Bloß nicht fallen lassen: Das Gemälde „Die Klage Bremens“ von Franz Radziwill wurde gestern von mit „Samthandschuhen“ an die Wand der Kunsthalle gebracht. Foto: Schlie Bloß nicht fallen lassen: Das Gemälde „Die Klage Bremens“ von Franz Radziwill wurde gestern von mit „Samthandschuhen“ an die Wand der Kunsthalle gebracht. Foto: Schlie
Neue Ausstellung

Radziwill malte die Hansestadt in Schutt und Asche

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Neue Ausstellung in der Kunsthalle mit Werken von Franz Radziwill eröffnet in der nächsten Woche. Von Krieg, Zerstörung und oft auch Hoffnungslosigkeit zeugen die Arbeiten des in Bremen aufgewachsenen Malers.

157 Zentimeter. Auf dieser Höhe befindet sich der Mittelpunkt aller Gemälde der neuen Ausstellung „Franz Radziwill und Bremen“ in der Kunsthalle. Gestern wurde das Werk „Die Klage Bremens“ mit Hilfe genauester Messtechnik an die neu gestrichene Wand gebracht.

Eingewickelt in Tyvek-Flies, einem leichten, textilartigen Verpackungsmaterial, und eingeschlossen in eine Holzkiste wurde das Bild aus dem Bremer Rathauses via LKW in das Museum verfrachtet. Dort ist es ab dem 22. März als eines der Hauptwerke der Ausstellung über den Bremer Künstler zu betrachten.

„Die Klage Bremens“ ist eines der Hauptwerke

„Die Klage Bremens“ wurde 1978 auf Anraten des ehemaligen Kunsthallen-Direktors Günter Busch vom damaligen Bürgermeister Hans Koschnick für das Rathaus vom Künstler selbst gekauft – als ständige Erinnerung daran, „wohin Krieg und Gewaltherrschaft führen“, so Koschnik. Das sonst im zweiten Stock des Rathauses aufgehängte Bild wird dort während der Ausstellung durch eine aufwändig angefertigte Reproduktion, eine Fotografie, ersetzt.

Franz Radziwill (1895 bis 1983) gilt in der deutschen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts als Einzelgänger. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Bremen – Andeutungen darauf sind in seinem gesamten Werk zu finden. In der neuen Werkschau soll diese Beziehung erstmals deutlich gemacht werden.

Viele Verweise auf die Hansestadt

So ist auf dem 1,18 mal 1,69 Meter großen Bild von 1946 beispielsweise ein Bunker zu sehen. „Darin habe ich den großen Luftangriff auf Bremen zusammen mit meiner Mutter überlebt“, erklärte der Künstler vor Jahren. Verweise auf die gelb-grünen Fliesen, die auch im Eingangsbereich des Rathauses liegen, die nur schwer zu entdeckenden Türme des Doms und viele weitere Anspielungen auf die Hansestadt lassen sich auf dem Gemälde finden.

Noch sind viele Bilder in Klimakisten

Den zirka 50 Bildern der Ausstellung – die alle aus dem norddeutschen Raum stammen – stellt Kuratorin Dr. Tessa Alex Fotoaufnahmen des zu 60 Prozent zerstörten Bremens zur Seite: „Als Vergleich“. Noch sind nicht alle Bilder ausgepackt. Viele befinden sich derzeit in sogenannten Klimakisten. In denen müssen sie sich 24 Stunden in den Ausstellungsräumen akklimatisieren, bevor sie herausgeholt und aufgehängt werden dürfen.

Mehr Informationen zu der Ausstellung gibt es unter kunsthalle-bremen.de

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