Der Sonderzug mit den Ehrengästen stoppt vor dem alten Bahnhofsgebäude, wo er von rund 4.000 Schaulustigen in Empfang genommen wurde.Foto: Stadtarchiv Delmenhorst Der Sonderzug mit den Ehrengästen stoppt vor dem alten Bahnhofsgebäude, wo er von rund 4.000 Schaulustigen in Empfang genommen wurde. Foto: Stadtarchiv Delmenhorst
Historie

Jahrzehnte behinderten Bahnschranken den Verkehr

Von
Bis zum September 1969 sorgte der Zugverkehr in Delmenhorst regelmäßig für kilometerlange Staus an der Stedinger- und Mühlenstraße. Abhilfe schuf die Höherlegung des Schienenverkehrs.

Ein Festakt bildete den Auftakt für das 43 Millionen DM teure Mammutbauvorhaben der Aufständerung der Bahngleise in Delmenhorst.  Vor dem alten Bahnhof hatten sich am 15. September 1969 rund 4.000 Bürger versammelt und waren in Festlaune.

43 Millionen DM teures Mammutvorhaben

Das Heeresmusikkorps 11 und die Spielmannszüge vom Delmenhorster Turnerbund und VSK Bungerhof musizierten, und auf dem vor dem Bahnhof verlegten Gleis rollte ein Sonderzug mit zahlreichen Ehrengästen ein. Unter Ihnen waren Niedersachsens Minister für Bundesangelegenheiten, Herbert Hellmann, und der Präsident der Bundesbahndirektion Hannover, Dr. Friedrich Stille. Zu ihnen gesellten sich Oberbürgermeister Ernst Eckert und weitere Repräsentanten der Stadt und der schon im Vorfeld eingetroffene niedersächsische Verkehrsminister Karl Möller.

In seiner Festrede bezeichnete Ernst Eckert den verstorbenen Oberstadtdirektor Dr. Wilhelm Rathje und den Ehrenbürger und Alt-Oberbürgermeister Wilhelm von der Heyde als Vorkämpfer der Bahnhöherlegung, die sich lange Jahre energisch für das Projekt eingesetzt hätten. Minister Möller schloss seine Ansprache mit dem Satz: „Wenn dieses Vorhaben fertiggestellt ist, dann ist damit neben der Stadt Oldenburg ein zweites Mal in Niedersachsen durch Hochlegung des Schienenverkehrs der Straßenverkehr im Stadtzentrum entscheidend verbessert worden!“

Mehr als sieben Stunden am Tag Staugefahr

Die Zustände an den schienengleichen Bahnübergängen an der Stedinger- und Mühlenstraße waren über die Jahre katastrophal geworden. Mehr als sieben Stunden am Tag blockierten gesenkte Schranken den Straßenverkehr. Nun ging es aber los: Am 4. Oktober 1969 wurde der alte Bahnhof geschlossen. Fahrkartenausgabe, Auskunft und Gepäckabfertigung wurden in eine Baracke vor dem Bahnhof ausgelagert. Einen Tag später befuhren erstmals Züge in Richtung Bremen das neue Außengleis vor dem alten Bahnhof. Reisende in Richtung Oldenburg mussten über eine provisorische Holzbrücke klettern, um zum Bahnsteig hinter dem Bahnhofsgebäude zu gelangen.

Über viele Jahre ein gewohnter Anblick: Vor dem Bahnübergang Mühlenstraße hat sich eine lange Warteschlange von Autos gebildet. Foto: Stadtarchiv Delmenhorst

Über viele Jahre ein gewohnter Anblick: Vor dem Bahnübergang Mühlenstraße hat sich eine lange Warteschlange von Autos gebildet. Foto: Stadtarchiv Delmenhorst

Die ersten Züge auf der neuen Trasse der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn verkehrten am 27. November 1970. Zwei Tage später rollten die ersten Bahnen von Bremen nach Oldenburg über das hochgelegte Gleis. Am 5. Oktober 1971 brachte die Spitzhacke das endgültige Aus für die Reste des alten Bahnhofs.

Der alte Bahnhof in Delmenhorst wurde 1971 abgerissen

Mit der Eröffnung des neuen Empfangsgebäudes am 24. Mai 1974 war das 43,2-Millionen-DM-Projekt der Bahnhochlegung abgeschlossen. Damit hatte auch die seit der Industrialisierung verfestigte Teilung der Stadt Delmenhorst in eine proletarisch geprägte Nord- und eine bürgerliche Südhälfte Milderung erfahren.

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