Im Vordergrund tanzen Gianluca Sermattei und Marié Shimada, dahinter agiert das Damenensemble. Foto: Stephan Walzl Im Vordergrund tanzen Gianluca Sermattei und Marié Shimada, dahinter agiert das Damenensemble. Foto: Stephan Walzl
Ballett

Liebe, Wut, Spaß und Abschied auf der Bühne

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Bei der Ballettpremiere von „Men und Women“ wurden dem Publikum wenige klassische Techniken des Ballett gezeigt. Stattdessen wurden handlungsfrei Emotionen abgebildet. Das kam beim Premierenpublikum sehr gut an.

Wie androgyne Wesen aus einer fremden Welt bewegen sich die jeweils sechs  Tänzerinnen und Tänzer in Antoine Jullys neuer Kreation „Men and Women“ auf der Bühne des „Großen Hauses“ im Oldenburgischen Staatstheater. Die Kostümbildnerin Judith Adam hat ihnen Gewänder auf den Leib geschneidert, die wie Ranken über ihre Oberkörper wuchern und das Muskelspiel hervorheben.

Jully lässt das Ballettensemble, mal solo mal als Gruppe, verschiedene Stadien von Beziehungen tänzerisch darstellen: erste Begegnungen, Liebe und Zuneigung, Leidenschaft, Spaß, Wut und Trauer. Auch das Loslassen und die Entscheidung gegen den Anderen werden thematisiert.

Getanzte Gefühle und Beziehungen

Auf dramatische Weise verdeutlichen und verstärken die Musikerinnen und Musiker des Oldenburgischen Staatsorchesters, unter der Leitung von Carlos Vázquez, die Darbietungen. Sie spielen Allan Pettersson sechste Sinfonie (komponiert von 1963 bis  1966 in einer schweren Zeit der Krankheit und Depression). Die musikalische Bandbreite reicht von zarten Tönen bis zu disharmonischen Einlagen. In solchen Momenten wird dem Publikum einiges abverlangt, aber es kommt der Inszenierung zu Gute.

In „Men and Women“ arbeitet Jully mit wenigen ballettypischen Bewegungsabläufen beziehungsweise Techniken. In der Choreographie sieht man verschiedene Gruppenszenen, Pas de Deux und Trios, wobei die Soli einzelner Tänzerinnen und Tänzer den Gruppenchoreografien einen Bruch hinzufügen.

Eine Liebeserklärung an den Körper

Das Stück ist eine Liebeserklärung an den Körper und wie er sich im Extemen bewegen kann. Da scheinen die  Tanzenden plötzlich in der Bewegung einzufrieren, wechseln im rasanten Wechsel zwischen schnellen und langsamen Bewegungen oder agieren wie willenlose Puppen.

Für das Bühnenbild hat der Choreograph mit der Oldenburger Malerin und Goldschmiedemeisterin Alexandra Telgmann kooperiert. Die Künstlerin stellt neben Schmuckkollektionen auch Ölgemälde, Aquarelle und eine Postkartenserie her. In dieser beschäftigte sie sich bereits mit menschlichen Beziehungskonstellationen.

Bühnenbild und Ballettcompagnie harmonieren miteinander

In dem Stück  „Men and Women“ wurden Zeichnungen von Telgmann auf große Leinwände übertragen, die im gesamten Bühnenraum hängen. Sie zeigen den Kreislauf des Miteinanders und Koexistierens.

Die nächsten Vorstellungen sind am 29. März, 5. und 12. April sowie am 8. und 31. Mai, jeweils um 19.30 Uhr.

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