Kai Eckrath, Manuel Pendzich und Vivien Kleeberg mit dem Bremergy-Rennwagen aus der vergangenen Saison. Foto: Niemann Kai Eckrath, Manuel Pendzich und Vivien Kleeberg mit dem Bremergy-Rennwagen aus der vergangenen Saison. Foto: Niemann
Formula Student

Studenten wollen mit Rennwagen zum Hockenheimring

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Eigentlich studieren sie Maschinenbau oder auch Betriebswirtschaftslehre: Ganz "nebenbei" bauen diese Studenten aber auch noch echte Rennautos. Ihr Elektro-Bolide soll schließlich auf dem Hockenheimring fahren.

An diesem Tag sieht es in der Betriebshalle des Neustädter Unternehmens Tandler anders aus als sonst. Zwischen Mitarbeitern tummeln sich vor allen Dingen Studenten. Alle Aufmerksamkeit gilt aber den Rennflitzern, die ihre jungen Konstrukteure von Unis aus Bremen, Hamburg, Braunschweig und Diepholz mitgebracht haben.

Die Fahrzeuge sehen nicht nur fast genauso aus wie Formel-1-Wagen, sondern gehen tatsächlich auch bei Rennen an den Start – und zwar in der Formula Student, einem Wettbewerb für Studierende aus aller Welt. Bis zu 120 Stundenkilometer Spitzengeschwindigkeit können ihre Konstruktionen erreichen.

Mit Elektroauto in 1,5 Sekunden auf 100

„Auf die Spitzengeschwindigkeit kommt es aber nicht in erster Linie an“, sagt Julian Wagenschütz vom Braunschweiger „Lions Racing Team“. Er erzählt begeistert von dem Elektro-Fahrzeug Schweizer Studenten, das innerhalb von 1,51 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen kann. „Das ist schneller als ein Formel-1-Auto.“

Bei Events, die auf der ganzen Welt stattfinden, treten die Teams in verschiedenen Disziplinen gegeneinander an. Da geht es zum einen beispielsweise darum, auf 75 Metern möglichst schnell zu sein, aber  auch zum Beispiel darum, 22 Kilometer inklusive Fahrerwechsel erfolgreich und zügig zu absolvieren. Das ist besonders für die Wagen mit E-Motor noch eine Herausforderung.

„Bremergy“ baut seit 2011 Rennwagen

Bereits seit den 1980er-Jahren bauen Studenten Formel-Wagen, zunächst in den USA. Das Team „Bremergy“ der Uni Bremen ist erst 2011 gegründet worden und damit noch vergleichsweise jung. „Die Motivation dahinter ist, im Studium nicht nur trockene Inhalte zu lernen“, sagt Manuel Pendzich, der Maschinenbau studiert. 

Er ist einer von rund 50 jungen Leuten, die in eigener Werkstatt und eigenem Labor an der Uni Bremen am Bremer Wettbewerbsbeitrag zur Formula Student tüfteln. Nicht nur Ingenieure und Technik-Studenten sind darunter. „Im Prinzip ist das wie eine kleine Firma“, sagt Pendzich. BWL-Studentin Vivien Kleeberg kümmert sich etwa ums Marketing des Teams. 

Nicht nur Ingenieure im Team

In erster Linie finanzieren sich die studentischen Rennwagen-Bauer nämlich über Sponsoren. „Und wenn das Marketing-Team schlecht arbeitet, kriegt man schon mal Probleme mit den Sponsoren“, erzählt Niklas Detlefsen von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg.

Noch gefragter sind Elektro-Technik-Studenten. Nach ihnen suchen fast alle Teams händeringend, denn immer häufiger setzen sie auf Elektromotoren. In monatelanger Arbeit entstehen Konstruktionszeichnungen für die Autos, Teile werden angefertigt und Tests über Tests durchgeführt. „Es ist toll, dass man den kompletten Fertigungsprozess erlebt“, sagt Detlefsen.

Teams aus aller Welt wollen Hilfe aus Bremen

Seit auch die Uni Bremen im studentischen Rennzirkus mitspielt, unterstützt die Zahnradfirma Tandler den Konstruktionswettstreit. „Inzwischen kriegen wir wöchentlich Anrufe aus aller Welt, weil sich unsere Unterstützung unter den Teams natürlich herumgesprochen hat“, erzählt Verkaufsleiter Jörg Pohlmann. Tandler konzentriert sich aber auf fünf norddeutsche Mannschaften und fertigt für sie Teile. 

Pohlmann hat auch schon selbst in einem der Rennwagen gesessen. „Das war schon ein cooles Gefühl, aber nach fünf Minuten hat es mir gereicht: zu eng, man kann kaum lenken. Dabei fahre ich sogar selbst Rennen, aber mit meinem Alfa Romeo.“

Im August soll es zum Hockenheimring gehen

Bei den Events, an denen die Studenten mit ihren Flitzern teilnehmen, geht es um weit mehr als nur ein schnelles Auto. Auch die Business-Pläne der Teams und das Design der Autos fließen in die Bewertung ein. 

Die Startplätze sind so beliebt, dass sich die Studenten bei einem Online-Quiz für ihre Startplätze bewerben müssen. „Dann müssen die Teams aus Amerika nachts aufstehen und alle sitzen vor dem PC“, erzählt Niklas Detlefsen. Abgefragt werden Details aus dem 200-seitigen Regelwerk der Formula Student. Wer die Fragen als erstes richtig beantwortet, bekommt den ersten Startplatz.

Gerade erst haben das Semester und damit die Arbeiten an den neuen Rennwagen begonnen. Im August wollen die Teams nämlich beim größten Formula-Student-Event der Welt am Hockenheimring dabei sein. Bis dahin müssen aber auch in der Neustadt noch so einige Bauteile gefertigt werden.

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