Wer beispielsweise ein Rehkitz offenbar verwaist in der Natur antrifft, sollte es keinesfalls anfassen. Foto: DJV Wer beispielsweise ein Rehkitz offenbar verwaist in der Natur antrifft, sollte es keinesfalls anfassen. Foto: DJV
Brut- und Setzzeit

Menschlicher Geruch ist eine Gefahr für Jungtiere

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In der Natur erreicht die Brut- und Setzzeit dieser Tage ihren Höhepunkt. Der Osterholzer Kreisjägermeister Heiko Ehing warnt davor, vermeintlich verwaiste Jungtiere anzufassen. Menschlicher Geruch sei eine Gefahr.

Einer wahren Kinderstube gleicht die Natur in diesen Wochen. Zahlreiche Wildtierarten bringen nun in der so genannten Brut- und Setzzeit Nachwuchs zur Welt.

Wer dieser Tage als Spaziergänger, Jogger oder mit dem Hund in Wald und Flur unterwegs ist, kann durchaus einmal auf ein Wildtierjunges stoßen. „Leider kommt es dann immer wieder vor, dass Menschen die Tiere berühren oder sogar mitnehmen, um sie aufzupäppeln“, sagt Kreisjägermeister Heiko Ehing.

Mütter verstoßen ihre Jungen, wenn sie nach Mensch riechen

„Natürlich meinen es die Leute nur gut, keine Frage. Aber dennoch muss man sagen, dass sie den Tieren damit leider alles andere als einen Gefallen tun.“

Denn: Die falsch verstandene Tierliebe könne die Jungen letztlich tatsächlich zu Waisen machen. „Wenn menschlicher Geruch am Nachwuchs haftet, verstoßen Ricke oder Häsin ihr Junges, das dann möglicherweise verhungern muss“, erklärt Ehing.

Nachwuchs wird nur zum Säugen aufgesucht

Doch warum findet man Rehkitz oder Junghasen mutterseelenallein auf einer Wiese liegen? „Das geschieht zum Schutz vor natürlichen Fressfeinden. In den ersten Lebenswochen werden die Tiere von ihren Müttern im hohen Gras oder am Waldrand abgelegt und nur zum Säugen aufgesucht“, so der Kreisjägermeister.

Die Jungtiere hätten zudem noch keinen Eigengeruch und seien dank ihrer Färbung gut getarnt. Drohe Gefahr, flüchteten die Jungen nicht, sondern duckten sich instinktiv – ein angeborener Schutzreflex.

Jungtiere werden an verschiedenen Stellen abgelegt

„Außerdem verteilen die Muttertiere ihren Nachwuchs an verschiedenen Stellen. Wenn dann beispielsweise Krähen auftauchen, erwischen sie vermutlich nur eines der Tiere, aber den gleich alle.“

Oft glaubten Spaziergänger auch, einen aus dem Nest gefallenen Vogel gefunden zu haben“, berichtet Heiko Ehing aus Erfahrung. Dabei sei aber auch dies nur seltenst der Fall. „In der Regel sind die Eltern ganz in der Nähe und gerade auf Futtersuche für ihre Jungen.“

Kreisjägermeister: „Mutter Natur ein Stück weit vertrauen“

Hilfsbedürftig seien grundsätzlich ausschließlich verletzte oder nachweislich verwaiste Tiere. Im Zweifelsfall sollten Tierfreunde deshalb besser einen ortsansässigen Jäger kontaktieren. Der könne den Zustand des jeweiligen Tieres dann besser einschätzen und beurteilen.

Heiko Ehing plädiert dafür, „Mutter Natur“ ein Stück weit zu vertrauen. „Die hat das alles ganz gut im Griff“, schmunzelt der Kreisjägermeister.

Die „heiße Phase“ der Brut- und Setzzeit dauert übrigens noch bis etwa Mitte Juli an. „Dann sind beispielsweise die Rehkitze schon so groß, dass sie sowieso sofort weglaufen würden, wenn sich ihnen ein Mensch zu sehr nähert.“

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