An der Sielwallkreuzung im Viertel tummeln sich zeitweise bis zu 50 Straßendealer, vorrangig junge Männer aus Guinea. Foto: Barth An der Sielwallkreuzung im Viertel tummeln sich zeitweise bis zu 50 Straßendealer, vorrangig junge Männer aus Guinea. Foto: Barth
Maßnahmenpaket

Polizei deckt Strukturen der Drogenmafia auf

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Die Polizei Bremen hat in den vergangenen acht Monaten umfangreich im Bremer Drogenmilieu ermittelt und mehrere Hintermänner der meist aus Guinea kommenden Straßendealer von Bahnhof und Viertel ausfindig machen können.

Seit acht Monaten gibt es bei der Polizei eine Sondereinheit mit dem wunderlichen Namen „Honigtopf“, die im Bremer Drogenmilieu ermittelt. „Honigtopf“ deswegen, so erklärten es die Ermittler am Dienstag, weil die Polizei nur etwas ausrichten kann, wenn die Täter auf frischer Tat ertappt werden, mit den Drogen in der Hand, oder eben: Dem Honig im Topf.

Die Sondereinheit soll den offenen Drogenhandel in Bremen bekämpfen und das Sicherheitsgefühl der Menschen wieder herstellen. Um effektiv gegen die vielen Straßendealer vorgehen zu können, haben die Beamten sich vor allem mit den Strukturen hinter den kleinen Dealern beschäftigt.

Die Haupterkenntnis der Ermittlungen: In Bremen gibt es zwei Drogen- Milieus – eines am Bahnhof und eines im Steintorviertel. In beiden Fällen kommen die Straßendealer – die meisten von ihnen Asylbewerber – und deren Hintermänner aus Westafrika, gehören hauptsächlich dem Stamm der Fulla an, der in Guinea und den angrenzenden Staaten, wie Senegal oder Gambia liegt. Es ist ein ausgeklüngeltes System. Die Straßendealer setzen sich aus zwei Gruppen zusammen.

Haupttäter seit sechs Jahren in Bremen tätig

Zum einen sind es junge Männer, die aus ihrem Heimatland nach Bremen kommen um hier eigentlich zu arbeiten, werden innerhalb der afrikanischen Gemeinschaft dann aber angeworben, um Drogen zu verkaufen. Das schnelle viele Geld, das sie dabei verdienen können, ist ihr Hauptmotiv. Damit unterstützen sie ihre Familien zu Hause. „Sie verdienen mit dem Drogenhandel zwischen 1.000 und 3.000 Euro im Monat“, so Andre Lehmann, Leiter der Sonderheinheit. Manche aber auch deutlich mehr.

Die andere Gruppe sind Männer, die mit dem Ziel hier mit Drogen zu handeln, mit Hilfe von falschen Pässen oder Visa einreisen und dann ihren Geschäften nachgehen. „Das ist ein sehr hierarchisches System, das mit Druck und Abhängigkeit funktioniert“, sagt Lehmann.

Diese Hintermänner – oder zumindest einige – konnte die Polizei in den letzten acht Monaten ermitteln, indem sie Lieferungen und Bestellungen beobachteten, 19 Objekte durchsuchten.  14 Menschen konnten vorläufig festgenommen werden, sechs von ihnen sitzen in Untersuchungshaft. „Einer der mutmaßlichen Haupttäter hat sich sein Netz hier seit sechs Jahren aufgebaut“, so Lehmann.

Polizei will Jugendliche vom Dealen abhalten

Drogen konnten die Polizisten ebenfalls beschlagnahmen: 4,5 Kilogramm Kokain, 1,2 Kilogramm Heroin und 7,5 Kilogramm Marihuana. Alles zusammen hat laut Polizei einen Gesamtverkaufswert von knapp einer Millionen Euro. „Zudem konnten wir 80.000 Euro Bargeld und weitere Beweismittel sicher stellen“, so Lehmann.

Die Polizei wertet die Arbeit der Sondereinheit „Honigtopf“ als großen Erfolg. „Aktuell sind wir in der dritten und letzten Phase unseres Strukturverfahrens, der offenen Kontrolle der Straßendealer“, so Lehmann. Am Montagabend hatte die Polizei im Viertel eine Großrazzia durchgeführt. „Da haben wir sogar einen 16-Jährigen aufgegriffen“, erzählt der Vizepräsident der Polizei, Dirk Fasse.

„Es ist nicht in unserem Sinne, dass 16-jährige Afrikaner hier einfach Drogen verkaufen“, so Fasse. Die Polizei wolle  – zumindest bei den Jugendlichen – deswegen das Gespräch mit Hilfe von Sprach- und Kulturmittlern suchen und ihnen Alternativen aufzeigen, auch in Zusammenarbeit mit sozialen Diensten. „Da stehen schon persönliche Schicksale hinter“, so Fasse. Jedoch: „In Deutschland muss niemand Drogen verkaufen, um seinen Lebensunterhalt zu sichern.“

Hohe Haftstrafen für Drogendealer

Die große Szene glaubt die Polizei mit ihrer Arbeit der vergangenen Monate „extrem verunsichert“ zu haben. Man habe die Strukturen – Straßendealer, Hintermänner, Zulieferer – aufdecken können. „Einige haben Bremen schon verlassen“, so Fasse. Die Polizei wolle mit den vergangenen Maßnahmen „aufzeigen, dass sich Drogenhandel hier nicht lohnt“.

Den sechs Tatverdächtigen in Untersuchungshaft drohen laut Frank Passade, Sprecher der Staatsanwaltschaft, empfindliche Freiheitsstrafen. „Es handelt sich hier zum Teil um Täter, die Minderjährige angeworben haben, das kann fünf Jahre geben“, so der Staatsanwalt. Derzeit prüfe man, ob es sich um Beihelfer oder Täter handele, mindestens ein Jahr Freiheitsstrafe stehe bereits auf Beihilfe zum Drogenhandel. Dass Bremen komplett drogenfrei wird, glauben die Beamten hingegen nicht. „Wir müssen rational mit dem Thema umgehen“, so Fasse.

 

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