Der Müll säumt gerade die Dirschauer und Bromberger Straße in Gröpelingen. Foto: Schlie Der Müll säumt gerade die Dirschauer und Bromberger Straße in Gröpelingen. Foto: Schlie
Wilder Müll

Es stinkt an der Gröpelinger Abfall-Allee

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Die Anwohner des Gröpelinger Straßenzugs haben die Nase voll – durchaus auch im Wortsinne. Seit zwei Wochen türmt sich stinkender Müll vor ihren Haustüren. Das lockt die Ratten an, die dort oft genug verenden.

An der Ecke Dirschauer Straße/Seewenjestraße beginnt das Spalier aus blauen Müllbeuteln, gel­ben Säcken und vollgestopften Kartons. Mehr als 20 Säcke liegen auf dem ersten Haufen an der Kreuzung. Dazwischen ein Fax­gerät, Batterien und auch loser Hausmüll, dessen Geruch Passanten sofort in die Nase steigt.

„Da liegt auch irgendwo eine tote Ratte“, berichtet Anwohnerin Andrea Busch, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Ein Polizist habe den Kadaver kürzlich zumindest in einen der Müllsäcke verfrachtet.

Mieter zahlen zusätzliche Müllabfuhren

Vermutlich hatte das Tier Rattengift gefressen, das die Hauseigentümerin Vonovia im Wohngebiet ausgelegt hat. Eine tote Drossel, die wohl zwischen den Müllsäcken gestorben ist, hat die Anwohnerin mit dem Handy fotografiert.

„Es sieht hier immer katastrophal aus“, erzählt die 36-Jährige. Die Vonovia hat deshalb bereits regelmäßige Sonderabholungen organisiert – zu Lasten der Mieter, die deshalb höhere Nebenkostenabschläge zahlen müssen.

Vonovia verdächtigt Mülltouristen

Seit zwei Wochen sei aber niemand mehr gekommen, der den Müll wegholt. „Dabei zahlen wir doch dafür“, sagt Busch. Doch die Müllberge wachsen weiter. Sogar mit dem Auto werde der Unrat manchmal angekarrt, berichtet die Mieterin, die nur spekulieren kann, woher die Säcke und Kartons kommen.

Unter anderem einen toten Vogel hat eine Anwohnerin schon zwischen dem Müll gefunden. Foto: pv

Ein toter Vogel zwischen den Müllsäcken. Foto: pv

Vonovia-Sprecher Max Niklas Gille geht davon aus, dass Mülltouristen für den Missstand verantwortlich sind. „Über jeden Hinweis von Seiten der Mieter sind wir dankbar“, sagt er. Das Unternehmen habe bereits einen Papiersammler eingestellt und regelmäßige Abholungen für den wilden Müll eingeführt. „Das Problem betrifft nicht nur unseren Bestand. Auch öffentliche Flächen sind betroffen. Hier haben wir wenig Handlungsspielraum“, so Gille.

Fast an jedem Baum liegen Säcke

Entlang der Dirschauer Straße finden sich noch weitere Müllberge. „Alle paar Tage sieht das hier so aus“, ruft eine Passantin herüber. „Wie auf einer Mülldeponie“, sagt ein junger Mann kopfschüttelnd. An der Bromberger Straße häufen sich ebenfalls mehrere Müllberge, Fast an jedem zweiten Baum liegen die Säcke.

Verantwortlich für die Entsorgung sei die Vonovia und nicht die Stadt, sagt Jens Tittmann, Sprecher des Umweltressorts. Grundsätzlich habe die Behörde mit dem Unternehmen positive Erfahrungen gemacht, wenn es darum ging, gemeldete Müllberge zu entsorgen.

Gröpelingen gilt als Problembezirk

„Wir haben aber immer wieder das Problem, dass sich Bürger nach Feierabend bei uns melden. Wenn wir dann am nächsten Tag den zuständigen Eigentümer informieren und der noch einen Entsorger beauftragen muss, können zwischen Beschwerde und Abholung schon einmal drei bis vier Tage liegen“, erklärt er. Erst wenn der Veranwortliche seiner Pflicht nicht nachkommt, habe die Stadt die Möglichkeit, auch ein Bußgeld zu verhängen.

„Es gibt mehrere Problembezirke in der Stadt“, sagt Tittmann. Gröpelingen sei einer davon. Mit Infoblättern in sieben Sprachen habe die Stadt bereits versucht, den Anwohnern das Prinzip der Bremer Entsorgung zu erklären.

Gerade Menschen aus südlichen Ländern seien es aber zum Teil von zu Hause gewohnt, dass sie ihren Müll an die Straße stellen. „Wir haben bei uns einen extrem hohen Standard und wollen den auch halten“, sagt er. „Aber es braucht ein bisschen Zeit.“ Man arbeite an einer Lösung, heißt es auch bei Vonovia.

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