Alexander Witt und Hartmut Hesse zeigen das Schwarzbuch, das ihr Landesverband des Sozialverbands Deutschland (SoVD) herausgegeben hat. Foto: Möller Alexander Witt und Hartmut Hesse zeigen das Schwarzbuch, das ihr Landesverband des Sozialverbands Deutschland (SoVD) herausgegeben hat. Foto: Möller
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Sozial-Schwarzbuch: „So gemein ist Niedersachsen“

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„Skandalös“ nennt es Hartmut Hesse, dass immer mehr Menschen, die in eine soziale Notlage geraten, ihr Recht erst durch Widersprüche und lange Verfahren einklagen müssen. Ein Schwarzbuch listet Beispiele auf.

Ein 40-jähriger Handwerker konnte, als er nach einem Schlaganfall halbwegs genesen war, nicht auf seine Krankenkasse bauen. Eine ärztlich verordnete neurologische Rehabilitation wollte die Kasse nicht übernehmen. Der Osterholz-Scharmbecker kam in die Beratung des Sozialverbands Deutschland (SoVD), er hatte schon einen langen Weg durch den Behördendschungel hinter sich. Seine Kasse versuchte, die nachgefragte Leistung auf die Rentenversicherung abwälzen, die erklärte sich für nicht zuständig.

Seine Krankenkasse bewilligte die Finanzierung erst, als mit Hilfe des SoVD das Widerspruchsverfahren beschritten wurde. Auch die Verlängerung der Reha stieß bei der Kasse wieder auf Ablehnung, erneut musste die Sozialberatung des SoVD eingreifen.

Recht haben heißt nicht, auch recht zu bekommen

„Das ist doch ein Unding, wenn Recht haben und Recht bekommen zwei verschiedene Dinge sind“, schimpft Hartmut Hesse. Der Kreisvorsitzende des Osterholzer SoVD mutmaßt, dass die Verantwortlichen bei Kranken- und Pflegekassen wohl „in erster Linie die eigenen Bilanzen im Kopf haben als die Interessen ihrer Versicherten“.

„Wir beobachten das immer wieder, dass die Krankenkassen, besonders in den letzten fünf Jahren, sehr viele Anträge ablehnen und die Versicherten regelrecht dazu zwingen, Widerspruch einzulegen“, sagt Alexander Witt, Leiter der SoVD-Geschäftsstelle in Osterholz-Scharmbeck. Auch das Beratungsangebot im Büro in der Schwaneweder Straße 5 wird von immer mehr Beschwerdeführern aufgesucht. „Viele Menschen können bestimmte Angelegenheiten nicht mehr allein regeln, dafür bieten wir unsere Beratung an“, so Witt. Besonders dreist empfindet es der 44-Jährige, wenn die Kasse oft sehr kurzfristig mitteilt,  die Zahlung von Krankengeld einzustellen. „Da werden gerne Arbeitnehmer, die wegen psychischer Probleme behandelt werden, unter Druck gesetzt“.

200 Widerspruchsfälle in einem Jahr

Der SoVD hat im Landkreis Osterholz vergangenes Jahr insgesamt 700 Verfahren in Sozialversicherungsangelegenheiten mit in Gang gesetzt. Dazu kamen 200 Widerspruchsfälle, besonders um eine Inanspruchnahme von Erwerbsminderungsrenten werde hart gestritten, so Witt. Man dürfe sich nicht einfach abwimmeln lassen, rät der Sozial- und Rechtsberater.

Im Schwarzbuch „So gemein ist Niedersachsen“, das in der SoVD-Geschäftsstelle ausgegeben wird, sind Dutzende Beispiele aus den vergangenen zwei Jahren zusammengestellt, die Missstände aufzeigen. „Wir freuen uns, dass Mitglieder uns erlauben, ihre Fälle aufzulisten, so können wir öffentlichen Druck für eine Verbesserung der Lage machen“, sagt Hartmut Hesse.

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