Susanne Geils Bürgermeisterin Susanne Geils
Jahresrückblick

Susanne Geils gerührt von Flüchtlingen und Helfern

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Für Ritterhude war 2016 ein bewegtes Jahr. Bürgermeisterin Susanne Geils berührten besonders die Bürger, die "mit Herz und Engagement" Flüchtlinge unterstützen. Aber auch die Geflüchteten sorgten für besondere Momente.

Weser Report: Frau Geils, wenn Sie zurück blicken, was war im Jahr 2016 besonders positiv in der Gemeinde Ritterhude?

Susanne Geils: Zum einen die Entwicklung der Gemeinde. Gerade im Hinblick auf Alt-Ritterhude, verändert sich das Gesicht momentan komplett. Es wird eine neue Ortsmitte mit Geschäften und Marktplatz entstehen, die Ritterhude bis jetzt noch nicht wirklich hatte. Auf einen solchen Kern haben die Ritterhuder bestimmt 40 Jahre gewartet. Jetzt entsteht der Ortskern nach und nach. Zeitgleich damit entsteht auch das Projekt Hamme Blick und auch die freie Fläche neben dem Rathaus wird projektiert. Insgesamt ein hoher Mehrwert für alle Bürger.

Ganz besonders positiv war auch das große Engagement unserer Bürger in Bezug auf Flüchtlinge. Mit Herz Engagement und Verstand, sind viele Menschen meinem Aufruf gefolgt und haben Patenschaften für Flüchtlinge übernommen. Wir sind ein ganz anderes Land, eine ganz andere Kultur und sollten diese Menschen begleiten. Bis heute hat es mich sehr positiv beeindruckt und auch sehr sehr berührt, wie viele Menschen sich gemeldet haben.

Es gab doch sicher auch etwas Schlechtes im vergangenen Jahr?

Ich wüsste nicht was das Negativum in der Gemeinde Ritterhude im vergangen Jahr sein sollte. Ich bin vielleicht ein Mensch, der solche Dinge einfach nur anders empfindet. Wir leben in einer Demokratie und manche Ideen lassen sich einfach nicht umsetzen. Meine Mutter sagte immer: ‚Über verschüttete Milch musst du nicht weinen‘.

Wenn Sie mich fragen würden was negativ im Jahre 2016 war, dann kann ich Ihnen natürlich eine Menge aufzählen. Doch das hat weniger mit Ritterhude, sondern mit der politischen Weltlage zu tun.

Was war denn Ihr persönlicher Höhepunkt im vergangenen Jahr?

Ganz klar das große Engagement der Bürger und die gute Integration der Flüchtlinge. Wir haben hier, auch wie andere Gemeinden, viele junge Männer, die hier ohne ihre Familien da sind. Solange sie noch nicht anerkannt sind und keiner Arbeit nachgehen, haben sie natürlich viel Freizeit. Viele haben uns wirklich angesprochen, ob wir eine Beschäftigung für sie hätten. Zunächst konnten wir den jungen Männern nichts anbieten, bis es um die Gestaltung des Marktplatzes ging. Die Idee in unserem Haus war, dass der Marktplatz aus alten Ritterhuder Pflastersteinen verlegt wird.

Über die Jahre wurden solche Steine auf unserer alten Kläranlage gesammelt. Die mussten für den Bau sortiert werden und wir fragten Flüchtlinge, ob Interesse besteht dies zu tun. Ich hatte gleich das Bild im Kopf, von Flüchtlingen, die über den Marktplatz gehen und sagen können, dass sie dabei geholfen haben. 30 bis 35 Männer aus Syrien und Afghanistan haben sich bereit erklärt die Steine für uns zu sortieren. Als ich an der Kläranlage ankam, war ich zunächst richtig entsetzt. Die Steine lagen nicht in schönen Haufen da, sondern waren über die Jahre mit Gras zugewachsen. Die Männer mussten die Pflaster zuerst mit einer Harke befreien, bevor sie sortiert werden konnten. Es war wirklich schwere körperliche Arbeit.

Es hat mir in der Seele leid getan, denn es regnete zwischendurch auch noch. Die Männer haben wirklich zwei Tage lang harte Arbeit geleistet. Als ich dann das Wort an die Helfer richtete, halfen mir zwei von ihnen beim Übersetzen. Ich bedankte mich bei den Helfern und entschuldigte mich auch für diese schwere Arbeit. Einer der jüngeren Helfer sprach einen der Übersetzer an. Der Übersetzer erklärte mir dann, dass der junge Mann gesagt hätte, dass ich mich nicht bei ihnen bedanken müsste, sondern sie sich bei mir und der Gemeinde bedanken, dass alle so gut aufgenommen worden sind und dass sie hier sein dürfen. Ich hatte Tränen in den Augen, es hat mich sehr sehr bewegt. Ein besonderes emotionaler Höhepunkt.

Wagen Sie einen Ausblick: Was erwartet die Bürger im neuen Jahr?

Wir werden uns wie immer den normalen Herausforderung stellen. Wir haben immer noch unglaubliche Zuzüge. Im Kita- und Krippenbereich werden wir weiter vor Herausforderungen stehen, vor allem wegen dem Facharbeitermangel im Erziehungsbereich. Auch die Flüchtlingssituation müssen wir im Blick behalten. Wir wissen nicht, ob oder wann weitere Flüchtlinge kommen, aber wir sollten darauf vorbereitet sein.

Auch einige Freiflächen werden wieder gemeinsam mit den Bürgern neu gestaltet werden. Unter anderem wird am Riessportplatz ein Mehrgenerationenplatz mit Trimm-Dich-Geräten entstehen.

Abschließend: Was wünschen Sie den Bürgern?

Ich wünsche ihnen das was wir uns alle wünschen. Ich wünsche ihnen, dass sie zufrieden sind. Dass sie mit sich im reinen sind und eine innere Zufriedenheit erhalten. Und natürlich Gesundheit und viele glückliche Augenblicke in denen man herzhaft lachen kann. Lachen ist ganz ganz wichtige um ganz viele Dinge leichter zu ertragen.

Danke für das Gespräch.

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