Susanne von Essen will das Bewusstsein der Bürger schärfen. Die Woche der Mobilität soll dazu mit unterschiedlichen Aktionen beitragen. Foto: Schlie Susanne von Essen will das Bewusstsein der Bürger schärfen. Die Woche der Mobilität soll dazu mit unterschiedlichen Aktionen beitragen. Foto: Schlie
Interview

Von Essen fordert Gleichberechtigung im Verkehr

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City-Maut und Fahrverbote lehnt Susanne von Essen, Co-Chefin des Vereins Autofreier StadTraum, ab. Sie fordert die Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer.

Weser Report: Frau von Essen, an diesem Sonntag sind Bremens Hochstraßen für Autos gesperrt, nur Fahrrad fahren ist erlaubt. Ein Modell für die Zukunft?

Susanne von Essen: Nein, wir wollen die Autos nicht aus der Stadt verbannen. Wir fordern allerdings Gleichberechtigung für alle: für Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger. Bisher ist es ja oft so: Wer sein Auto entladen will, fährt auf den Radweg und parkt dort, der Radfahrer weicht dann auf den Fußweg aus, und der Fußgänger muss sehen, wo er gehen kann.

Oslo will von 2019 an die Privat-Pkws aus der City verbannen, London erhebt eine City-Maut. Was muss Bremen tun?

Das sind keine Lösungen für Bremen. Bremen ist schon eine fahrradfreundliche Stadt. Aber jeder Autofahrer sollte sich immer wieder bewusst machen, dass es auch Radfahrer und Fußgänger gibt. Das gilt umgekehrt für Radfahrer und Fußgänger auch.

Wie lässt sich die Bewusstwerdung fördern?

Jeder sollte öfter mal die Perspektive wechseln. Autofahrer sollten beispielsweise ihren Weg zu Arbeit mal mit dem Rad oder zu Fuß erkunden. Am 22. September bieten wir einen Lärmspaziergang durch die Stadt an. Der soll neue Perspektiven eröffnen. Vorher, am 15. September, ruft der Verkehrsclub Deutschland zum Parking-Day auf. Die Bürger sollen ein Ticket für eine Parkplatz lösen, dort aber nicht ihr Auto abstellen, sondern was anderes machen, etwa Yoga. Auch solch eine Aktion kann das Bewusstsein für andere schärfen.

Haben die Jüngeren nicht schon ein anderes Verhältnis zum Auto: statt mit dem eigenen Wagen zu fahren, nutzen sie zunehmend Car-Sharing?

Das Auto ist nach wie vor ein Statussymbol, auch wenn Car-Sharing im Trend liegt….

…das Fahrrad ist für manche aber auch ein Statussymbol.

Ja, das stimmt. Der Trend geht ja schon zum Zweit- und Drittrad. Umso wichtiger ist es, sich bewusst zu machen, dass es auch andere Verkehrsteilnehmer und Verkehrsmittel gibt und die Perspektive zu wechseln.

Zur Person: Als Co-Vorsitzende des Vereins StadTraum engagiert sich Susanne von Essen in der Stadtentwicklung und der Verkehrspolitik Bremens. Zudem ist sie künstlerische Leiterin der Breminale. Von Essen stammt aus dem Ammerland, hat in Berlin Europäische Ethnologie studiert und lebt seit 2003 in Bremen.

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