Im Rathaus in Stuhr tagt ab November ein neuer Rat. SPD, CDU, und Grüne verlieren Stimmen und Sitze, FDP und die Partei Besser gewinnen. Mit der Gemeinderatswahl sind alle Parteien zufrieden, mit der Wahl zum Kreistag nicht; denn dabei haben viele Stuhrer die AfD gewählt. Foto: Drügemöller Ab November tagt im Stuhrer Rathaus der neue Rat. Mit der AfD müssen sich die Parteien dort nicht auseinandersetzen - die ist nur für den Kreisrat angetreten. Foto: Drügemöller
Nach Wahl

Wahl Stuhr: Hier alle zufrieden, da alle entsetzt

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Bei der Gemeinderatswahl gewinnen FDP und „Besser“, CDU, SPD und Grüne verlieren jeweils einen Sitz. Die größeren Parteien lächeln ihre Verluste weg - doch alle sind erschrocken über das AfD-Kreistags-Ergebnis. Was tun?

Wenn jemand versucht hätte, das Gesamtglücksgefühl der politischen Parteien in Stuhr zu erhöhen, dann hätte er  bei der Gemeinderatswahl wohl für dieses Ergebnis gesorgt. Denn alle Parteien sind nach eigener Aussage mit dem Ergebnis halbwegs zufrieden – oder sogar sehr glücklich.

CDU, SPD, und Grüne verlieren bei der Gemeinderatswahl mit unterschiedlich hohen Stimmverlusten jeweils einen Sitz. Die FDP  und die Partei „Besser“ gewinnen Sitze.

Große Parteien können mit Sitzverlust leben

„Wir sind etwas optimistischer in die Wahl gegangen“, gibt Frank Schröder, Fraktionsvorsitzender der CDU, zwar zu  -die Partei hat 3,1 Prozent der Stimmen eingebußt und hat nun 15 statt 16 Sitze. „Aber immer noch sind wir sehr deutlich die stärkste Partei.“

Auch Susanne Cohrs (SPD) ärgert sich nur dezent über den Sitzverlust von zwölf auf elf: „Das Ergebnis ist immer noch O.K. Und weil die Wahlbeteiligung dieses Jahr höher war, haben wir sogar mehr Personenstimmen bekommen.“

Grüne erklären Verluste durch die Umstände

Auch die Grünen sehen ihr Abrutschen um 3,5 Prozentpunkte gelassen: „Wir hatten lange nur drei Sitze im Rat. Nun sind wir von sechs zurück auf fünf gesunken.“

„Aber erstens ist Jens Schriefer dieses Jahr nicht angetreten, der bei den Wählern sehr beliebt ist.Und zweitens hatten wir bei der letzten Wahl Rückenwind, weil damals der Ausstieg aus der Atomenergie diskutiert wurde“ erklärt Kristine Helmerichs das Ergebnis.

Besser profitierte von der Aufmerksamkeit für die Linie 8

Rückenwind hatte dieses Jahr die Partei „Besser“, großer Gewinner der Gemeinderatswahl: Das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes gegen die Straßenbahn sorgte kurz vor der Wahl für große Aufmerksamkeit für das Hauptthema der Partei.

„Der Zeitpunkt für das Urteil war günstig für uns“, sagt Dr. Gerd-Wilhelm Bode. „Ich bin aber sicher, dass auch andere Themen zum Sieg beigetragen haben – zum Beispiel unser Einsatz für mehr Straßenbeleuchtung.“ Die Partei hat ihre Sitze von zwei auf vier verdoppelt.

FDP gewinnt Sitz – und Einflussmöglichkeiten

Nur einen Platz dazugewonnen hat die FDP – kann aber den größten Stimmzuwachs von 4,7 Prozentpunkten für sich verzeichnen (von 4 Prozent 2011 auf 8,7 Prozent bei der diesjährigen Gemeinderatswahl.

