Jens Wunsch (l.) ist beim Umweltsenator Referent für Hochwasserrisikomanagement. Bresilient-Projektleiter Christof Voßeler beschäftigt sich im Ressort mit Klimaanpassungs-Strategien. Foto: Schlie
Klimawandel

Spielplatz als Überflutungsgebiet -Bremen wird nass

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Mit dem Forschungsprogramm „Bresilient“ wollen die Wissenschaftler herausfinden, was die Anpassung an den Klimawandel bringt. Projektleiter Christof Voßeler und Bereichsleiter Jens Wunsch über Bremens Brennpunkte.

Herr Voßeler, Herr Wunsch, wie wirkt sich der Klimawandel auf Bremen aus?

Voßeler: Die Durchschnittstemperatur wird in Bremen bis zum Ende des Jahrhunderts um drei bis vier Grad steigen, wenn sich die Entwicklung so fortsetzt wie bisher. Der neue Durchschnitt macht niemandem was aus. Aber die Verschiebung bedeutet auch mehr extreme Hitzeereignisse. Für ältere Leute kann das bedrohlich sein. Hauptsächlich sind wir in Bremen aber von den Veränderungen im Wasserregime betroffen.

Was heißt das?

Voßeler: Zum einen steigt der Meeresspiegel. Wenn eine Sturmflut die Weser hochdrückt, können sich Lesum, Ochtum und Wümme nicht natürlich in die Weser entwässern. Und wenn diese Flüsse voll bleiben, können auch die Fleete nicht abfließen. Dazu kommt dann noch, dass es häufigere, intensivere Starkregenereignisse geben wird.

Jens Wunsch: Der Grundwasserpegel ist dann so hoch, dass der Boden nichts mehr aufnehmen kann. Das Wasser fließt oberflächlich direkt ab – zu Trinkwasser wird es dann erst mal nicht mehr.

Voßeler: Die Wassermengen sind unter Umständen ein Problem in der Stadt. Sie passen nicht in die Kanäle, die kann man in der Stadt nicht endlos dimensionieren.

Was kann Bremen tun?

Voßeler: Zur Starkregenvorsorge können viele kleine Maßnahmen zusammen helfen. Als vor drei Jahren in der Münchener Straße in Findorff ohnehin der Kanal saniert werden musste, hat man die Chance genutzt und die Struktur so gestaltet, dass Wasser teilweise zurückgehalten wird. Die Baumbeete sind noch unter das Niveau des Parkstreifens abgesenkt. So ist ein Gefälle in Richtung der Baumbeete hergestellt, um das anfallende Oberflächenwasser in die Beete einzuleiten.

Sind die Zeiten der Bremer Souterrainwohnung passé?

Voßeler: Nein, viel kann man schon über persönliche Vorsorge erreichen. Vor allem Rückstauklappen gegen das Abwasser aus dem Kanal einbauen und sicherstellen, dass kein Wasser durchs Kellerfenster eindringen kann. Für Bremen existieren schon Karten, die zeigen, wo Überflutungsverdachtsstätten sind. Nicht an jeder Stelle ist eine Überschwemmung gleich schlimm. In Zukunft müssen Flächen vermehrt multifunktional geplant werden – ein Spielplatz wird dann topografisch einfach so angelegt, dass er bei Starkregen volllaufen und Wasser zeitweise schadlos zurückhalten kann.

Wie sieht es mit dem Meeresspiegel aus?

Voßeler: Der Meeresspiegel kann in der Nordsee nach Prognosen des Weltklimarates bis Ende des Jahrhunderts wohl zwischen 45 und 82 Zentimeter ansteigen. Inwiefern sich der Anstieg weiter beschleunigt, ist Gegenstand von Forschungsinitiativen.

Wunsch: Bremen hat zusammen mit Niedersachsen den Generalplan Küstenschutz aufgelegt. Die darin formulierten Ziele für die Ertüchtigung der Küstenschutzanlagen wie Deiche beinhalten bereits einen Klimazuschlag von 50 Zentimeter. Außerdem wird bei Baumaßnahmen bereits jetzt die Möglichkeit geschaffen, die Deiche später noch um weitere 75 Zentimeter erhöhen zu können.

Kann man sich in Bremen noch guten Gewissens ein Haus kaufen?

Wunsch: Ein klares Ja. 515.000 Menschen in Bremen und Bremerhaven sind potenziell von Hochwasser betroffen. Aber deshalb ist Bremen auch besonders gut vorbereitet. Was hat man hier immer schon gemacht? Deiche gebaut.

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