Mit einer Feierstunde im Rathaus wurde Dr. Johann Böhmann am Mittwoch als Chefarzt der Kinderklinik des Josef-Hospitals Delmenhorst (JHD) verabschiedet. Zu dem Empfang hatte Oberbürgermeister Axel Jahnz eingeladen.Foto: gri Mit einer Feierstunde im Rathaus wurde Dr. Johann Böhmann am Mittwoch als Chefarzt der Kinderklinik des Josef-Hospitals Delmenhorst (JHD) verabschiedet. Zu dem Empfang hatte Oberbürgermeister Axel Jahnz eingeladen.Foto: gri
Dr. Johann Böhmann

Interview mit einem Delmenhorster Netzwerker

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Mit einer Feierstunde im Rathaus und einer im Krankenhaus wurde Dr. Johann Böhmann als Chefarzt der Kinderklinik des Josef-Hospitals Delmenhorst (JHD) verabschiedet. Wir sprachen mit ihm über seine Verdienste.

Delme Report: Können Sie sich an Ihre Anfänge in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin vor 33 Jahren erinnern?

Johann Böhmann: Als ich die Kinderklinik übernommen habe, lag hier einiges im Argen. Mein Vorgänger kam nicht sehr gut mit den niedergelassenen Kinderärzten in Delmenhorst aus. Aber das war auch eine Chance für mich. Ich habe zusammen mit meinem Team die Frühchenbetreuung aufgebaut, so dass die Frauen diese Kinder nun auch in Delmenhorst zur Welt bringen konnten. Mein Vorteil war von Anfang an, dass ich während meines Studiums breit ausgebildet wurde. Nach zwei Jahren am Krankenhaus wollte ich noch mehr modernes Kliniksmanagement umsetzen, habe aber wenig Unterstützung von Seiten der Geschäftsleitung bekommen.

Wie haben Sie darauf reagiert?

Aus Frust habe ich deshalb den Verein „Gesundheit im Kindesalter, kurz GiK, gegründet. Anfangs ging es vor allem um Action, etwa bei den Segeltörns, später kamen seriöse Fragestellungen mit einer wissenschaftlichen Ausrichtung hinzu. Aus GiK ging 2009 das Delmenhorster Institut für Gesundheitsförderung hervor. Hierbei handelt es sich um eine wissenschaftliche Einrichtung. Wir waren und sind unter anderem sehr erfolgreich beim Thema Allergien und in der Unfallprävention. Bis heute ist Delmenhorst die einzige Stadt in Deutschland, die sich Safe Community nennen darf. Und an diese Auszeichung knüpft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hohe Anforderungen.

Wie schafft man es, so etwas als Kinderarzt aufzubauen?

Ich bin mein Leben lang ein begeisterter Netzwerker gewesen, kann andere mitreißen, aber unterstützte sie im Gegenzug ebenfalls. Das zahlt sich im Leben immer aus.

Setzen Sie auch als Chef der Kinderklinik auf Teamwork?

Ja. Wir sind ein Kleinbetrieb mit 45 Personen und arbeiten hervorragend zusammen. Mein Nachfolger, Dr. med. Matthias Viemann, übernimmt eine sehr gut aufgestellte Klinik. Auch im Mutter-Kind-Zentrum läuft es super. Außerdem sind wir ein Werbeträger für das Krankenhaus. Das ist bei Kinderkliniken meistens so, sie sind Sympathieträger. Aber, obwohl wir effektiv arbeiten, musste ich beispielsweise sehr darum kämpfen, zumindest eine Teilzeitstelle für eine Kinderpsychologin schaffen zu können. Dabei ist es heute eigentlich bekannt, dass viele Kinder mit Kopf- oder Bauchschmerzen zu uns kommen, deren Ursache innere Konflikte sind.

Was hat Sie in den zurückliegenden 33 Jahren in Delmenhorst am meisten gefreut?

Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass Delmenhorst in diesem Jahr als Safe Community rezertifiziert wird. Und ich habe mich sehr darüber gefreut, als die Kinderklinik und die Frauenklinik zusammengelegt wurden und daraus ein Mutter-Kind-Zentrum geworden ist. Diese Zusammenlegung war vor zwei Jahren der Anlass mein Berufsleben zu verlängern.

Bei allem Lob, gibt es auch Kritik?

Geärgert habe ich mich über den diletantischen Wechsel in der Geschäftsleitung seit dem Weggang von Peter Stremmel im Jahr 2014. Und es ist traurig, dass die an sich richtige Fusion der beiden Krankenhäuser so unseriös angegangen wurde. Die Leitung hat nicht erkannt, wie schwer diese Zusammenführung für die Mitarbeiter beider Häuser auf der emotionalen Ebene war. Wir von der Kinderklinik waren die einzigen, die die Kollegen vom katholischen Krankenhaus mit einer Kennenlern-Party willkommen geheißen haben.

Haben Sie Pläne für den Ruhestand?

In den nächsten drei bis fünf Jahren will ich mich voll auf meine wissenschaftlichen Projekte konzentrieren. Dafür nutzen wir ein Büro im Jute-Center. Aktuell bin ich mit 13 Projekten beschäftigt. Mein Terminkalender ist bis Ende des Jahres prall gefüllt. Bald geht es zu Sitzungen in Belgrad, Berlin, danach nach Zürich. Doch auch im Krankenhaus bin ich zukünftig noch anzutreffen, da ich mich in den nächsten Monaten um die Kinder mit Diabetes kümmere. Das bin ich meinen Patienten schuldig. Die Schreiambulanz und die Projekte für übergewichtige Kinder betreue ich ebenfalls weiterhin vom Krankenhaus aus.

Ich habe bei meiner Frage eher an Ihr Privatleben gedacht. Gibt es hier ebenfalls Pläne?

Ich hoffe, zukünftig auch mal privat segeln zu können. Und ich möchte mehr Musik machen. Außerdem ist mein Traum immer noch nicht vorbei, ein Jazzlokal zu eröffnen. Darüber hinaus habe ich mir das Ziel gesetzt, im nächsten Jahr beim Triathlon in Stuhr und Bremen besser abzuschneiden. Und ich möchte mit meiner Familie reisen.

Zur Person: Nach seinem Studium in Göttingen war Dr. Johann Böhmann zunächst an Krankenhäusern in Kassel und Bremen tätig, bevor er 1984 als Oberarzt an die Kinderklinik der damaligen Städtischen Kliniken Delmenhorst kam. 1992 stieg er zum Chefarzt der Kinderklinik auf, leitete sie also ein Vierteljahrhundert und prägte sie in dieser Zeit stark. Von 1998 bis 2003 war Dr. Böhmann außerdem Ärztlicher Direktor der Städtischen Kliniken. Er ist 67 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Kinder und drei Enkel. 

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