Neben Gesprächen sollen für Kinder im Programm „Trampolin“ auch das Spielen und Toben nicht zu kurz kommen, erklärten Christa Hegmann (l.), Leiterin der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werkes, und Angelika Meurer-Schaffenberg, Fachkraft für Suchtprävention. Foto: Bosse Neben Gesprächen sollen für Kinder im Programm „Trampolin“ auch das Spielen und Toben nicht zu kurz kommen, erklärten Christa Hegmann (l.), Leiterin der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werkes, und Angelika Meurer-Schaffenberg, Fachkraft für Suchtprävention. Foto: Bosse
Diakonisches Werk

Entlastung für Kinder aus suchtbelasteten Familien

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Im März startet die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention im Diakonischen Werk des evangelischen Kirchenkreises Osterholz-Scharmbeck ein Projekt für Kinder aus suchtbelasteten Familien.

Ungefähr jedes sechste Kind lebe in einer suchtbelasteten Familie, sagt Angelika Meurer-Schaffenberg, Fachkraft für Suchtprävention beim Diakonischen Werk. Nicht selten führe dieser Umstand dazu, dass der Nachwuchs sich womöglich schuldig fühle, was die Suchterkrankung des Elternteils angehe. „Kinder leiden darunter und entwickeln ganz feine Antennen dafür, dass in der Familie etwas nicht stimmt“, sagt Christa Hegmann, Leiterin der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention bei der Diakonie.

Anlässlich der „Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien“ vom 12. bis 18. Februar möchte auch die hiesige Fachstelle den öffentlichen Fokus auf die Kinder richten und plant daher gerade ein spezielles Programm namens „Trampolin“, das mit dem Sportgerät übrigens nichts zu tun hat.

Kinder bilden Sozialkompetenz aus

Zum dritten Mal startet bei „Anderland“, Findorffstraße 21 in Osterholz-Scharmbeck, am 11. März eine Gruppe speziell für Kinder aus Familien mit suchtkranken Menschen. An neun Sonnabenden können die Jüngsten im Alter von acht bis zwölf Jahren spielerisch lernen, über Gefühle zu sprechen, Konflikte zu lösen, sich Hilfe zu holen, sich zu entspannen. „Sie bilden dadurch auch ihre Sozialkompetenz deutlich aus“, betont Christa Hegmann.

Neben Gesprächen soll unter anderem auch gekickert oder getobt werden. „Und wenn ein Kind Geburtstag hat, gibt es auch Geburtstagskuchen“, freut sich Angelika Meurer-Schaffenberg schon auf die Runden.

Suchterkrankung oft moralisch verurteilt

Voraussetzung für eine Teilnahme der Kinder sei selbstverständlich das Einverständnis der Eltern. „Wir holen die Kinder auch ab und bringen sie später wieder nach Hause“, so Meurer-Schaffenberg. In aller Regel seien die teils direkt suchtbetroffenen Elternteile dankbar für das Engagement um ihren Nachwuchs, weil sie selbst sich beispielsweise bereits in Entzugstherapie befänden.

Ohne Frage benötigten alle Beteiligten für diese Schritte auch durchaus Mut, weiß Christa Hegmann aus ihrer Berufserfahrung: „Bei einer Suchterkrankung gibt es immer noch die moralische Verurteilung als vermeintliche Schwäche oder dass jemand den Anforderungen des Lebens nicht gewachsen sei.“ Kinder sollten deshalb auch den positiven Weg heraus aus der Sucht aktiv miterleben.

Die Teilnahme an dem Programm für Kinder aus Suchtfamilien ist kos­tenlos. Anmeldungen sind unter Telefon 04791/80682 möglich.

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