Krankenhaushygieniker gehören zu den meistgesuchten Fachärzten – auch in Bremen sind Stellen deshalb unbesetzt.Foto: pv Krankenhaushygieniker gehören zu den meistgesuchten Fachärzten – auch in Bremen sind Stellen deshalb unbesetzt.Foto: pv
Krankenhaus

Nach Keimskandal fehlen immer noch Hygieniker

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Fünf Jahre nach dem Keimskandal auf der Frühchenstation am Klinikum Bremen-Mitte gibt es in Bremen immer noch nicht genügend Krankenhaushygieniker. Der Grund: Gut ausgebildete Fachärzte sind rar.

Drei Frühchen mussten 2011 sterben, weil sie sich im Krankenhaus mit resistenten Darmkeimen infizierten. Zu verhindern, dass sich Patienten im Krankenhaus Keime oder Bakterien einfangen, ist Aufgabe von Hygiene-Experten.

An ihrer Spitze stehen die Krankenhaushygieniker, also speziell qualifizierte Mediziner, die sowohl das ärztliche als auch das pflegerische Personal bei allen Fragen rund um multiresistente Keime und Co. beraten. Sie sind so wichtig, dass sogar gesetzlich geregelt ist, in welcher Zahl Kliniken Hygieniker anstellen müssen.

Personalschlüssel sollte eigentlich zum Jahresende erfüllt sein

Zum Ende des Jahres sollte dieser Personalschlüssel eigentlich umgesetzt sein. In Bremen wird das nicht gelingen. Das geht aus einer Senatsmitteilung hervor. Deshalb will das Land jetzt die Übergangsfrist verlängern, die es erlaubt, auch Personal einzusetzen, das die gesetzlich geforderte Qualfikation nicht besitzt.

„Die Fristverlängerung um weitere drei Jahre war eine Entscheidung des Bundes“, erklärt Christina Selzer, Pressesprecherin der Gesundheitssenatorin mit Blick auf das Infektionsschutzgesetz des Bundes. Diese Regelung soll jetzt aber in die Bremer Hygieneverordnung übernommen werden. Denn auch in Bremen können die Zielzahlen nicht erfüllt werden.

Ein Hygieniker pro 400 Betten

Als Faustformel gilt: Pro 400 Betten müssen Kliniken einen Vollzeit-Krankenhaushygieniker beschäftigen. Das können zum Beispiel Fachärzte für Hygiene und Umweltmedizin sein.

„Es gibt aber kaum noch Zentren, die sich mit Umweltmedizin beschäftigen“, erklärt Martin Eikenberg, der das Institut für Allgemeine Hygiene am Klinikum-Bremen leitet.

„Jahrzentelang sind Stellen an Unis abgebaut worden.“ Ähnlich rar sind Fachärzte für Mikrobiologie und Infektionsepidemologie. „Krankenhaushygieniker gehören mit zu den gesuchtesten Medizinern“, erklärt Eikenberg das Dilemma.

Schnell-Qualifikation hat sich nicht durchgesetzt

Vorübergehend hat man in Bremen versucht, Ärzte auf kurzem Weg fortzubilden. Vier Bremer Mediziner haben die zweijährige Fortbildung bei der Ärztekammer absolviert. „Aber das ist eine Notqualifikation, die kann nicht so gut sein, wie eine Facharztausbildung“, betont Eikenberg. Die dauere nämlich bis zu fünf Jahre.

Deshalb will das Hygieneinstitut am Klinikum Mitte demnächst eine volle Facharztausbildung zum Krankenhaushygieniker anbieten. „Wir können uns ja nicht nur beschweren, dass wenig ausgebildet wird und nichts tun“, sagt Eikenberg. Nächstes Jahr soll es los gehen. Schon jetzt gebe es Nachfragen von Interessenten.

Situation könnte sich noch zuspitzen

Auch im Klinikverbund Gesundheit-Nord fehlt rechnerisch ein Krankenhaushygieniker. „Aber wir profitieren von den Synergien der eigenen Häuser“, ist Eikenberg überzeugt. Trotzdem: „Auch wir haben ständig Stellen ausgeschrieben.“

Der Mangel an geeigneten Fachkräften könnte sich noch mal verschärfen. Gerade erst hat die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention neue Empfehlungen zur Zahl der benötigten Krankenhaushygieniker veröffentlicht.

Zugrunde liegen ihr komplizierte Berechnungen, die vom Infektionsrisiko auf einer Station abhängen. „Wir rechnen noch, was das für unsere Häuser bedeutet“, sagt Eikenberg.

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