Für die Partei bedeutet der dritte Sitz mehr als nur eine dritte Stimme: Bisher war die Fraktion zu klein, um im Verwaltungsausschuss mit abzustimmen. In dem Gremium werden für viele Themen Weichen gestellt, bevor sie in den Rat kommen.

AfD gewinnt im Kreisrat – viele Stimmen aus Stuhr

Schluss mit der allgemeinen Zufriedenheit ist bei dem Thema AfD: Bei der Gemeinderatswahl ist die Partei nicht angetreten, doch bei der Kreistagswahl hat die „Alternative“ 7,7 Prozent geholt.

Nirgendwo im Landkreis hat die Partei mehr Stimmen bekommen als in Stuhr: knapp 11,4 Prozent der Stuhrer haben dort ihr Kreuz gemacht.

CDU und SPD: „Klassische Protestwähler“

„Die AfD hatte in Stuhr weder ein Gesicht, noch ein Programm – die haben doch einen Besenstiel gewählt“, beklagt Schröder von der CDU

Er glaubt an klassische Protestwähler: „Na und!“ hätten ihm AfD-Sympathisanten am Wahlkampfstand geantwortet, wenn er sie auf das fehlende Programm aufmerksam gemacht habe.

„Argumente helfen nicht“, diese Erfahrung hat auch Cohrs mit potentiellen AfD-Wählern gemacht. „Wir müssen jetzt einfach weiterhin hart arbeiten und Überzeugungsarbeit leisten. Wir müssen das Ohr am Volk haben, und zuhören, wo der Schuh drückt“, meint sie.

Grüne: Was haben AfD-Wähler in Stuhr gewählt?

Helmerichs von den Grünen ist entsetzt: „Mir stockte der Atem. Wie kann das angehen, Stuhr ist nun wirklich kein sozialer Brennpunkt. Und es gab im Wahlkampf auch keine relevante Aussage für Stuhr.“

Sie fragt sich, wo die 11,4 Prozent AfD-Wähler in Stuhr ihre Stimme abgegeben haben.„Die haben nicht massenhaft ungültig gewählt. Für mich erklärt das Wahlverhalten dieser Menschen auch einige seltsame Ergebnisse in Stuhr.“

FDP: Themen sachlich diskutieren

„Bei der Gemeinderatswahl hätte die AfD nicht so viele Prozent gesammelt, auch wenn sie angetreten wäre“, ist sich dagegen Meyer-Diekena (FDP) sicher. „Die Menschen sind hier grundsätzlich mit der Politik eher zufrieden.“

Dennoch findet er, dass sich etwas ändern sollte. „Alle Parteien müssen sich sachlich mit Problemen auseinandersetzen. Es reicht nicht, polemisch zu argumentieren oder die Diskussion zu stoppen, nur weil man eine Stimmenmehrheit hat.“

Besser: „Nicht immer weiter so“

Dr. Bode glaubt, dass vor allem die größeren Parteien sich Gedanken machen sollten, die Stimmen verloren haben.

„Die sagen jetzt hier in Stuhr: Noch haben wir genug Sitze. Und dann heißt es weiter so, immer weiter so. Aber es geht auch darum, einmal neue Gedanken zu denken, wenn man Wähler verloren hat.“

Wahlergebnisse der Gemeinderatswahl im Überblick

CDU: 39,6 Prozent (-3,1 Prozentpunkte seit 2011) –> 15 Sitze (-1 Sitz)

SPD: 30 Prozent (-1,1 Prozentpunkte) –> 11 Sitze (-1 Sitz)

Grüne: 11,9 Prozent (-3,5 Prozentpunkte) –> 5 Sitze (-1 Sitz)

Besser: 9,8 Prozent (+3,7 Prozentpunkte) –> 4 Sitze (+2 Sitze)

FDP: 8,7 Prozent (+4,7 Prozentpunkte) –> 3 Sitze (+1 Sitz)

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