Knapp tausend Menschen in Niedersachsen warten derzeit auf ein lebensrettendes Organ. Foto: Harm 81 Prozent der Deutschen stehen einer Organspende positiv gegenüber, aber nur etwa ein Drittel besitzt einen Organspendeausweis. Foto: Harm
Eurotransplant

Knapp Tausend Niedersachsen warten auf Organspende

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Gerhard Hasseler weiß nicht viel über seinen Lebensretter. Jung soll er gewesen sein. Und er hatte eine intakte Leber, die nun in Hasselers Körper steckt. Für den Ammerländer ist das Thema Organspende Lebensinhalt.

So richtig krank war Gerhard Hasseler eigentlich nie und zum Arzt musste er selten – bis zum Silvesterabend 2009. Heftige Bauchschmerzen führten ihn ins Krankenhaus. Eine Gewebeprobe ergab, dass seine Leber ein einziger großer Tumor ist. „Man sprach mir eine Lebenserwartung von drei bis sechs Monaten aus. Die Ärzte rieten mir, meine Papiere fertig zu machen“, erzählt Hasseler. Die einzige Chance auf Leben war eine neue Leber.

Etwa 980 Menschen in Niedersachsen warten laut Eurotransplant derzeit auf ein Organ. Eurotransplant ist die Vermittlungsstelle für Organspenden in  Deutschland und anderen europäischen Ländern, wie Österreich und den Benelux-Ländern. Die meisten Wartepatienten, mehr als 800, benötigen eine neue Niere. Andere warten auf Herz, Leber, Lunge und Bauchspeicheldrüse. Eine Nachfrage bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation ergab, dass allein im ersten Halbjahr 2016 183 Organe in Niedersachsen transplantiert worden sind.

Die neue Leber stieß Hasselers wieder Körper ab

In der Uniklinik in Münster entschied man, dem damals 56-Jährigen Gerhard Hasseler ein Zentrumsorgan zu geben. Ein Organ, das zwar geschädigt ist, aber laut Aussage der Ärzte noch etwa 15 Jahre im Körper überleben könnte. Nach der Operation ging es Hasseler für einige Wochen sichtlich besser, bis der Körper die Leber abgestoßen hat.

„Dann hieß es Kontakt mit dem lieben Gott aufnehmen“, sagt Hasseler. Er kam auf die Liste von Eurotransplant, wartet auf eine Organspende, während sich sein Gesundheitszustand verschlechterte. Schließlich wollte er nicht länger im Krankenhaus bleiben, sondern nach Hause fahren, um dort zu sterben.

Eine bundesweite Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ergab, dass 81 Prozent aller Menschen in Deutschland der Organ- und Gewebespende aufgeschlossen gegenüberstehen. Allerdings hat nur ein Drittel der Bevölkerung tatsächlich einen Organspendeausweis. Etwa jeder Fünfte Besitzer eines Ausweises lehnt mit dem Kreuz bei „Nein“ eine Organspende ab.

Kontaktgruppe in Oldenburg für Lebertransplantierte

Wenige Momente vor der Heimfahrt kamen die Ärzte in Hasselers Zimmer. „Ich dachte die wollen mich verabschieden. Stattdessen sagten sie, dass ich sofort operiert werde – es gab eine Leber für mich“, erinnert sich der Ammerländer. Inzwischen geht es ihm wieder richtig gut.

Seit 2014 ist er Ansprechpartner der Oldenburger Kontaktgruppe für Lebertransplantierte. Operierte, Wartepatienten und Angehörige aus dem Ammerland, Hude und angrenzenden Gemeinden nehmen an den regelmäßigen Treffen teil. Mit einigen Teilnehmern geht Hasseler auch in Schulen oder zu anderen Einrichtungen und macht auf das Thema Organspende aufmerksam.

Immunsystem von Transplantierten ist geschwächt

Viele Menschen haben Vorbehalte, fürchten nicht richtig behandelt zu werden, vertrauen dem System nicht. „Jeder hat seinen eigenen Willen. Ich möchte niemanden überreden“, sagt Hasseler. Aber er gibt zu bedenken: „Bevor einer zum Organspender wird, ist die Wahrscheinlichkeit höher, selbst ein Organ zu benötigen.“

Seit dem Jahr 2010 muss Gerhard Hasseler häufiger zum Arzt. Zwei Mal im Jahr fährt er zum Hautarzt, bis zu sechs Mal im Jahr geht es in die Klinik. Desinfektionsmittel ist sein ständiger Begleiter, da Transplantierte ein sehr schwaches Immunsystem haben und besonders anfällig sind. Aber Gerhard Hasseler lebt: „Ich habe mir das Ziel gesetzt, 90 zu werden.“

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