In der Pokémon-Welt steht der Tänzerbrunnen an seinem angestammten Platz vor dem City Center Delmenhorst. Foto: Konczak In der Pokémon-Welt steht der Tänzerbrunnen an seinem angestammten Platz vor dem City Center. Foto: Konczak
Ein Selbstversuch

Auf Monsterjagd in der Delmenhorster Innenstadt

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Pokémon Go führt die Hitlisten der Download-Portale an. Überall sieht man Smartphone-Besitzer auf Jagd nach den virtuellen Monstern. Was macht den Reiz aus? Ein Selbstversuch in der Delmenhorster City.

Um meine Datenkapazität nicht zu sehr in Anspruch zu nehmen, erledige ich den Download lieber per WLAN auf dem heimischen Sofa. Nach der Installation bin ich gläsern, das ist schon nach dem Blick auf die Zugriffsrechte, die ich der App gewähren muss, klar.

Egal, sage ich mir. Mit der Inbetriebnahme meines Smartphones habe ich die Lizenz zum ausgespäht werden längst ausgestellt. Also auf zur Monsterjagd.

Eine Comicfigur, die sich als Pokémontrainer vorstellt, erklärt mir in groben Zügen, worum es geht. Ein paar Klicks weiter erscheint auch schon das erste Monster auf meinem Bildschirm. Beim zweiten Wisch habe ich es gefangen – das war ja einfach.

Mehrere Versuche bis der Name akzeptiert wird

Nun soll ich mir noch einen Spielernamen geben. Obwohl ich es gar nicht erst mit meinem Vornamen probiere, sondern gleich eine Abwandlung eintippe, teilt mir das System mit, dass der Name nicht zur Verfügung stehe. Selbst Robert mit fünf r ist nicht möglich. Etwas genervt finde ich im zehnten Versuch eine Buchstaben-Zahlen-Kombination, die offenbar noch niemand für sich beansprucht hat. Jetzt bin ich drin.

Die erste Monsterjagd verschiebe ich aber lieber auf den nächsten Tag. Mit dem Smartphone in der Hand gehe ich vom Büro aus Richtung Rathaus. Dort werden mir Pokéstops angezeigt. Das sind Stationen, wo ich virtuelle Eigenschaften oder Gegenstände einsammeln kann. Unterwegs läuft mir ein Monster über den Weg. Ich schnappe zu.

Am ersten Pokéstop stehe ich vor einem Rätsel. Obwohl ich direkt vor dem steineren Widderkopf Halt mache, kann ich nichts einsammeln. Was muss ich machen?

Ich will mir nicht die Blöße geben, einen der Smombies (Menschen die durch den Blick auf ihr Smartphone so abgelenkt sind, dass sie die Umgebung kaum noch wahrnehmen) zu fragen, die mir vom Marktplatz entgegen kommen und offensichtlich auch auf Monsterjagd sind. Also gehe ich weiter und sammle in der Lange Straße noch ein paar Monster ein. Wenigstens das habe ich drauf.

Ein virtueller Brunnen erscheint

An der Ecke Mühlenstraße wird mir ein Pokéstop am Tänzerbrunnen angezeigt. Ich muss schmunzeln. Habe ich nicht vor ein paar Monaten selber geschrieben, dass der Brunnen abgebaut bleibt, bis die Neupflasterung der Fußgängerzone abgeschlossen ist? Vielleicht war es auch eine Kollegin. Virtuell steht er jedenfalls mitten in der Baustelle. Ob die Bauarbeiter das wissen?

Wie ich den Pokéstop leeren muss, weiß ich immer noch nicht. Dafür sauge ich kurz vor der Redaktion noch ein weiteres Monster auf. Jetzt habe ich schon Schiggy, Taubsi, Raupi, Enton und Zubat in meinem „Pokédex“, werde auf Level drei befördert und bekomme eine Medaille. Innerer Jubel.

Ab Level fünf darf ich auch in der Arena kämpfen. Das habe ich beim Rathaus erfahren. Dort ist nämlich eine Pokémon-Arena. Ob sich das mit dem Bebauungsplan und dem Denkmalschutz in Einklang bringen lässt?

Was mein Pokéstop-Problem angeht befrage ich meine Kollegin. Die hat zwar als Kind fleißg auf dem Gameboy Monster trainiert, doch von Pokéstops hat sie keine Ahnung. Ich verschiebe das Problem auf den Feierabend.

Monsterjagd zur späten Stunde

Mein Sohn, dank intensiver Youtube-Fortbildung in allen virtuellen Dingen bewandert, kann mir auch nicht helfen. Pokémon Go findet er blöd. „Da muss man ja in der Gegend rumlatschen.“

Wieder auf dem Sofa, tippe ich mich durch die verschiedenen Symbole und lande schließlich in einer Anleitung. Da hätte ich auch eher drauf kommen können. Bei den Stops muss man das Symbol per Wisch zum Rotieren bringen. Das muss ich ausprobieren!

Obwohl es schon dunkel wird, kündige ich an, eine weitere Monsterjagd zu unternehmen. Aus rein wissenschaftlichen Gründen versteht sich. „Jetzt noch?“, beantwortet mein Sohn die Frage, ob er mir helfen will. „Sind doch Ferien“, antworte ich.

Wir stiefeln mit Telefon und Taschenlampe ausgerüstet los. Es scheint eine gute Zeit für Monsterjäger zu sein, jedenfalls erwischen wir diverse Viecher. Was sich alles in unserer Straße rumtreibt!

In einer nahen Grünanlage genießen ein paar Lebenskünstler den Abend. „Oh, man, Pokémon-Jäger, ich fasse es nicht“, erklärt einer seinen Kumpels, die sich wohl gefragt haben, warum wir im Zickzack über die Wiese gelaufen sind. „Guck mal, eine Fledermaus“, sagt mein Sohn.  Eine echte. Schade, dass wir keinen Batdetektor dabei haben, denke ich.

Immerhin haben wir einen Pokémon-Detektor und der schlägt wenige Meter weiter schon wieder an. Taubsi. Den habe ich doch schon. „Wenn Du mehrere Taubsis hast, kannst Du sie zu einem Tauboga hochleveln“, klärt mich mein Berater auf. Okay, also wisch und schnapp. Dann geht es nach Hause.

Dort stelle ich fest, dass ich genug Taubsis für einen Tauboga gesammelt habe. Toll und was habe ich jetzt davon? Das werde ich wohl erst erfahren, wenn ich Level fünf bin und in die Arena darf. Immerhin bin ich inzwischen auf Level vier. Vielleicht lasse ich die Frage aber auch unbeantwortet und wende mich lieber wieder meinem Fußballmanagerspiel zu – ich brauche noch einen Mittelfeldspieler.

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