Die Flaggen vor dem Bremer Weihnachtsmarkt sind nach dem mutmaßlichen Anschlag in Berlin auf Halbmast gehisst. Foto: Schlie Die Flaggen vor dem Bremer Weihnachtsmarkt sind nach dem mutmaßlichen Anschlag in Berlin auf Halbmast gehisst. Foto: Schlie
Nach Berlin-Anschlag

Bewaffnete Polizisten auf Weihnachtsmarkt unterwegs

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In der Bremer Innenstadt sind seit Dienstagvormittag Polizisten mit Maschinenpistolen und schussischeren Westen unterwegs, Streifenwagen sichern die Zugänge ab. Das erklärten Polizeipräsident und Innensenator.

Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) und Polizeipräsident Lutz Müller haben am Dienstagnachmittag die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen in Bremen nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt erklärt. 

„Seit heute Vormittag sind zusätzliche Polizisten mit Maschinenpistolen und schusssicheren Westen auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs“, erklärte Müller. Die Polizei sichere die Zugänge zudem mit Streifenwagen ab. An der Obernstraße vor Peek und Cloppenburg und Karstadt stehe eine Streife, außerdem vor der Glocke an der Domsheide und auf dem Domshof an der Ecke zur Langenstraße. „Eine hundertprozentige Sicherheit kann es aber nie geben“, so Müller. 

Die Polizei habe zudem Kontrollstellen eingerichtet. „Der Fahrzeugverkehr wird beobachtet und auffällige Personen kontrolliert beziehungsweise auch aus dem Verkehr gezogen“, so der Polizeipräsident. Neben den ohnehin auf dem Weihnachtsmarkt eingesetzten Polizisten seien außerdem zivile Kräfte im Einsatz. Menschen- oder Taschenkontrollen soll es nicht geben. „Damit würden wir den Weihnachtsmarkt stilllegen“, so Müller.

Weihnachtsmärkte bleiben bundesweit geöffnet

Die Polizei wolle so weit wie möglich verhindern, dass mögliche Amateure oder Trittbrettfahrer mit nachgeahmten Anschlägen in Bremen zum Zug kommen. „Der ÖPNV bleibt vorerst in der Obernstraße“, sagte Müller weiter. Die Polizei wolle die Sicherheitsmaßnahmen angemessen erhöhen, um so auch der subjektiven Wahrnehmung der Sicherheit für die Bevölkerung gerecht zu werden. 

„Objektiv hat sich die Gefährdungslage aus unserer Sicht leicht erhöht. Wir sind in Deutschland das ganze Jahr schon mit besonderen Sicherheitsmaßnahmen unterwegs, um auch andere Dinge wie sexuelle Übergriffe, eine Terrorlage oder allgemeine Kriminalität zu verhindern“, so Müller. Weihnachtsmärkte stünden jetzt noch einmal besonders im Fokus. 

Innensenator Ulrich Mäurer erklärte, die Innenminister in ganz Deutschland seien sich am Morgen in einer Telefonkonferenz sehr schnell einig gewesen, Weihnachtsmärkte und andere Großveranstaltungen nicht abzusagen. „Eine Ausnahme ist Berlin, dort wird aus Gründen der Trauer und Pietät der Weihnachtsmarkt geschlossen“, so Mäurer. 

Bremen riegelt Weihnachtsmarkt nicht vollends ab

Er habe einen sehr traurigen Montagabend erlebt und bereits sehr früh Gespräche über die jetzt notwendigen Sicherheitsmaßnahmen geführt. „Ganz überraschend kam das gestern nicht. Wir sind seit Monaten davon ausgegangen, dass Deutschland ein mögliches Objekt für Anschläge sein kann“, so Mäurer. Mit der zusätzlichen Polizeipräsenz auf dem Weihnachtsmarkt und den dieses Jahr zum ersten Mal eingesetzten privaten Sicherheitsdiensten sei Bremen gut gewappnet. 

„Man kann sehr viel machen, aber letztlich eine solche Tat nicht verhindern. Anschläge können auf verschiedene Arten verübt werden, wie jetzt in Berlin mit Fahrzeugen, aber eben auch durch Waffen oder Bomben“, so Mäurer. Den Weihnachtsmarkt durch Panzersperren abzuriegeln oder Verkehrswege zu sperren, sei aus seiner Sicht das falsche Signal. „Dann geht man mit einem unguten Gefühl auf den Weihnachtsmarkt, ich bin sicher, das ist auch von der Bevölkerung nicht gewünscht“, sagte Mäurer.

