Zu wenig Behinderte beschäftigt: Parkplatz vor einem Bremer Unternehmen. Foto: Schlie Zu wenig Behinderte beschäftigt: Parkplatz vor einem Bremer Unternehmen. Foto: Schlie
Quote

Bremer Firmen beschäftigen zu wenige Behinderte

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In der Mindestquote liegen Bremer Unternehmen weit unter Bundesschnitt. 448 von 1536 betroffene Unternehmen in der Hansestadt bieten überhaupt keinen Arbeitsplatz für Menschen mit Handicap – und müssen zahlen.

Von Jens Fischer

Nicht immer nur arme Kirchenmaus spielt Bremen im föderalen Deutschland. Es ist auch Geberland, nämlich bei den Fördergeldern für die berufliche Integration von Menschen mit Beeinträchtigung. „7,5 Millionen Euro fließen 2016 in Bremen in diesen Topf“, berichtet der Leiter des Integrationsamtes, Thomas Mundl.

Nach Abzug der Zahlungen für den Bund und die Länder  bleiben der Hansestadt fünf Millionen Euro für die Arbeitsplatzförderung Behinderter. Damit wird Unternehmen beispielsweise die barrierefreie Gestaltung ihrer Büros oder der Erwerb technischer Hilfsmitteln finanziert, etwa ein Bildschirmleseprogramm mit synthetischer Stimme für Blinde. Auch Lohnkostenzuschüsse von bis zu 1.160 Euro monatlich werden gewährt oder Jobtrainer angestellt, berichtet Stefan Höppner vom  Integrationsfachdienst Bremen.

Fünf Prozent der Arbeitsplätze für Schwerbehinderte

So gut es klingt, mehr Mittel als andere Bundesländer einzunehmen, so wenig vorbildlich erscheint ein Grund dafür. Jeder Betrieb mit mehr als 20 Mitarbeitern ist  verpflichtet, fünf Prozent seiner Arbeitsplätze mit Schwerbehinderten zu besetzen. In dem Maße, in dem das nicht geschieht, müssen zwischen 125 und 320 Euro monatlich an Ausgleichszahlungen geleistet werden.

Laut der Bundesagentur für Arbeit verhalten sich in Bremen 1.032 von 1.575 betroffenen Arbeitgebern genau so, 448 bieten überhaupt keinen Arbeitsplatz für Menschen mit Handicap.

Quote in der Privatwirtschaft nur 3,1 Prozent

Daher liegt die Behindertenarbeitsplatzquote in der Hansestadt nicht bei den geforderten fünf, sondern bei 4,3 Prozent. Und das auch nur dank des öffentlichen Dienstes, der seine Quote mit 6,5 Prozent behinderten Beschäftigten übererfüllt. Der Anteil in der Privatwirtschaft liegt bei 3,8 Prozent und damit unter dem Bundesschnitt der Privatwirtschaft von 4,1 Prozent.

Barbara Reuhl von der Arbeitnehmerkammer meint, dass Behinderte häufiger unterhalb ihrer Qualifikation beschäftigt werden und im Durchschnitt geringere Stundenlöhne erzielen. Behinderte profitierten vom „Boom“ auf dem Arbeitsmarkt wenig, bestätigt der Landesbehindertenbeauftragte Joachim Steinbrück: „Insgesamt hat sich das Problem verfestigt.“ Im Land Bremen leben knapp 60.000 Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung, mehr als 9.000 nutzen einen der Behindertenarbeitsplätze.

große Berührungsängste und Vorurteile

„Es gibt einen Mangel an schulisch gut ausgebildeten Behinderten“, sagt Höppner. Andererseits gebe es große Berührungsängste und Vorurteile, erklärt Steinbrück. Vor allem mittelständische Arbeitgeber befürchteten Wettbewerbsnachteile durch Behinderte, weil sie diese für weniger leistungsstark hielten und sich daher von der Beschäftigung freikaufen würden. 

Es sollten nicht die Defizite, sondern die Fähigkeiten in den Fokus gestellt werden, betont Steinbrück. Behinderte böten ein hohes Maß an Selbstdisziplin, da auch ihr Alltag ein hohes Maß an Organisation erfordere.

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