Muhammad Niaz während seines Vortrages. Foto: pv Muhammad Niaz während seines Vortrages. Foto: pv
Integration

Flüchtling aus Borgfeld erzählt aus seinem Leben

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Muhammad Niaz lebt seit einigen Monaten in Deutschland. Er gilt wohl als Musterbeispiel gelungener Integration und hat seit August sogar einen Ausbildungsplatz, wie er in seinem Vortrag im Ortsamt berichtet.

„Wenn ich irgendwann gehen muss, wirst du mich dann vermissen?“, das hat der 18-Jährige kürzlich Gabriela Piontkowski gefragt. Denn seit Dezember vergangenen Jahres bewohnt er ein Zimmer im Haus der Borgfelder CDU-Vorsitzenden. „Wir verstehen uns richtig gut“, sagt diese. Er sei sehr aufmerksam und zuvorkommen und natürlich würde er folglich ihr fehlen.

Seit der Seniorenbeauftragte Wedige von der Schulenburg, Vorsitzender der Seniorenunion der CDU in Bremen, ihm einen Ausbildungsplatz als Koch bei „Herman‘ Post“ vermittelt habe, würde ihre Freundschaft auch „durch den Magen gehen. Ich werde regelrecht gemästet“, so die Christdemokratin. Denn vieles, von dem was er lernt, probiere er zuhause an ihr aus, so Piontkowski über ihren WG-Partner.

18-Jähriger hielt Vortrag im Ortsamt

An ihrem Geburtstag habe er sogar den Grillmeister gespielt und die Festgesellschaft versorgt. Und weil nicht nur Piontkowskis Umfeld an den Lebensumständen des Neubürgers interessiert ist, hat der 18-Jährige jüngst einen öffentlichen Vortrag im Ortsamt gehalten und von seinen Fluchtgründen berichtet.

„In meinem Land ist Krieg“, sagte der gebürtige Belutsche. Sein Land wurde 1948 von Pakistan besetzt. Sein Volk habe keine Rechte. Belutschistan sei rohstoffreich. „Aber Pakistan beutet uns aus“, klagte Niaz. Von dem Ertrag der Rohstoffe bleibe für die Bevölkerung nichts übrig.

Keine öffentliche Wasserversorgung

Die Frauen müssten kilometerweit zur nächsten Wasserstelle laufen. Kinder, die lernen wollten, hätten kein elektrisches Licht, um die Bücher zu lesen. Viele würden schmutziges Wasser aus den Bächen trinken, weil es keine öffentliche Wasserversorgung gebe. Junge Männer, die sich für die Freiheit von Belutschistan einsetzten, würden über Nacht verschwinden.

Vom pakistanischen Geheimdienst verschleppt, im Gefängnis ohne richterlichen Beschluss gefangen gehalten. 169 verweste Leichen seien in drei Massengräbern in den letzten Jahren aufgefunden worden, ergänzte Fahad Baloch, der ihn bei seinem Vortrag unterstützte.

„Wenn Frieden ist kehre ich heim“

Beide jungen Männer sind im Baloch National Movement (BNM), der Nationalpartei Belutschistans, organisiert. Niaz ist deren Vorsitzender in Bremen. „Wenn in meinem Land Frieden ist, gehe ich sofort zurück“, sagte Niaz. Doch der Weg wird noch lang sein.

Niaz berichtete, dass die pakistanischen Behörden systematisch das Internet durchforsten würden. Erst kürzlich habe ein pakistanischer Offizier ein Bild von einer Demonstration der Belutschen in Deutschland auf facebook gepostet, das Bild war mit einem roten Kreuz durchgestrichen.

„Ich habe Angst um meine Familie“

Auch Niaz war bei der Demonstration dabei. „Ich habe jetzt Angst um meine Familie in Belutschistan“, sagte der Borgfelder. Vor zwei Jahren setzte sich der damals 16-Jährige ins Flugzeug und kam – ganz alleine – nach Bremen. Nach diversen Stationen in Flüchtlingsheimen kam er schließlich nach Borgfeld.

„Das Essen war nicht gut, es gab immer so viel Brot“, erinnert er sich an diese Zeit. Aber ich habe mir gesagt: „Brot macht nicht tot, aber Pakistan macht mich tot!“. In Borgfeld hat er sich inzwischen ein eigenes Leben aufgebaut. Er freut sich, viel Kontakt zu deutschen Leuten bekommen zu haben.

Nach dem Besuch einer Sprachförderklasse in Walle hat er nun viel Spaß an seiner Lehre. „Das gefällt mir sehr gut“, sagte er in schon recht gutem Deutsch. Und das Essen? „Ich koche jetzt natürlich deutsches Essen“, sagte er. „Ich will ja lernen!“.

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