Sicherheitsbehörden mit Schaustellern im Gespräch

Der Innensenator äußerte sich nicht zum Täter aus Berlin. „Es ist unzweifelhaft, dass es sich um einen Anschlag gehandelt hat und es ist auch unzweifelhaft, dass der polnische Lkw-Fahrer tot ist. Wer der Täter ist, muss noch ermittelt werden“, so Mäurer. Er bat darum, hasserfüllte Postings auf Facebook oder Twitter zu unterlassen und die Ermittlungsergebnisse abzuwarten. „Erkenntnisse zum Täter gibt die Berliner Polizei oder die Bundesanwaltschaft bekannt“, sagte der Bremer Innensenator.

Die Sicherheitsbehörden seien im Gespräch mit den Bremer Schaustellern, auch die kleineren Weihnachtsmärkte in den Stadtteilen würden mit mehr Polizeipräsenz gesichert.

Die Stimmung unter den Bremer Marktleuten ist gedämpft, erklärte Geschäftsführer Ralf Herderhorst dem Weser Report. „Was in Berlin passiert ist, ist furchtbar. Wir sind aber der Meinung, dass wir jetzt erst recht nicht schließen“, so Herderhorst. Die Schausteller seien sich einig, dass ein Schließen des Weihnachtsmarktes das falsche Signal wäre. „Dann hätten diese Leute erreicht, was sie wollen: Unser Leben einzuschränken“, sagte Herderhorst. 

Schausteller wollen sich Weihnachten nicht vermiesen lassen

Die Schausteller hätten am Dienstagmorgen von der geplanten erhöhten Polizeipräsenz erfahren. „In Bremen wäre es schwieriger, so in die Menschenmenge zu fahren“, sagt Herderhorst. Die Berliner Schaustellerkollegen seien gerade dabei, Gedenkveranstaltungen zu organisieren. „Das ist schlimm, aber das Leben geht weiter. Wir haben beschlossen, uns Weihnachten nicht verderben zu lassen“, so der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Bremer Märkte. 

Welche Konsequenzen die Sicherheitsbehörden in Bremen aus dem mutmaßlichen Anschlag in Berlin ziehen, wird im Laufe des Tages bekannt gegeben. Der Weser Report wird diesen Bericht entsprechend aktualisieren. 

Bremer Reaktionen zu Berlin auf Twitter

Bei Twitter hat es erste Reaktionen aus Bremen gegeben. So drückte die FPD ihr Mitgefühl aus:

Die Bremer Polizeigewerkschaft drückte ihr Beileid den Angehörigen des Opfers aus und sendete gute Wünsche an die Kollegen in der Hauptstadt:

Bürgermeister Carsten Sieling drückte seine Trauer ebenfalls auf dem Kurznachrichtendienst aus:

Am Mittag äußerte sich Bremens Bürgermeister Dr. Carsten Sieling (SPD) auch offiziell: „Was für eine abscheuliche Tat, ich bin tief erschüttert. Fassungslos und mit Bestürzung schauen wir nach Berlin. Wir trauern um die vielen unschuldigen Opfer und sind mit unseren Gedanken bei ihren Familien und den Angehörigen“, sagte er.

„Wir hoffen mit den Verletzten um Genesung und danken allen Polizei- und Rettungskräften für ihren Einsatz. Es ist wichtig, dass wir nun zusammenhalten und alles dafür tun, dass dieser schreckliche Anschlag das friedliche Zusammenleben hier bei uns nicht gefährdet“, so Sieling weiter. Die Ermittlungen der Sicherheitsbehörden liefen seit gestern Abend auf Hochtouren, die Polizei werde auch in Bremen ihre Präsenz erhöhen.

Bürgermeister Carsten Sieling gibt den Bremerinnen und Bremern die Möglichkeit, sich in einem Kondolenzbuch einzutragen. Das Buch liegt ab heute 13 Uhr bis Freitag, 23. Dezember 2016, in der Zeit von 8 bis 18 Uhr im Foyer des Bremer Rathauses aus. Um 18 Uhr gibt es auf dem Rathausplaz beim Tannenbaum eine Gedenkveranstaltung für die Opfer von Berlin. Auch Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) wird daran teilnehmen. Gemeinsam mit den Schaustellern wird eine Schweigeminute eingelegt, die Karussells werden angehalten, Musik und Lichter ausgeschaltet.

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