Eltern fürchten, dass in größeren Kitagruppen weniger Zeit für das einzelne Kind bleibt. Foto: av Neben mehr Personal für die Kitas fordert die Initiative #Kitnotstand auch einen zeitnahen Umbau vernachlässigter Räume und Außenbereiche zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Erzieherinnen und Erzieher. Foto: Schlie
Personalmangel

Kita-Notstand: Schnelle Hilfe nicht in Sicht

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Bremen hat Probleme seine kleinsten Bürger im Kita-Bereich zu versorgen: Krankheitsfälle bringen die ohnehin schon dünne Erzieher-Personaldecke zum einreissen. Protest erhebt sich. Doch es gibt auch einen Lichtblick.

Kinderlärm muss man aushalten. Zumindest wenn er von Spielplätzen, Kindergärten oder Schulhöfen kommt. Für Sitzungen der Bremischen Bürgerschaft gilt das nicht. Deshalb mussten rund 250 Eltern und Kinder, die als Besuchergruppe angemeldet waren und den Abgeordneten gestern einen Besuch abstatten wollten, erstmal draußen bleiben.

Es sei zu befürchten, dass die Kinder zu viel Lärm machen, lautete die Begründung. Immerhin 90 Gäste durften dann doch noch ins hohe Haus. Klaus Möhle (SPD) traf sich mit ihnen in einem Nebenraum.

Vor dem Parlamentsbesuch hatten die Eltern der Initiative #Kitanotstand Bremen den Marktplatz zum Spielplatz umfunktioniert. Damit wollten sie ihren Unmut über die ihrer Ansicht nach schlechten Bedingungen in vielen Bremer Kindertagesstätten zum Ausdruck bringen.

Auswirkungen auf die Arbeit

„Es fehlt an Personal, die Arbeitsbelastung ist zu hoch und in der Folge auch der Krankenstand“, beschreibt Sprecher Jörn Hüttmann das Problem. „Vertretungen, die einspringen könnten, gibt es bei Kita Bremen nur auf dem Papier“, ärgert er sich.

„Man kommt morgens in die Kita und wird von einer Erzieherin empfangen, die erklärt, dass es nur einen Notdienst gibt und einen bittet, ob man die Kinder nicht zu Hause betreuen kann“, sagt Christian Leonhardt, Vater eines Kindes aus der Kita Thedinghauser Straße.

Laura Kyle hat das Szenario allein im Jahr 2018 schon dreimal erlebt. Zwar habe sie einen verständnisvollen Chef, doch sei es für die Familie schwierig, weil sie die Stunden abends nacharbeiten müsse.

„Wir versuchen alles“

Wolfgang Bahlmann, Geschäftsführer von Kita Bremen, kann den Protest der Eltern gut verstehen. Nach seinen Angaben gibt es allein in den Einrichtungen des städtischen Eigenbetriebs 70 unbesetzte Stellen und außerdem einen hohen Krankenstand. Zehn bis 15 Häuser seien besonders betroffen.

Hoffnung, die Stellen schnell besetzen zu können, hat er nicht. „Wir versuchen alles“, verspricht er. Aktuell habe man Ruheständlerinnen angesprochen, ob sie nicht für ein Jahr in den Dienst zurückkehren würden.

Anforderungen für Erzieher runterschrauben?

„Der Markt ist leergefegt“, weiß auch Annette Kemp, Sprecherin von Bildungssenatorin Claudia Bogedan. Kemp verweist auf ein großes Maßnahmenpaket, das man auf den Weg gebracht habe, um mehr Erzieherinnen und Erzieher ausbilden zu können. Dazu zählen 100 zusätzliche schulische Ausbildungsplätze ab dem 1. August, mehr Plätze für Ausbildung in Teilzeit und weitere 50 Plätze für praxisintegrierte Ausbildung.

Außerdem denke man darüber nach, nach dem Vorbild der Schulhelfer Entlastungskräfte einzustellen, die den Erzieherinnen beispielsweise Bürotätigkeiten abnehmen könnten. Ein weiterer Ansatzpunkt sei, ein Programm für die Ausbildung von sozialpädagogischen Assistentinnen aufzulegen. „Das würde eine niedrigschwelligere Ausbildung ermöglichen“, so Kemp.

Wolfgang Bahlmann begrüßt die Initiativen der Behörde. „Aber die Maßnahmen greifen erst mittelfristig“, gibt er zu bedenken. Man sei mit den Eltern im Gespräch. „Alles, was hilft, machen wir in den Häusern möglich.“ Eines möchte er aber auf keinen Fall: „Ich halte nichts davon, auf Leute ohne pädagogische Ausbildung zurückzugreifen“, meint er.

„Mehr Geld ins System“

Immerhin hat Bahlmann einen Silberstreif am Horizont ausgemacht: „Es gibt die begründete Hoffnung, dass sich die Situation im Sommer etwas entspannt“, sagt er. Es schlössen mehr Erzieherinnen und Erzieher ihre Ausbildung ab als für zusätzliche Gruppen benötigt würden.

„Es muss mehr Geld ins System“, fordert Jörn Hüttmann. Für höhere Löhne und um die Rahmenbedingungen zu verbessern. Beispielsweise, um die Akustik zu verbessern, damit die Erzieher weniger Lärm ertragen müssen.

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