Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt im Gespräch mit dem WESER REPORT. Foto: Füller Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt im Gespräch mit dem WESER REPORT. Foto: Füller
Vegesack

Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt im Interview

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Im Gespräch mit dem Weser Report ließ Vegesacks Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt das vergangene Jahr Revue passieren und wagt einen Ausblick auf 2017. Zahlreiche Weichen für große Projekte wurden bereits gestellt.

Weser Report: Schauen wir zurück: Welche Themen haben Sie und den Stadtteil in 2016 besonders beschäftigt?

Heiko Dornstedt: Es gab  viele Themen. Beispielsweise ist es uns gemeinsam mit der Bras gelungen, mit dem Geschichtenhaus eine Folgenutzung im Alten Speicher aufzustellen. Das Konzept überzeugt mich, noch mehr überzeugen mich aber die Menschen.

Ein anderes Beispiel ist der Hochwasserschutz im Stadtteil. Wir haben großen Wert darauf gelegt, im historischen Kern nicht nur die erforderlichen Schutzwände zu erhöhen, sondern auch den Ansprüchen des Museumshafens gerecht zu werden.

Darüber hinaus ist es ein Erfolg, dass das integrierte Entwicklungskonzept Grohner Düne auf den Weg gebracht wurde. Es ist auch endlich Bewegung in eine Nachfolgenutzung für das Haven Höövt gekommen. Wir müssen aufpassen, dass das Objekt nicht zu einer Ruine verkommt.

Außerdem haben wir es auch geschafft, die ZAST geräuschlos zu eröffnen. Die Bedenken und Ängste musste man ernst nehmen. Bis jetzt ist aber nichts davon eingetreten und ich gehe davon aus, dass das auch nicht passiert. Es sind dort ja nicht nur bis zu 750 Flüchtlinge untergebracht, es arbeiten auch viele Menschen dort. Man darf nicht vergessen, dass wir davon profitieren.

Es wurden also viele Themen und Projekte angestoßen, die auch in 2017 noch aktuell sind?

Ja, sogar darüber hinaus. Der Hochwasserschutz, das Haven Höövt und die ZAST werden nicht nur 2017 aktuell sein. Das wird alles weit über meine Amtszeit hinausgehen.

Was steht 2017 noch an?

Wichtig sind die Sportstätten. Ich erwarte, dass die Vereine auf dem Oeversberg schnellstmöglich eine Perspektive aufgezeigt bekommen. Das ist auch eine berechtigte Erwartung der Vereine. Sie müssen Planungssicherheit haben, um sich zukunftssicher aufstellen zu können.

Es müssen Ersatzflächen geplant und umgesetzt werden. Auch die Finanzierung ist ein Thema, bei dem die Stadt gefordert ist, denn die Jacobs University muss die Flächen ja nicht eins zu eins ersetzen. Die Grundstücke muss die Stadt stellen, was eine große Herausforderung ist.

Gibt es denn konkrete Ersatzflächen?

Ein Grohner Sportverein gehört in den Ortsteil Grohn, genauso gilt das für Vegesack. Die Vereine gehören hierher. Viele Alternativen gibt es nicht, was es aber auch einfacher macht. Auch die Sporthallen sind aber ein Thema. Die Turnhalle Ludwig-Jahn-Straße muss dringend saniert werden. Ich erwarte zeitnahe Aussagen, wann die Halle in einen vernünftigen Zustand versetzt wird.

In 2017 begleitet uns aber auch der Kitabau. Es laufen intensive Gespräche zwischen Kita Bremen, dem Fachressort und Immobilien Bremen. Ich rechne damit, dass die erste Beiratsbefassung im Jahr 2017 sich mit Containern auf dem Sportplatz Fährer Flur beschäftigt, bevor dort eine Kita gebaut wird.

Die Chancen stehen gut, dass von der Küche der Kita dann auch die Grundschule profitiert, sodass diese zur Ganztagsschule werden kann. Außerdem steht Mitte Januar eine Planungskonferenz an. Es gibt ein Missverhältnis zwischen denen die hier wohnen und denen, die hier arbeiten.

Niemand will, dass wir zu einer Schlafstadt werden, also wird es einen Abgleich zwischen dem Bauressort, dem Bauamt und dem Senator für Wirtschaft geben, um zu sehen, wo Wohnungsbau und Gewerbeausübung möglich sind. Ich erwarte eine Kategorisierung. Das ist ein hehres Ziel, aber ich bin ja ein Berufsoptimist.

Es gibt also eine ganze Menge zu tun?

Ja, es geht sogar noch weiter. Die Erreichbarkeit der Linie 87 ist auch ein wichtiges Thema. Wenn wir neue Wohngebiete entwickeln, muss es auch einen ÖPNV geben.

Was hätte besser laufen können?

Es gibt Dinge, die mich richtig ärgerlich machen. Der Senator ist der Meinung, dass die Beiräte frühzeitig in die ÖPNV-Pläne einbezogen wurden. Man muss sich doch fragen, vor welchem Hintergrund die Beteiligung erfolgte? Nur formal? Oder setzt man sich auch mit den Argumenten ausein­ander? Das war nicht erkennbar.

Ich hätte mir auch eine schnellere Reaktion in Sachen Oeversberg gewünscht. Die Jacobs University hat sich sehr fair verhalten und früh darauf hingewiesen, dass der Vertrag besteht. Ich hätte mir aber eine schnellere Reaktion der Behörden gewünscht und mehr Problembewusstsein erwartet.

Bei allem Ärger, was hat Sie in 2016 besonders bewegt?

Das große ehrenamtliche Engagement der Vegesacker. Vor allem die Aktion der Weser Jungs. Sie haben die Mosaike im Stadtgarten freigelegt und gesäubert, ohne einen Bezug dazu zu haben. Das war unglaublich toll. Solche Dinge bewegen mich.
 
Was wünschen Sie den Vegesackern für 2017?

Am wichtigsten: Gesundheit. Und natürlich, dass sie im Stadtteil weiterhin gut leben können.

Danke für das Gespräch.

Heiko Dornstedt (59) ist seit 2008 Ortsamtsleiter in Vegesack. Er ist seit 37 Jahren verheiratet und hat drei erwachsene Töchter. Dornstedt ist Großvater von fünf Enkelkindern.

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