Die Crew vom Freitagsstammtisch. Foto: Barth Die Crew vom Freitagsstammtisch. Foto: Barth
Stammtisch

Im Schwarzen Hermann fliegen wieder Erdnüsse

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Die Eckkneipe an der Hohenlohestraße war früher vor allem bekannt, weil der Boden übersät mit Erdnussschalen war. Die Tradition wird fortgesetzt. Und es gibt dort eine weitere: Einen Freitagsstammtisch.

„Regen ist erst, wenn die Heringe auf Augenhöhe vorbeischwimmen“ – so steht es auf einer Tafel geschrieben, mit der der Johannes  Ziegler bei widriger Witterung vor dem Lokal auf seinen „Schwarzen Hermann“ aufmerksam macht.

Tatsächlich ist an diesem Tag schon einiges vom Himmel gekommen. Doch in den Räumen an der Hohenlohestraße herrscht eitel Sonnenschein. Vor Ort trifft sich eine gut gelaunte Stammtisch-Crew, um – wie jeweils freitags nahezu ausnahmslos – auf den Wochenausklang anzustoßen.

Runde vor sieben Jahren ins Leben gerufen

Heike und Volker Ahlring, stadtbekannt als Gastronomen aus dem ehemaligen Amtsfischerhaus im Schnoor, haben jene Runde einst ins Leben gerufen, auf die sich der Hermann-Betreiber Johannes Ziegler immer wieder aufs Neue freut.

Dabei kennt der 29-Jährige die Gesellschaft noch gar nicht so lange. Denn erst vor rund einem Jahr haben er und sein Mann Andreas die traditionsreiche Schwachhauser Eckkneipe übernommen und den Stammtisch von ihrem Vorpächter „geerbt“.

Treffpunkt für ehemalige Amtsfischerhaus-Stammkunden

Die gesellige Truppe ist im Schwarzen Herrmann also schon länger „zuhause“. „Genaugenommen seit wir Ende 2009 unser Restaurant geschlossen haben“, sagt Heike Ahlring. Seinerzeit musste also ein neuer Treffpunkt für die treusten Stammkunden, Freunde und Carsten Fitzner, den einstigen Koch aus Ahlrings Lokals,  her.

Eine Raucherkneipe sollte es sein, denn der Großteil am Tisch ist dem Tabakgenuss nach wie vor verfallen. Dafür fließt, anders als am klassischen Stammtisch, kaum Alkohol.

Produktive Gespräche sind wichtig

Nur für Volker Ahlring ein Glas Wein, Ulla Otterstädt, die mit 74 Jahren älteste der Gemeinschaft, hat ein Beck‘s vor sich stehen. Aber eines ohne Umdrehungen. Wichtiger als Promille sind produktive Gespräche, sagt Rainer Bahrs, genannt der „Professor“, der von sich selbst behauptet, ein echter „Kloogschieter“ zu sein.

„Diskutieren tun wir demnach also auch“, berichten Petra („Pedi“) und ihr Mann Michael Polenz schmunzelnd. Das Paar hat  20 Jahre im Schnoor gelebt. „Für uns war das Amtsfischerhaus ein zweites Wohnzimmer.Schön, dass wir jetzt wenigstens in alter Besetzung einmal pro Woche zusammenkommen.“

Gastronom macht Verrenkungen für seine Gäste

Und das bei einem Wirt, der der sich nach Kräften um die treuen Besucher kümmert. Hier noch ein Wasser, dort dann doch mal ein Weizen. Und weil die Sechs heute ausnahmsweise auf der Empore und nicht wie gewohnt am Fenster oder draußen sitzen, macht der Gastronom für sie sogar Verrenkungen.

Für die letzte Lieferung ist er sehr zur Freude der Anwesenden durch ein „Fenster“ geklettert, das den oberen Teil des Lokals mit dem eigentlichen Gastraum verbindet.

Werder und Politik sind Thema

Aktuell wird vor Ort, wie jede Woche, natürlich auch über Werder diskutiert. „Selbstredend  lästern wir zudem regelmäßig über die Politik, verbunden mit Bemerkungen über die Blödheit der Senatoren“. gesteht der „Professor“.

Für ihn sei der Freitagstermin immer eine Art Heimkehr. „Ich bin in der Hermann-Böse-Straße zur Schule gegangen“, erzählt er, während der „Kloogschieter“ sich eine weitere Zigarette anzündet.

Ein Grund, über das Rauchen zu flachsen. Heike Ahlring merkt an, dass das Verhältnis zwischen süchtigen Frauen und Männern bei 60 zu 40 läge. „Aber die Sterberate ist letztlich bei beiden Geschlechtern gleich.

Ein Schlusswort zur Sterberate

Sie liegt bei 100 Prozent.“ Ein schönes Schlusswort für heute, denn man bricht früher auf als sonst. Gleich wird es Live-Musik geben, und dann wäre gepflegte Abend-Unterhaltung ja nicht mehr möglich.

Infos: Früher ließ man sich in der kleinen Eckkneipe an der Hohenlohestraße nicht nur wegen Bier und Wein zu einem geselligen Abend nieder. Der Clou war, dass es ungeschälte Erdnüsse gab, die direkt vor dem Verzehr im Schankraum geknackt wurden.

Die Schale konnte man ganz „unkonventionell“ auf dem Boden schmeißen. Um dieser Tradition Tribut zu zollen, veranstaltet das Team des „Hermann“ nun wieder regelmäßig, immer am ersten Samstag im Monat, einen Erdnussabend – los geht es am 1. Oktober.

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