Kind spielt im Kindergarten. Foto: Flickr / Lucélia Ribeiro In Bremen fehlen noch immer rund 650 Kita-Plätze. Foto: Flickr / Lucélia Ribeiro
Zum Weltkindertag

Trauriger Rekord: Bremen ganz vorn bei Kinderarmut

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Unicef und das Kinderhilfswerk feiern heute den Weltkindertag. In Bremen gibt es aber wenig Grund zur Freude. In der Hansestadt leben viele Kinder in Armut, werden schlecht ausgebildet oder nicht betreut. Ein Überblick.

83.000 Kinder leben in Bremen in 52.000 Familien. Das sind rund 15 Prozent der Bevölkerung. Das Kinderhilfswerk und Unicef wollen mit dem Weltkindertag auf die Situation von Kindern in Deutschland aufmerksam machen. Das Motto: „Kindern ein Zuhause geben“.

Laut Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes, gibt es in Deutschland noch viele Kinder, deren Eltern es nicht schaffen, ihnen ein Zuhause zu bieten, das sie in ihrer Entwicklung fördert und unterstützt.

So lebt laut einer Studie des DGB auch in Bremen jedes dritte Kind in Armut. Die Bertelsmann-Stiftung hat Anfang September neue Zahlen zur Kinderarmut veröffentlicht. In Bremen ist diese mit 2,8 Prozentpunkten auf 31,6 Prozent im Vergleich zu 2011 am stärksten in ganz Deutschland angestiegen. Nur in Berlin leben mit 32,2 Prozent mehr Kinder in Armut. 32.152 Kinder müssen in Bremen in Familien aufwachsen, die Hartz IV beziehen. Knapp die Hälfte von ihnen lebt bei nur einem Elternteil.

Bremens Väter können oft nicht zahlen

Alleinerziehende sind besonders stark von Armut betroffen, wie mehrere Studien zeigen. Die Bremer Frauenbeauftragte fordert deshalb, sie besser zu unterstützen. Nur 58 Prozent aller Alleinerziehenden gehen in Bremen einer Arbeit nach. Das kritisiert die Opposition heftig und fordert, dass Alleinerziehende etwa mit Teilzeitausbildungen besser in den Arbeitsmarkt integriert werden sollten.

Ein Grund für die hohe Kinderarmut in Bremen ist neben der Arbeitslosigkeit auch die mangelnde finanzielle Unterstützung von Vätern. Die Bremer Sozialbehörde erklärt dazu im Weser Report, dass viele der Väter keinen Unterhalt zahlen können, weil sie selbst Sozialleistungen beziehen. So kommt es, dass Bremen jährlich zwischen 11 und 15 Millionen Euro ausgibt, um Unterhalt für arme Kinder vorzustrecken.

Kita-Plätze sind noch immer Mangelware

Kinderarmut ist laut Unicef und Kinderhilfswerk ein Indiz für eine schlechte Zukunft. Das schlägt sich auch im bundesweiten Ranking Bildungsmonitor wieder. 52.650 Kinder gehen in Bremen laut Bildungsbehörde aktuell auf die Allgemeinbildenden Schulen. Doch im bundesweiten Vergleich landet die Bremer Bildung nur auf Platz zwölf. Das liegt vor allem daran, dass die Hansestadt vergleichsweise wenig Geld für Bildung ausgibt und so viele Mindeststandards nicht erreicht werden.

Auch beim Thema Kindergarten und Betreuung gibt Bremen ein eher schlechtes Bild ab. Zwar sind laut Bildungsbehörde aktuell 22.000 Kinder in Krippen, Kitas oder Horten untergebracht. „Es fehlen uns aber nach wie vor rund 650 Kitaplätze„, sagt Sprecherin Annette Kemp. Die Behörde bemühe sich, seit Montag 900 weitere Plätze zu schaffen. Diese Situation hatte in den vergangenen Wochen mehrfach für Unmut unter den Bremer Eltern gesorgt.

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