Foto: Beinke Im Protest-Fundus von Campact findet sich Material aus mehreren Jahren Straßenprotest. Svenja Koch packt seit einem Jahr als Pressesprecherin mit an. Foto: Beinke
Protest

Campact: Mit wenigen Klicks zum Massenprotest

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Von der ersten Idee bis zum fertigen Protest werden in der Artilleriestraße Kampagnen im großen Stil geplant. Unterstützt wird Campact dabei durch hunderttausende Aktivisten und Spenden von rund 8,9 Millionen Euro.

Mit Online-Petitionen gegen die Handelsabekommen TTIP oder CETA hat sich Campact einen Namen gemacht. Mit 1,9 Millionen Aktivisten und Förderern ist der Verein aus Verden einer der größten Anbieter, wenn es um politischen Protest im Netz geht.

Von „Plastik im Meer“ bis „Gen-Mais“ setzen sich der Verein und seine Sympathisanten für alles ein, was durch eine Petition eine Chance auf Veränderung hat. „Wir nehmen nur Themen, die Aufregung bringen, und alles was machbar erscheint. Über Syrien machen wir zum Beispiel nichts, weil die Thematik schwer umzusetzen scheint“, sagt Campactsprecherin Svenja Koch.

„Es sind meistens unsere Bündnispartner wie Amnesty International, mit denen wir an neuen Ideen für Kampagnen arbeiten. Wir sind dann diejenigen, die Kampagnen großmachen“, erklärt Mitarbeiterin Linda Neddermann.

Geplanter Protest für 1,9 Millionen Unterstützer

Im ersten Schritt einer neuen Kampagne schicken die inhaltlich verantwortlichen Planer einen Newsletter an einige tausend politisch Interessierte. Findet die E-Mail mindestens eine Resonanz bei fünf Prozent der Testgruppe, wird das neue Thema an 200.000 bis 300.000 Menschen verschickt.

„Erst dann gehen wir mit der Kampagne über den Gesamtverteiler von 1,9 Millionen“, erklärt Koch. Kommen im letzten Schritt genug Unterschriften zusammen, drucken die Mitarbeiter von Campact diese aus und übergeben sie persönlich an Politiker, Vertreter von Instutitionen oder Unternehmen.

Campact hat sich dabei längst nicht mehr nur auf Online-Partizipation festgelegt. „Man muss seine Überzeugung auch auf die Straße tragen, das ist uns wichtig“, erklärt Koch. Eine Lagerhalle, die sich der Verein vor einigen Jahren dazu gekauft hat, enthält Material für Straßenproteste.

8,9 Millionen Euro Spendengelder 

Neben Plakaten und Bannern liegen übergroße Köpfe von Sigmar Gabriel (SPD) und Angela Merkel (CDU) nebeneinander, aber auch Sumoringer-Konstüme, die symbolisch angezogen werden, wenn mächtige Politiker mal wieder um Entscheidungen ringen.

Organisatoren, Verantwortliche für Kampagnen und technische Unterstützer realisieren den Protest. Auf 55 Mitarbeiter ist der Verein inzwischen angewachsen, der sich 2004 gegründet hat. In externen Agenturen, arbeiten Grafiker Campact mit Material für neue Kampagnen zu.

Außerdem beschäftigt der Verein professionelle Demonstranten, die vor Ort zum Beispiel kostümiert und auf Stelzen den Protestzug begleiten. 8,9 Millionen Euro hat Campact vergangenes Jahr alleine über Spenden eingenommen. Das meiste Geld soll laut Campact in die Kampagnen fließen. Mit 4,3 Millionen Euro werden das Personal und die Sachkosten für Kampagnen bezahlt.

Überstunden für Proteste-Planer

Doch wenn Kampagnen-Planerin Neddermann darüber nachdenkt, welches Thema für die 1,9 Millionen Anhänger von Campact spannend sein könnte, ist ihr das Geld nebensächlich. „Ich mache den Job und bin total happy damit, weil ich Politik mache und nicht in einer Partei sein muss“, sagt sie.

Die Bremerin steigt auch schon mal um 4.30 Uhr morgens ins Auto, um dann später am Tag eine Demonstration „gegen Angela Merkels Diesel-Politik“ in Berlin zu organisieren.

„Alle, die bei Campact arbeiten, haben diesen Spirit. Auch wenn ich heute früh aufgestanden bin und Überstunden gemacht habe – ich mache das ohne mit der Wimper zu zucken“, sagt Neddermann.

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