Braucht es in der Grundschule wieder Schulnoten? Neben Bremen setzen auch Berlin, Niedersachsen und Hamburg auf Leistungsberichte. Foto: flickr.com
CDU gegen Die Linke

Pro und Contra: Zeugnisnoten für Grundschüler?

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Die CDU hält den Verzicht auf Schulnoten in Bremer Grundschulen für fraglich - und heizt eine Debatte über das Bewertungssystem von Leistung an. Wie lässt sich diese besser bemessen: Mit Noten oder mit Berichten?

Pro: Noten schärfen Leistungsgedanken

Thomas vom Bruch, Bildungspolitischer Sprecher der Bremer CDU-Fraktion. Foto: pv

Ziel von Schulzeugnissen muss es sein, die Leistungen der Kinder möglichst vergleichbar und verständlich zu bewerten. Angesichts der unstrittig verbesserungsbedürftigen Ergebnisse Bremens bei Bildungsvergleichen muss dies besondere Priorität haben.

Ob, wie in der Grundschule, dafür interpretationsanfällige Verbalgutachten allein ausreichen, darf bezweifelt werden.

Noten relativieren nicht, sie schärfen den Leistungsgedanken: Denn schwächere Noten sind eine deutliche, oft auch notwendige, Aufforderung vor allem an Eltern, das Lernverhalten ihrer Kinder zu reflektieren, das Gespräch zu suchen und Unterstützung zu organisieren.

Es handelt sich bei Schulnoten weder um ein Persönlichkeitsurteil noch um seelenlose Ziffern: sie resultieren aus einer pädagogischen Einschätzung. Genauso wie sie bei guten Leistungen motivieren und bestärken, zeigen sie Unterstützungsbedarf unmissverständlich auf.

Contra: Noten demotivieren und verunsichern 

Kristina Vogt, Bildungspolitsche Sprecherin Fraktion Die Linke Bremen. Foto: pv

Die neue Debatte um Schulnoten ist verwunderlich, denn die im Alltag verwendeten Lernentwicklungsberichte funktionieren. Unter Pädagoginnen und Pädagogen besteht Einigkeit darüber, dass Noten keinen gewünschten Effekt haben. Im Gegenteil, schlechte Noten wirken demotivierend und führen nicht dazu, dass Kinder sich mehr anstrengen.

Im schlimmsten Fall verursachen sie Ängste und Lernblockaden. Die Frage ist auch, wie heute Notengebung überhaupt möglich sein soll. In einer Klasse lernen nicht mehr 25 Kinder das gleiche. Es gibt jetzt 25 individuelle Lernstände und Lerntempos.

Bekommt das lernbehinderte Kind, das sich mühevoll zwei Buchstaben beigebracht hat, eine Sechs, weil die Klassenbeste flüssig lesen kann? Bekommen beide eine Eins? Was ist dann gerecht?

Pädagogische Rezepte aus dem 19. Jahrhundert helfen den heutigen Schulen nicht. Zum Glück sind die Bremer Schulen weiter als die CDU.

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