Im Baugebiet an der Marcuskaje entstehen Wohnungen, Foto: WR Wie hier an der Marcuskaje will die Gewoba weiteren sozial geförderten Wohnraum in der Überseestadt schaffen, um die Bedarfe in Bremen zu decken. Symbolfoto/WR
Höchste Single-Quote

Kleine Wohnungen sind heiß begehrt aber Mangelware

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Über 200 Anfragen in nur 48 Stunden: Kleine Wohnungen nahe der Innenstadt mit Balkon und Einbauküche sind in Bremen beliebt, aber rar. Neubauten der Gewoba sollen Abhilfe schaffen – aber erst in zwei Jahren.

Die Anzeige für eine 1-Zimmer-Wohnung, für 400 Euro warm im Hulsberg-Viertel ist gerade zehn Minuten online, da kommen schon die ersten zwei E-Mails von Interessenten. Der Beginn eines Ansturms: 215 werden es innerhalb der nächsten 48 Stunden. Die Bewerber ziehen sich durch alle Gesellschaftsschichten, vom Flüchtling, über die Auszubildende, die Rechtsanwältin, den Rentner oder die pendelnde Führungskraft.

Das ist Alltag für die Gewoba: „Der Trend geht wieder zum urbanen Wohnen, Innenstadt-Lagen sind extrem begehrt“, sagt Sprecher Manfred Corbach. Zudem gebe es in Bremen die Besonderheit, dass gut 50 Prozent aller Haushalte von Singles geführt werden. „Wir haben bundesweit die höchste Quote“, so Corbach. Entsprechend seien Ein- bis Zwei-Zimmerwohnungen am häufigsten gefragt.

Vermieter oft auf Einnahmen angewiesen

„Oft sind das entweder junge Leute, frisch aus der Ausbildung, oder ältere, deren Wohnungen zu groß oder zu teuer geworden sind“, weiß Corbach. Rund 3.200 Quartiere wechseln alleine bei der Gewoba so jedes Jahr den Mieter.

Wohnungen von Privatvermietern sind die andere Alternative, allerdings nicht für jeden. „Privatvermieter nehmen lieber berufstätige Mieter als Sozialhilfeempfänger“, sagt Ingmar Vergau, Geschäftsführer von Haus und Grund. Denn: „Viele sind auf die Einnahmen angewiesen, kommt es zu Ausfällen sind sie selbst in finanzieller Not“, sagt Vergau.

Zwar gingen 85 bis 90 Prozent der Mietverhältnisse mit Sozialhilfeempfängern gut, doch das Risiko steige, sobald etwa die Wohngeldstelle nicht mehr zahle. „Wir raten, im Zweifel lieber einen Mieter mit eigenem Einkommen zu nehmen“, sagt Vergau.

Gewoba baut neue Wohnungen in Überseestadt

Die Sozialbehörde empfindet das als diskriminierend. „Es gibt in Bremen 90.000 Sozialhilfeempfänger, die brauchen auch Wohnraum“, meint Sprecher Bernd Schneider. Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es nie. „Ich kenne auch Fälle von Ärztefamilien, die keine Miete gezahlt haben“, so Schneider.

Für Flüchtlinge habe die Behörde mit der Gewoba ein Kontingent von 30 reservierten Wohnungen im Monat geschaffen. Das entspricht 10 Prozent aller leerstehenden Appartements erzählt Corbach. „Alle anderen brauchen schließlich auch Wohnraum“, so der Gewoba-Sprecher.

Um dem Bedarf gerecht zu werden baue man derzeit in der Überseestadt kleine, und in den Randbezirken wie Tenever und Osterholz große Unterkünfte für Familien. Wann die fertig sind, kann Corbach nicht sagen. „Die ersten vielleicht in zwei Jahren.“

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