der Arbeitsaufwand machbar, doch vor drei Jahren waren zeitgleich 20 Jungtiere auf dem Hof. „Das war wirklich heftig“, erinnert sie sich. Zu den Intensivfällen kommen noch drei ausgewachsene Störche, die sich dauerhaft in der Station eingerichtet haben. Gen Süden ziehen können diese nicht mehr, da sie an den Flügeln verletzt waren.

Bei regelmäßigen kreisweiten Kontrollen mit einem Wildstorchbetreuer werden die kranken Tiere entdeckt, die dann auf ihrem Hof landen. Auch wenn mehr als drei Jungtiere in einem Nest sind, kommen die Kleinsten in die Pflege, um ihre Überlebenschancen zu steigern. Etwa 100 Nester gibt es laut Müller im Landkreis, davon seien derzeit um die 70 besetzt.

Neuerungen an Storchenstation geplant

Fördernd steht hinter der Storchenstation der „Förderverein zum Schutze des Weißstorches im Landkreis“. Finanziell gehe es dem Verein gut, weiß Vorstandmitglied Silke Brünn zu berichten, aber durch Baumaßnahmen an der Station seien die Rücklagen minimal angegriffen worden. Als weitere Investitionen sind demnächst zusätzliche Infotafeln für Besucher, Fahrradständer und neue Zäune an der Station geplant.

Personell ergab sich beim Verein in der vergangenen Woche eine Veränderung: Im Rahmen der Jahreshauptversammlung ist Amelie Beutner für Hermann Vahrenhorst in den Vorstand gerückt. Neben ihr und Brünn vervollständigen Jutta Sodys, Hermann Strüßmann, Bruno Ernst sowie aufgrund ihrer Ämter Landrat Peter Bohlmann und Verdens Bürgermeister Lutz Brockmann die Vereinsführung.

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