„Stolpern“ vorm Landhaus Horn

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„Ein Stolperstein vor einer Seniorenresidenz? Das ist doch gefährlich!“, würde jetzt sicher mancher besorgte Zeitgenosse sagen. Aber hier handelt es sich um einen Stein, über den man im übertragenen Sinne stolpern und innehalten soll. Vor dem Eingang zur Stiftungsresidenz Landhaus Horn wurde nämlich einer der insgesamt 10 Gedenksteine an Opfer des Nationalsozialismus in den Boden eingelassen, die am Montag in Schwachhausen und Horn-Lehe gesetzt wurden.

Diese Betonsteine werden so im Bürgersteig versenkt, dass lediglich die Gedenktafel sichtbar bleibt. Bis heute hat der Künstler Gunter Demnig in Europa an mehr als 1.300 Orten über 50.000 solcher Gedenksteine verlegt, darunter 662 in Bremen. Der Künstler stellt die Stolpersteine her und verlegt diese in der Regel selbst, so auch in Schwachhausen.

Durchgeführt werden die Verlegeaktionen vom »Initiativkreis Stolpersteine Bremen«, der seit 2004 in Kooperation mit dem Bremer Verein »Erinnern für die Zukunft e. V.« und der Landeszentrale für politische Bildung Stolpersteine in Bremen setzt. Finanziert werden die Steine über Patenschaften, die von Einzelpersonen, Gruppen oder Institutionen übernommen werden.

Die Stolpersteine sind eine besondere Form der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Dort, wo die Menschen einst lebten, werden Steine in die Erde gelegt mit deren Namen und kurzen biografischen Angaben darüber, was den Menschen widerfuhr und wo sie ermordet wurden.

Beim Stein in der Schwachhauser Heerstraße 264 geht es um den 1876 in Bremerhaven geborenen Lehrer Karl Ernst Armgardt, der 1940 in das damalige Altenheim Landhaus Horn zog. Dort verbrachte er allerdings nur sechs Wochen. Wegen „manischer Phasen“ wurde er in die Nervenklinik Bremen Ost eingewiesen, von wo er drei Jahre später in die Tötungsanstalt Meseritz-Obrawalde „verlegt“ wurde. Dort starb er am 28. Dezember 1943.

Nach kurzen Ansprachen zur Lebensgeschichte Armgardts legte Hausleiterin Marion Ritter in Anwesenheit zahlreicher Bewohner der Stiftungsresidenz und zu den Klängen eines Akkordeons eine Rose auf dem frisch gelegten messingfarbenen Stein nieder. „Wir werden das Andenken Karl Ernst Armgardts in Ehren halten und dafür Sorge tragen, dass sein Gedenkstein immer in gutem Zustand ist“, versprach sie und konnte dabei ebenso wie etliche Anwesende die eigene Betroffenheit nicht verbergen.

Die Bremer Heimstiftung als Träger der heutigen Stiftungsresidenz hat für diesen Stolperstein die Patenschaft übernommen, die auch eine finanzielle Spende für diesen Gedenkstein umfasst.

Mehr Informationen zu den in gleicher Weise geehrten Personen in Schwachhausen und Horn-Lehe gibt es hier.

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