Forscher untersuchen, wohin Bremer gehen, wenn es ihnen schlecht geht? Foto: WR
Untersuchung

Wie werden Neustädter und Gröpelinger gesund?

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Zum Arzt, zum Naturheilpraktiker oder ins Krankenhaus: Wohin gehen Neustädter und Gröpelinger, wenn der Schuh drückt? Das untersuchen jetzt Forscher des Bremer Leibniz-Instituts und befragen 1.200 Bremer.

Vier europäische Städte – Bremen, Birmingham, Uppsala und Lissabon – interessieren Wissenschaftler aus dem Gesundheitswesen gerade besonders. Sie befragen dort Menschen in jeweils zwei Stadtteilend arüber, welche Gesundheitssysteme sie in Anspruch nehmen.

In Bremen werden die Gewohnheiten von Gröpelingern und Neustädtern genau unter die Lupe genommen. „Beide Stadtteile sind sehr heterogen zusammengesetzt“, erklärt Soziologe Dr. Tilman Brand, der die Studie am Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie leitet.

Neustadt und Gröpelingen sind Forschungsgegenstand

Trotzdem gebe es interessante Unterschiede. „Gröpelingen wird oft als Problemstadtteil mit Schwierigkeiten bezeichnet“, sagt er. Die Neustadt hingegen entwickele sich gerade auch durch den Zuzug vieler junger Leute rasant. „Das ist ein Stadtteil, der im Kommen ist“, sagt er.

Jeweils 600 Menschen aus Gröpelingen und der Neustadt wollen die Forscher darüber befragen, welche Gesundheitsangebote sie nutzen.Grippe, Arzt, Apotheke, Bett – so einfach geht es laut Brand im Krankheitsfall längst nicht immer zu.

Kranke bauen sich ihre eigene Gesundheitsversorgung

„Die Beschwerden sind oft diffus. Man geht zum Arzt, zweifelt an der Diagnose, spricht dann noch einmal mit Freunden und sucht vielleicht letztlich sogar einen Heilpraktiker auf“, erklärt er. Menschen mit ausländischen Wurzeln würden oft sogar für medizinische Behandlungen in ihre Herkunftsländer reisen. „Zum Beispiel, weil sie sich dort eher verstanden fühlen oder den Medikamenten dort mehr vertrauen“, erklärt der Soziologe.

Der direkte Weg zum richtigen Arzt kann auch aus ganz anderen Gründen versperrt sein, zum Beispiel weil Personen nicht den richtigen Aufenthaltstitel haben, ihnen Sprachfertigkeiten fehlen oder schlicht kein Termin zu bekommen ist.

1.200 Interviews sind geplant

All das wollen die Wissenschafter mit ihren insgesamt 1.200 Interviews herausfinden. Ihre Ergebnisse, auch aus den anderen Städten, sollen dazu dienen, die Gesundheitsversorgung besser an die Bedürfnisse der Bewohner in den Stadtteilen anzupassen.

Schon seit 2015 beschäftigen sich die Forscher mit der Gesundheitsversorgung in den Stadtteilen. Bevor sie jetzt mit den Patienten sprechen, haben sie schon die jeweiligen Anbieter der medizinischen Dienstleistungen interviewt.

Teilnehmer erhalten 10 Euro

„Dabei wurde zum Beispiel deutlich, dass sich viele engagieren und auch Leistungen erbringen, die gar nicht ihre Kernaufgabe sind“, berichtet Brand und berichtet zum Beispiel davon, dass Geld gesammelt wurde, um Menschen mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus zu versorgen.

Welche Ergebnisse ihre Befragungen in der Neustadt und in Gröpelingen bringen, wollen die Wissenschaftler Ende des Jahres auch in den untersuchten Stadtteilen präsentieren. Wer seine Erfahrung teilen und ein Interview geben möchte, kann sich telefonisch unter 0800 / 247 72 46 (montags bis mittwochs, 9 bis 13 Uhr, donnerstags bis freitags, 14 bis 17 Uhr) oder per Mail an upweb@leibniz-bips.de bewerben. Für das 30-minütige Interview erhalten Teilnehmer eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 10 Euro.

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