Barrienpreis Jury-Chef Johannes Rehder-Plümpe (rechts) überreichte gestern in der St.-Jürgens-Kirche Urkunden und die hölzerne Schmidt-Barrien-Büste an die diesjährigen Preisträger Peter Nissen und Hartmut Cyriacks (von links). Foto: Duwe
Plattdeutsch-Preis

Plattdeutsche Sprache ist so schön, wie gute Musik

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Am Sonnabend wurde in der St.-Jürgens-Kirche in Lilienthal den beiden Hamburgern Hartmut Cyriacks und Peter Nissen der diesjährige Heinrich-Schmidt-Barrien-Preis verliehen.

Hartmut Cyriacks und Peter Nissen gelten als zwei „plattdüütsche Allrounder“, an denen man einfach nicht vorbeikommt, wenn es um Übersetzungen aus dem Niederdeutschen geht. Am Sonnabend wollten alle nur Hände schütteln bei den beiden Hamburgern. Man gönnt den beiden die Mitnahme einer besonderen Trophäe: Der Freundeskreis „Dat Huus op’n Bulten“ zeichnete Cyriacks und Nissen im Rahmen einer Feierstunde in der St.-Georg-Kirche in Lilienthal Sankt-Jürgen mit dem Heinrich-Schmidt-Barrien-Preis aus. Der aus einer hölzernen Büste bestehende Wanderpreis wird in diesem Jahr zum 18. Mal verliehen.

Zu den bisherigen Preisträgern zählen Gerd Spiekermann, das Ohnsorg-Theater, Ina Müller, die Scharmbecker Speeldeel und die Fofftig Penns, im vergangenen Jahr wurde das Institut für Niederdeutsche Sprache ausgezeichnet.

Wörterbücher und Sprachführer verfasst

Die beiden Dramaturgen, Übersetzer und Journalisten betreiben in Hamburg seit 1994 eine Textmanufaktur für Theater-, Hörfunk- und Fernseharbeiten sowie Übersetzungen. Das Institut für Niederdeutsche Sprache in Bremen lobt deren Arbeit: „Cyriacks und Nissen nehmen die Aufgabe an, mit Sprache wirklich zu arbeiten. Sie übersetzen einen Text nicht eins zu eins, nein, sie übertragen ihn und schaffen immer ein neues Kunstwerk, das für sich steht. Mit ihren Übersetzungen zeigen sie, was in der Regionalsprache steckt.“

Hans Helge Ott, als Hörspieldramaturg und -regisseur 2016 selbst mit dem Schmidt-Barrien-Preis ausgezeichnet, würdigte Cyriaks und Nissen für ihre 24-jährige Zusammenarbeit „auf platten Wegen“. 1993 hätten sie sich beim Hamburger Ohnsorg-Theater getroffen. Beim NDR haben sie 1994 die plattdeutschen Nachrichten aus der Taufe gehoben. Für Radio Bremen schufen sie die Hörspielreihe „Kastendiek & Bischoff“. Sie haben sich als Autoren plattdeutscher Wörterbücher und Sprachführer einen Namen gemacht. Als Team würden sie dafür sorgen, dass die Regionalsprache weiterhin in unsere Zeit passe. Die plattdeutsche Sprache sei heute vielleicht nicht mehr eine Notwendigkeit, sie bleibe aber eine gewollte Sprache, die gepflegt werden müsse, wie gute Musik. Die Geehrten würden dazu beitragen, dass das Niederdeutsche nicht verkümmere und durch die Übersetzungen vieler Werke, von Asterix bis Harry-Potter, sorgten sie für eine große Bandbreite an Literatur. Als Beispiel nannte Ott die Übersetzung von Romeo und Julia, Shakespeare gebe es damit auch op Platt, ohne dass er dadurch „flach geworden“ sei. Die Namen Hartmut Cyriacks und Peter Nissen seien schon lange eine Institution geworden, dass der hölzerne Hinnerk nun für ein Jahr an die Elbe verliehen sei, sei auch gut für die plattdeutsche Sache.

Lilienthals Bürgermeister würdigt Engagement an Schulen

Lilienthals Bürgermeister Kristian Willem Tangermann hatte zu Beginn der Feierstunde als Schirmherr auf Hochdeutsch fürs Niederdeutsche geworben. Es ginge bei dieser Preisvergabe nicht darum, Asche weiterzutragen und zu sagen, dass es schön war, vielmehr verstehe er die Besinnung auf die Regionalsprache als ein Weitertragen von Feuer und würdigte auch das Engagement an Schulen, wo Kinder wieder Plattdeutsch lernen würden. Dass Tangermann seine Ansprache bald ruhig op Platt halten könnte, meinte Walter Henschen, der die Moderation der Feuerstunde übernommen hatte. Er wolle ein neues Projekt starten und kündigte einen Vorlesewettbewerb für Bürgermeister an. Schon der Amtsvorgänger Tangermanns, Willy Hollatz, habe kein Platt gesprochen.

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