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Oh yeah – Popmusik in Deutschland …

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… von den Comedian Harmonists bis heute. Ist Popmusik schon reif für’s Museum? „Wir sind es noch nicht“, entschieden die Mitglieder der „Toten Hosen“, als Projektleiter und Kurator Jan Christoph Greim bei ihnen anfragte, ob sie sich eine Beteiligung mit Objekten und Musikbeispielen vorstellen könnten. Beteiligung nämlich an der aktuellen Sonderausstellung des Focke-Museums unter dem Titel „Oh yeah – Popmusik in Deutschland“, die vom 30. September 2016 bis zum 16. Juli 2017 im Bremer Focke-Museum zu sehen – und natürlich zu hören –  ist.

Idee, Konzept und Technik der Ausstellung kommen aus der Schweiz vom Museum für Kommunikation in Bern. „Aber wir konnten und wollten sie nicht 1:1 übernehmen, denn die Schweizer haben natürlich die Entwicklung der Popmusik in ihrem Land gezeigt“, erläuterte Museumsdirektorin Dr. Frauke von der Haar. „Wir wollten selbstverständlich deutsche – West und Ost – und auch ein paar bremische Bezüge herstellen, z.B. über James Last oder den BeatClub von Radio Bremen.“

Und so kann man denn auf 450 qm Fläche auf drei Schienen – genannt Sound Lounge, Main Road und Backstage – in die Musik verschiedener Epochen von den 20er Jahren bis heute eintauchen und in Schrift, Bild und Ton – über Kopfhörer, mit denen man sich in die Stationen einstöpselt – etwas über Musik, Technik und Klang der jeweiligen Zeit erfahren. In kurzen Hörsequenzen bringen Radiomoderator Dr. Wolfgang Rumpf von Radio Bremen und Judith Hildebrandt von Mr President Musikbeispiele zu Gehör, verorten sie in der jeweiligen Epoche (> Hörprobe) und erläutern auch schon mal die Besonderheiten der Ausstellungsgegenstände. Und davon gibt es zahlreiche vom Tonbandgerät des Harry Frommermann von den Comedian Harmonists über einen Seesack von Elvis, in dem ihn seine Fanpost erreichte, bis hin zur Original-Gitarre mit der Aufschrift „Gitarren statt Knarren“, die Udo Lindenberg 1987 Erich Honecker schenkte.

Ab dem 29. Oktober wird die Ausstellung um einen Nachbau der Original Bremer BeatClub Bühne erweitert. Dort finden dann Veranstaltungen und Konzerte unter dem Titel „Talk und Pop on Stage“ statt. Schon vorher am 11.10. sind Tim Fischer und Rainer Bielefeldt mit ihren Chansons im Museum zu Gast.

„Eine solch umfangreiche Ausstellung ist nur mit Hilfe von Sponsoren möglich“, erklärte Dr. Frauke von der Haar. „Und in diesem Fall kommt erleichternd hinzu, dass die Ausstellung nicht auf Bremen beschränkt ist, sondern zwischen August 2017 und Dezember 2019 auch noch in Frankfurt, Berlin, Leipzig und Stuttgart zu sehen sein wird. So ließen sich die hohen Kosten etwas besser verteilen und das hat die Ausstellung für unser Museum erst möglich gemacht.“

Erste Reaktionen gab es schon bei einer Sonderführung für die „Freunde des Focke-Museums“ am Vorabend des Eröffnungstages: Eine über 80jährige Besucherin meinte begeistert: „Man sollte den Besuch dieser Ausstellung auf Rezept verordnen – sie wirkt prima gegen Depressionen“.

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