Schiffe am Containerterminal Bremerhaven. Zwischen Bremer und chinesischen Häfen gibt es Linienverkehr. Vor allem Autos und Container werden umgesetzt. Wirtschaft Handel Schiffe am Containerterminal Bremerhaven. Zwischen Bremer und chinesischen Häfen gibt es Linienverkehr. Vor allem Autos und Container werden umgesetzt. Foto: BLG
Wirtschaftsbeziehung

Freier Handel: Wieviel Asien steckt in Bremen?

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Aktuell ist freier Handel zwischen EU und Indien sowie China im Gespräch. Die Handelskammer begrüßt das: 500 Bremer Unternehmen sind in China aktiv, 125 in Indien. Was könnte ein Abkommen für sie und andere bedeuten?

Die umstrittenen Freihandelsabkommen TTIP und CETA bekommen seit Jahren viel Medieninteresse. Doch auch abseits der Abkommen zwischen Industrienationen gibt es Bestrebungen, freien Handel zu stärken.

Wirtschaftsbeziehung zu Indien und China im Gespräch

Bürgermeister Dr. Carsten Sieling, hat vergangenen Freitag den Generalkonsul der Republik Indien, Madan Lal Raigar, zum Antrittsbesuch in Bremen begrüßt – und über den Austausch in Wissenschaft und Wirtschaft gesprochen.

Sieling folgte damit im Kleinen dem Beispiel der Bundesregierung. Die hatte eine Woche zuvor sowohl mit dem indischen Premierminister Narendra Modi, als auch mit dem chinesischen Ministerpräsident Li Keqiang die gegenseitigen Handelsbeziehungen angesprochen.

Bremer Handelskammer plädiert für freien Handel

In Bremen werden solche Verhandlungen mit großem Interesse verfolgt: Mehr als 500 Bremer Unternehmen sind in China aktiv, 200 betreiben eine eigene Tochtergesellschaft im Reich der Mitte.

Immerhin 125 Bremer Unternehmen handeln regelmäßig mit Indien – 35 davon sind dort mit einer eigenen Niederlassung vertreten. „Wir stehen Freihandelsabkommen sehr positiv gegenüber“, erklärt Torsten Grünewald von der Asienabteilung der Bremer Handelskammer.

Linienverbindung zwischen Bremen und China

Indien und China seien aufgrund ihrer Größe, aber auch wegen der verfügbaren Waren sehr interessante Märkte für Bremer Unternehmen. China ist nach der EU und Amerika Bremens drittgrößter Handelspartner. Ein Kernbereich der bremisch-chinesischen Zusammenarbeit liege im (See-)Handel und in der Logistik – zwischen den großen Häfen Chinas und Bremens verkehren Liniendienste.

„Wir haben aber auch Anknüpfungspunkte im Bereich Mobilität, Umwelt- und Medizintechnik, sowie bei Schiffszulieferern“, so Grünewald. 2,1 Milliarden Euro des bremischen Handelsvolumens (gesamt etwa 30 Milliarden) wurden 2015 in China umgesetzt.

Nach einem Einbruch nach der Wirtschaftskrise 2008/09 hatte sich der Handel mit China recht gut erholt – allerdings sanken vor allem die Exporte nach 2012 wieder etwas, da die chinesische Regierung in dieser Zeit versuchte, im eigenen Land die Nachfrage nach chinesischen Produkten zu stärken. 

Vor Indiens Markt stehen bürokratische Hürden

Auf dem indischen Markt tun sich Unternehmen etwas schwerer: Waren im Wert von etwa 131,8 Millionen Euro wurden 2016 aus Indien nach Bremen importiert, etwa 92 Millionen Euro an Waren ausgeführt. „Der Handel dort ist nicht immer ganz einfach – es gibt einfach sehr, sehr viele bürokratische Hürden“, so Grünewald.

Ein Freihandelsabkommen könnte nicht nur dabei helfen, Zollgebühren zu umgehen, sondern auch, die Organisation dieses Handels zu erleichtern – etwa durch gemeinsame Standards bei der Prüfung von Waren.

Interessant könnte das Geschäft mit dem Subkontinent besonders im Bereich des Maschinenbaus und der Umwelttechnologie sein. „Allerdings ist der indische Binnenmarkt stark. Man ist dort nicht ganz so stark auf ausländische Firmen angewiesen wie etwa in China“, schränkt Grünewald ein.

Beispiel Airbus: Erleichterte Kooperation

Subhash Chopra aus dem Vorstand der Deutsch-Indischen Gesellschaft Bremen fällt dennoch sofort ein Unternehmen ein, das profitieren könnte: Airbus – schließlich habe Indien großes Interesse an Flugzeugen aus Deutschland.

„Erst kürzlich wurde ich von Airbus angesprochen. Sie brauchten eine bestimmte technische Lösung aus Indien“, erzählt Chopra. Solche Geschäfte, so glaubt er, könnten durch ein Freihandelsabkommen erleichtert werden.

Abkommen mit China schwieriger

Bis zu einem möglichen Abkommen ist es immer ein weiter Weg. Doch während der Handel mit Indien aktuell schwerer zu realisieren ist, stehen vor einem Vertrag weniger Hindernisse als im Fall Chinas. Die EU müsste der Volksrepublik erst den Status als Marktwirtschaft zubilligen. Der Schutz des geistigen Eigentums ist eine weitere Hürde.

Und ob die Bremer Stahlindustrie tatsächlich Vorteile hätte, wenn die EU keine Strafzölle mehr auf chinesische Stahlerzeugnisse erheben würde, bleibt dahingestellt. „Wir begrüßen die Gespräche – aber für sehr wahrscheinlich halte ich ein Abkommen mit China vorerst nicht“, so Grünewald.

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