Das Papageienhaus (offiziell: Jakobushaus) diente lange als Unterkunft für Obdachlose. Jetzt könnten die Vereine Zucker und Zuckerwerk dort übergangsweise einziehen. Sie wollen Ateliers für Künstler und einen Club für Elektromusik auf die Beine stellen. Foto: Schlie Das Papageienhaus (offiziell: Jakobushaus) diente lange als Unterkunft für Obdachlose. Jetzt könnten die Vereine Zucker und Zuckerwerk dort übergangsweise einziehen. Foto: Schlie
Zwischennutzung

Papageienhaus: Kunst und Partys statt Leerstand

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Das Papageienhaus wird wohl bald vom „Zucker“-Netzwerk genutzt – zumindest zeitweise. Die Vereine wollen dort Ateliers und einen Club für Elektropartys schaffen. Langfristig hofft man auf den Bunker Hans-Böckler-Straße.

Die Hinweise verdichten sich: Der Künstlerverein Zuckerwerk und der zugehörige Veranstaltungsverein Zucker könnten in naher Zukunft ins Papageienhaus („Jakobushaus“) in der Bremer Bahnhofsvorstadt ziehen – zumindest auf Zeit.

Der Beirat Mitte votierte vergangene Woche einstimmig für diese Zwischennutzung, und auch der Senat hat bereits einen Beschluss zugunsten der Kulturschaffenden gefällt.

Ateliers bei Kellogg’s werden geräumt 

Momentan sind die Künstler des Zuckerwerks mit ihren Ateliers noch in Räumen auf dem ehemaligen Kellogg‘s Gelände untergebracht. Doch nun wird die Zeit knapp: zum Jahresende müssen sie heraus.

Klar ist schon jetzt: Nicht alle Künstler können mit umziehen – dafür bietet das Papageienhaus nicht genug Platz.

Zwar hat das Objekt an der Friedrich-Rauers-Straße auf acht Stockwerken eine Gesamtfläche von 3.900 Quadratmetern. Doch bestenfalls kann nur etwa die Hälfte davon genutzt werden.

Für Werkstätten gibt es keinen Raum

„Das hängt davon ab, wieviele Stockwerke wir mit vertretbaren Mitteln für die Zwischennutzung ausreichend sanieren können“, erklärt Oliver Hasemann von der Zwischenzeitzentrale (ZZZ).

Dazu kommt, dass die einzelnen Räume der ehemaligen Obdachlosenunterkunft mit je etwa 13 Quadratmetern sehr klein sind.

Für Werkstätten und großflächig arbeitende Künstler reicht das nicht aus. „Aber wir sind froh, wenn wenigstens nicht alle Künstler nauf der Straße stehen“, so Akifa Taxim vom Zuckerwerk.

Erdgeschoss wird zum Elektro – Club

Wenn die Künstler eingezogen sind, soll das Erdgeschoss übergangsweise zum Veranstaltungs- und Clubraum werden. Vor allem elektronische Partys sollen dort stattfinden.

Direkte Anwohner hat das Gebäude nicht. Bei der Sitzung des Beirats Mitte erinnerte Holger Igner (SPD) dennoch an die Menschen, die auf der anderen Seite des Breitenwegs leben.

Gegen den Lärm: Dämmen und Security

„Wir haben Erfahrung mit Partys – und Lärmklagen von Anwohnern sind das letzte was wir brauchen“, wiegelte ein „Zucker“-Sprecher die Lärmbedenken ab.

„Was genau wir tun können, wissen wir erst vor Ort. Aber im Zweifel heißt es: Fenster zu und dämmen, dämmen, dämmen.“ Außerdem könne man Sicherheitspersonal einsetzen, um die Partygäste auch draußen zur Raison zu rufen.

Not treibt Zuckerwerk ins Papageienhaus

Die große Liebe ist es nicht, die Zucker und Zuckerwerk ins Papageienhaus treibt. „Das Gebäude ist nicht charmant. Im Vergleich zu Kellogg’s ist es bedrückend. Aber wir haben Not“, so der Zuckerwerk-Sprecher.

Schließlich müssten die Geräte und Werkzeuge des Vereins untergebracht sein, wenn bei Kellogg‘s Schluss ist.

Nutzungsdauer steht noch nicht fest

Voraussichtlich parallel zur Nutzung durch das Zuckerwerk wird die Stadt in dem Gebäude eine Machbarkeitsstudie durchführen – man will sehen, wofür sich das Haus in Zukunft noch eignen könnte. Unter Umständen müssten die beiden „Zucker“-Vereine schon bald wieder ausziehen.

Das ständige Umziehen sind die Vereinsmitglieder einerseits satt – andererseits ist es für den Verein die einzige Möglichkeit, überhaupt unterzukommen.

Mittelfristig in den Hochbunker

Vor allem „Zucker e.V.“, der Partyteil des Netzwerks, hofft darauf, bald doch noch den Hochbunker an der Hans-Böckler-Straße erwerben zu können. Das Finanzierungskonzept für den Erwerb des Bunkers steht, doch mit den Behörden ist man sich noch nicht bis ins Letzte einig.

Ob auf kurz oder lang, der Beirat Mitte würde sich freuen, wenn die Kulturvereine kommen – und hat einstimmig für den Einzug gestimmt.

„Ihr könnt das Papageienhaus kulturell prägen und der Stadt dann wieder präsentieren. Ihr könnt das Ding füllen“, ist Beiratsmitglied Birgit Olbrich (SPD) sicher.

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