Musik, Theater, Lesungen und mehr: Diese brachliegende Fläche auf dem Gelände der Bremer Wollkämmerei soll im September für einige Tage zum Festivalgelände werden. Foto: av Musik, Theater, Lesungen und mehr: Diese brachliegende Fläche auf dem Gelände der Bremer Wollkämmerei soll im September für einige Tage zum Festivalgelände werden. Foto: av
Blumenthal

Die Pläne der Zwischenzeitzentrale

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Aus Leerstand etwas kreatives Schaffen - das ist das Konzept der Zwischenzeitzentrale. Auch für Blumenthal haben die Akteure Pläne: Im September kommt ein Festival und es gibt auch Ideen für das Rathaus.

„Leerstände sind spannend und attraktiv. Man kann etwas gestalten, was Neues starten.“ So positiv blickt bei Weitem nicht jeder auf leerstehende Immobilien Doch wenn man sich Zwischennutzung zur Aufgabe gemacht hat, ist Leerstand eine Voraussetzung – und eben etwas Spannendes. Und dann ist es auch nicht verwunderlich, dass Daniel Schnier von der Zwischenzeitzentrale (ZZZ) beim Thema Leerstand ins Schwärmen gerät und viele Ideen im Kopf hat.

Und das auch für Blumenthal. Den Stadtteil hat die ZZZ seit 2009 auf dem Radar. Angefangen hat es mit dem Dokumentarfilm „Leerlauf – entschleunigte Orte in Bremen“. „Wir hatten beim Dreh das Gefühl, dass Blumenthal einfach vergessen worden ist. Wir haben vor Ort aber festgestellt, dass der Stadtteil viel zu bieten hat“, sagt Schnier.

So folgte 2012 das Projekt „Palast der Produktion“ auf dem Gelände der Bremer Wollkämmerei (BWK). Vier Wochen lang bot das ehemalige Sortiergbäude für Künstler und andere Interessierte einen Ort zum Arbeiten, Vernetzen und Repräsentieren.

ZZZ will das Rathaus mieten

Und auch beim kommenden Projekt steht das BWK-Gelände im Mittelpunkt des Geschehens: Gemeinsam mit zwei Organisatorinnen vom einstigen Oldenburger Freifeld Festival, Katrin Windheuser und Katharina Wisotzki, steckt die ZZZ in den Planungen für ein Festival, das an vier Tagen im September über die Bühne gehen soll: Auf zwei Bühnen unter freiem Himmel und auf zwei Indoor-Flächen werden Musik, Theater, Lesungen, Modenschauen und mehr nach Blumenthal geholt. Wer will kann über Nacht bleiben und vor Ort campen.

Mit im Boot sitzen auch das Quartiersmanagement und das Ortsamt. Die brachliegende Fläche neben dem ehemaligen Sortiergebäude soll für das Festival genutzt werden. Und alle sollen mitgenommen werden. „Es wird keine teuren Tickets geben, alle Blumenthaler sollen die Chance haben, vorbeizukommen“, erklärt Schnier. Über ein Sozialticket-Kontingent werde dies sichergestellt. Es sei ein Testlauf, der mit Liebe und Leidenschaft von den beiden Frauen geplant werde.

Ein weiteres Projekt der ZZZ ist das Rathaus an der Landrat-Christians-Straße. Die Akteure haben großes Interesse, die Immobilie für eine Zwischennutzung zu aktivieren. Und damit sind sie nicht allein. Eine gemeinsame Umfrage der ZZZ und des Quartiers Blumenthal Anfang Dezember hat gezeigt, dass auch die Bürger das Gebäude reaktivieren wollen – und Ideen haben.

Hohe baurechtliche Auflagen

Die reichen von einem Indoor-Spielplatz über ein Kommunalkino bis zu einem Kulturzentrum für Konzerte, Lesungen und Theater. Letzteres kann sich auch die Zwischenzeitzentrale sehr gut vorstellen. Kontakte und Anfragen gebe es bereits.

„Unsere Telefone laufen heiß“, beschreibt Schnier die derzeitige Lage. Es gebe einen regen Austausch mit den Ressorts, mit Immobilien Bremen und dem Bauamt Bremen-Nord. „Es wird schwierig bei den baurechtlichen Fragen. Da gibt es viele Auflagen zum Beispiel durch den Denkmalschutz für das Gebäude“, sagt Schnier.

Leerstand für Zwischennutzung öffnen

Die Verhandlungen über die Rathaus-Immobilie laufen schon lange und werden wohl auch noch weiter andauern. Doch Schnier und seine Kollegen sind erfahren, was Zwischennutzung angeht. Er weiß: „Jede Zwischennutzung ist einzigartig, sehr prozesshaft und man braucht viel Geduld.“

Aus Schniers Sicht hat sich seit 2009 viel in Blumenthal getan. Der Stadtteil sei im Wandel. „Aus kleinen Dingen kann etwas Großes angestoßen werden“, ist er sich sicher. Deswegen hofft er, dass die Leerstände künftig häufiger geöffnet werden und Immobilienbesitzer den Mut haben, den Schritt zur Zwischennutzung zu gehen. Denn Ideen und Anfragen gibt es viele: Sie reichen von Raum für Ausstellungen und für Mini-Theater bis zu Büro-Gemeinschaften.

„Wir haben Kontakt zu Vereinen und Personen, aus den Bereichen Kunst und Kultur, die Zwischennutzung wollen. Darunter sind auch viele Anfragen aus Bremen-Nord“, sagt Schnier. Und er ergänzt, dass die Erfahrung der ZZZ zeigt, dass aus einer Zwischennutzung auch ein langfristiger Mieter werden kann.

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