Zehn Tage lang haben die Frauen aus Syrien Fahrrad fahren gelernt und erste Touren im Stadtteil unternommen – Bestandteil war auch, das Kennenlernen der Verkehrszeichen.Foto: Harm Zehn Tage lang haben die Frauen aus Syrien Fahrrad fahren gelernt und erste Touren im Stadtteil unternommen – Bestandteil war auch, das Kennenlernen der Verkehrszeichen. Foto: Harm
ADFC-Kurs

Frauen aus Syrien lernen in Lüssum Fahrrad fahren

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Was Kinder in Deutschland schon in jungen Jahren lernen, ist nicht überall auf der Welt selbstverständlich: Radfahren gehört in Deutschland zum Alltag. Zehn geflüchtete Frauen haben nun Radfahren gelernt.

„Ich bin begeistert wie schnell die Frauen auf die Räder gekommen sind“, sagt Gertrud Schumpp. Gemeinsam mit Elisabeth Müntefering hat sie die zehn Teilnehmerinnen zehn Tage lang auf dem Gelände des Hauses der Familie Lüssum trainiert.

Sie wurde in einer Schulung des ADFC auf die Arbeit als Trainer vorbereitet. Der Verein bietet die Kurse in ganz Bremen an.

Die Teilnehmerinnen haben die ersten Tage auf Laufrädern mit Handbremsen geübt. So wird schon mal das Abstand halten und bremsen erprobt Nach wenigen Tagen sattelten die Frauen dann auf Fahrräder um.

Bedarf für weiteren Kurs ist vorhanden

Der ADFC, der den Kurs durchführt, hat für Fahranfänger spezielle Exemplare: Sie haben kleine Reifen mit einer Größe von 20 Zoll. „Das hat den Vorteil, dass sich alles nah am Boden abspielt und die Angst minimiert wird“, sagt Schumpp.

Das zehntägige Angebot kostet inklusive Material und Trainern 1.500 Euro. Der Kurs in Lüssum ist auf Anfrage des Hauses der Familie zustande gekommen und konnte dank einer Spende des Rotary Clubs Bremen-Neuenlande finanziert werden. „Der Bedarf ist so groß, dass wir im kommenden Jahr gerne einen weiteren Kurs anbieten würden“, sagt Ilka Krüner-Reuß, Leiterin des Haus der Familie Lüssum.

„Die ersten Tage auf dem Roller waren schwierig. Es sind ungewohnte Bewegungen“, sagt Teilnehmerin Rozalin Shekh Mossa. Genau wie die anderen neun Frauen kommt auch sie aus Syrien. Dort würden Frauen nicht auf die Räder steigen. „Das machen in Syrien eher die Männer, aber Radfahren ist dort nicht so verbreitet wie hier in Deutschland“, erzählt sie.

Fahrrad fahren bedeutet auch Integration

„Man ist hier ja schon beeinträchtigt, wenn man kein Rad fährt. Sei es der Weg zum Einkaufen oder zum Arzt, der jetzt kürzer wird. Es ist auch ein Stück Integration, wenn man Rad fahren kann“, sagt Ilka Krüner-Reuß.

Die Teilnehmerinnen waren sich zum Kursende in dieser Woche einig: Es ist ein gutes Gefühl Fahrrad fahren zu können. „Allerdings fehlen ihnen noch die passenden Gefährte für zu Hause“, sagt Krüner-Reuß. Wer noch gebrauchte, aber funktionstüchtige Damenfahrräder zu Hause hat, kann diese beim Haus der Familie abgeben und spenden. Kleine Defekte können in der dort ansässigen Werkstatt behoben werden.

„In zwei Wochen kann man nicht aufholen, was unsereins von Klein auf gelernt hat“, sagt Markus Hübner vom ADFC. Dem sind sich auch die Teilnehmerinnen bewusst. „Es macht Spaß und ich werde noch weiter üben“, sagt Rozalin Shekh Mossa.

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