X1-Wölfe-mb-4sp. Foto: Bollmann Gerade Jungwölfe auf der Suche nach einem neuen Revier dürften in den kommenden Wochen auch in Borgfeld, Bremen-Nord oder dem Blockland vermehrt auftauchen. Foto: Bollmann
Tiergeschichten

Die Wölfe sind auf dem Weg nach Bremen

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Im Spätherbst beginnt für Wölfe die Zeit der Wanderschaft. Experten erwarten deshalb auch in Bremen in den kommenden Wochen deutlich mehr Sichtungen. Schließlich ist Meister Isegrim im direkten Umland bereits heimisch.

Nicht nur im Landkreis Cuxhaven sorgt das „Problemrudel“ mit einer ganzen Reihe von gerissenen Nutztieren für ordentlich Aufmerksamkeit. Auch in Osterholz-Scharmbeck ist der Wolf längst angekommen.

Zwar gibt es wohl noch kein festes Rudel und keinen bestätigten Nachwuchs, ein bis zwei Pärchen gebe es aber, berichtet Sönke Hofmann vom Bremer Nabu, der in Wulsbüttel auch die Dreptefarm unterhält.

Sichtbare Rumtreiber 

„Im Umland ist bei den Wölfen gegenwärtig viel Bewegung, die Tiere könnten uns aber aus allen Richtungen erreichen“, erklärt Annette Siegert vom Nabu, die in Bremen, gemeinsam mit zwei weiteren Ehrenamtlichen, wohl die neue Wolfsberaterin wird.

Gerade im Spätherbst verlassen nämlich die 2016 geborenen Jungtiere die Rudel auf der Suche nach eigenen Revieren: „Rumtreiber könnten jetzt schon sichtbar werden.“ „Die Anzahl der Sichtungen ist seit dem Frühjahr zwar nach unten gegangen, spätestens im Dezember kommt aber wieder ein Schub“, schätzt auch Marcus Henke von der Landesjägerschaft Bremen.

Bremen gut gerüstet

„Im Sommer hat man die hohe Vegetation und die Reviere sind wegen der Jungenaufzucht viel kleiner. Jetzt kommen mehr Jungwölfe“, weiß Henke. Das sieht auch der Bremer Umweltstaatsrat Ronny Meyer ganz ähnlich. „Die Wanderbewegungen fangen wieder an und man kann die Tiere – ohne Blätter an den Bäumen und gemähten Wiesen – viel besser sehen.“

Allerdings sieht er Bremen gut gerüstet: „Wir sind vorbereitet“, sagt Meyer. Demnächst wolle man die neuen Wolfsberater vorstellen und auch eine EU-konforme Verordnung für Entschädigungszahlen an Landwirte sei fast fertig.

Wanderungen bis zu 70 Kilometer 

Dabei orientiere man sich eng an Niedersachsen. Bis alles fertig ist, gelte: „Im bewiesenen Wolfsrissfall wird gezahlt.“ Das wird im Umland schon häufiger gezahlt, wo es mehrere Nutztierrisse gab. Danach wurden zuletzt am 17. September bei Verlüßmoor ein Rind, am 3. Oktober bei Hambergen ein Schaf sowie zwei Wochen später bei Hambergen ein weiteres Rind tot aufgefunden.

Der Gennachweis steht zwar noch aus, es ist aber wahrscheinlich, dass der Übeltäter in diesem Fall tatsächlich der Wolf war. Damit ist das Raubtier schon ganz nah an der Landesgrenze: „Schließlich legen die Tiere in der Nacht locker 30 bis 40 Kilometer zurück und bei Wanderungen sind auch 70 Kilometer kein Problem“, so Siegert.

Bei Sichtung: Abstand halten

Im Gegensatz zu den Nutztieren geht für die Menschen keine größere Gefahr vom Wolf aus, da sind sich Umweltschützer und Jäger einig. Allerdings: „Jungtiere sind neugieriger und unbedarfter“, erklärt Siegert.

„Die Geschichte, dass Wölfe scheu sind, ist Blödsinn“, geht Henke einen Schritt weiter, „die sind neugierig und sehr selbstbewusst.“ Er rät, bei Sichtungen einen möglichst großen Abstand zu wahren.

Das rät auch Meyer und verweist auf das Internet, wo unter bauumwelt.bremen.de eine Liste mit Verhaltensempfehlungen steht. Zudem sollte man Wolfssichtungen unter Telefon 361 66 60 der Naturschutzbehörde melden.

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